United-Airlines-Affäre Jetzt wird auch der Konzernchef nicht befördert

Für den Chef der Fluggesellschaft United Airlines hat der Skandal um den gewaltsam aus einem Jet gezerrten Passagier Folgen: Eine eigentlich vereinbarte Beförderung Munoz' wurde abgeblasen.

United-Airlines-Chef Oscar Munoz
REUTERS

United-Airlines-Chef Oscar Munoz


Die US-Fluggesellschaft United Airlines hat sich im Zuge des Skandals um einen gewaltsamen Passagier-Rauswurf gegen eine bereits vereinbarte Beförderung von Konzernchef Oscar Munoz entschieden. Der 58-Jährige werde im kommenden Jahr nicht wie geplant zusätzlich zum Vorstandsvorsitz die Leitung des Verwaltungsrates übernehmen, teilte United am Freitag mit. Der Vorschlag, eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag anzupassen, kam von Munoz selbst.

Munoz war in die Kritik geraten, nachdem jüngst ein Passagier, der eine überbuchte Maschine nicht verlassen wollte, auf Betreiben der United-Flugcrew gewaltsam von der Flughafenpolizei in Chicago aus dem Flieger gezerrt wurde. Das rüde Vorgehen gegen den Kunden, der sich laut seinem Anwalt die Nase brach, zwei Zähne verlor und eine Gehirnerschütterung erlitt, hatte weltweit Empörung hervorgerufen.

Munoz verstärkte den Ärger zunächst noch, indem er den Vorfall in einer ersten Reaktion zwar bedauerte, das Verhalten seiner Mitarbeiter aber verteidigte. Erst nachdem die Welle der Entrüstung immer größer wurde, US-Politiker die Aufklärung des Falls forderten, und sogar Präsident Donald Trump sich über seinen Sprecher zu dem Thema äußerte, gab Munoz - Tage nach dem Vorfall - eine richtige Entschuldigung für den brutalen Rausschmiss ab.

Im Video: Passagier wird aus United-Airlines-Maschine gezerrt

Facebook/Audra Dickerson

Der Beirat von United Airlines hatte sich laut einem Statement des Vorsitzenden Robert Milton grundsätzlich hinter Munoz gestellt. Die Fluggesellschaft nehme den Vorfall aber sehr ernst und wolle die Zahlung von Boni für Vorstände künftig zumindest teilweise daran knüpfen, dass sich das Kundenerlebnis bei United verbessere.

Bereits im Vormonat hatte die Airline einen Shitstorm auf sich gezogen, als ein Mitarbeiter am Flugsteig zwei jungen Mädchen am Flughafen von Denver im US-Bundesstaat Colorado den Einstieg ins Flugzeug verbot - weil sie Leggings trugen. Wie sich später herausstellte, handelte es sich bei den beiden Damen allerdings um sogenannte Pass Riders, also United-Mitarbeiter und deren Angehörige, die sehr günstig oder sogar gratis reisen können. Solche "Pass Riders" würden United repräsentieren, ließ die Airline verlauten, weshalb es ihnen nicht gestattet sei, Kleidungsstücke wie etwa Leggins, zerrissene Jeans oder Flip Flops zu tragen.

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Brutaler Rauswurf: Was an Bord von United-Flug 3411 geschah

Munoz war 2015 zum Geschäftsführer der Airline ernannt worden und sollte vor allem das angespannte Verhältnis der Fluglinie zu den Gewerkschaften verbessern. Insgesamt hat sich die Airline unter Munoz in entscheidenden Punkten verbessert. Sie war pünktlicher geworden, es wurden weniger Flüge gestrichen, und es ging weniger Gepäck verloren. In Kundenbefragungen schnitt die Airline allerdings immer noch miserabel ab.

mhe/dpa/AP



insgesamt 9 Beiträge
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TaramTaram 22.04.2017
1. Ich meine, die Darstellung sei richtig,
In einer ersten Meldung hieß es, dass bereits vor dem Betreten des Flugzeuges Passagiere gebeten wurden, auf den Flug zu verzichten und dass dort die Maschine überbucht war. Als alle an Board waren, kam noch eine weitere Crew ins Gespräch, die auch noch mit müßten: Dort so nachzulesen: http://www.spiegel.de/reise/aktuell/united-airlines-passagier-wird-mit-gewalt-aus-ueberbuchtem-flugzeug-gezerrt-a-1142760.html
Harald Schmitt 22.04.2017
2. Aha
Zitat von TaramTaramIn einer ersten Meldung hieß es, dass bereits vor dem Betreten des Flugzeuges Passagiere gebeten wurden, auf den Flug zu verzichten und dass dort die Maschine überbucht war. Als alle an Board waren, kam noch eine weitere Crew ins Gespräch, die auch noch mit müßten: Dort so nachzulesen: http://www.spiegel.de/reise/aktuell/united-airlines-passagier-wird-mit-gewalt-aus-ueberbuchtem-flugzeug-gezerrt-a-1142760.html
Und das haben sie nicht beim Einchecken gemerkt, da warten die erst bis alle in die Maschine einsteigen und fangen dann an zu zählen?! Wenn sich die Airline verschätzt hat, müssen sie das eben anders handhaben. Passagiere dann aus den Sitzen zu zerren ist nicht der beste Weg! Naja ein Land mit Wahlmaschienen aus dem 19 Jahrhundert, die warten wahrscheinlich bis keiner mehr einen freien Platz findet, das erspart denen das Zählen und Kopfrechnen.
spon_3055608 22.04.2017
3. Prügel anstelle von Planung
Wenn man von Passagieren (die im Übrig auch noch dafür zahlen) verlangt pünktlich sich einzufinden, um ihren Platz einzunehmen, dann kann man das auch vom "geheiligten" Flugpersonal verlangen. Im Übrigen ist mir schleierhaft, warum es nicht möglich war, die vier Plätze vor dem Bordring zu reservieren. Man tut ja gerade so als ob das Telefon noch nicht erfunden wäre. Ich vermute, wenn eine Fluggesellschaft es schon es nicht schafft ohne primitive Gewalt die Plätze in einer Maschine zu verwalten, dann liegt da wesentlich mehr im Argen. Es ist m.E. nur ein Symptom für ein tiefgreifendes Versage de Organisation des Flugbetriebs. Ad hoc -Entscheidungen und Einprügeln auf Passagiere können niemals ein Ersatz für Planung und Organisation sein. Ich dachte nicht dass so was in Amerika möglich ist.
t85 22.04.2017
4. die Überschrift... *g*
"Jetzt wird auch der Konzernchef nicht befördert" Sehr gut, ich musste grinsen!
genugistgenug 22.04.2017
5. Wie UNsicher ist UA?
Denn wer nicht mal den Einsatz der Crews organisieren und Plätze für die eigenen Crews reservieren kann, wirft auch die Frage aus: 'Kann UA eigentlich die Wartung und Sicherheit de Flugzeuge garantieren?' Denn wenn man von der Qualität des Serviepersonals (im Blickfeld der Kunden) auf das Wartungspersonal (unbekannt, im Dunkeln der Wartungshalle) schließt, dann soltte man doch eher anderswo buchen. Wundert eigentlich, dass nicht auch schon solche Berichte über Wartungsfehler, usw. aufgetaucht sind, denn gestrichen wird da doch zuerst (wo es niemand sieht).
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