Neue Vorwürfe Skorpion soll United-Passagier gestochen haben

Einem Mann fiel ein Skorpion auf den Kopf, einem anderen soll mit Handschellen gedroht worden sein: United-Airlines-Passagiere berichten über abenteuerliche Erlebnisse mit der Fluggesellschaft.

United-Airlines-Maschinen (Archivfoto)
AP

United-Airlines-Maschinen (Archivfoto)


Nach der gewaltsamen Entfernung eines Passagiers aus einem Flugzeug werden neue Vorwürfe gegen United Airlines laut. Ein Passagier eines Fluges von Houston nach Calgary am vergangenen Sonntag sagte, ein Skorpion sei ihm in der Maschine auf den Kopf gefallen. "Wir waren etwa eine Stunde an Bord, aßen zu Abend, und dann fiel etwas auf meinen Kopf und ich griff danach", sagte der Mann dem TV-Sender CBS. Ein mexikanischer Reisender habe ihm gesagt, dass es sich um einen Skorpion handle - dann habe das Tier zugestochen.

Die Besatzung half dem Mann. Eine United-Sprecherin sagte, es sehe so aus, als habe es sich tatsächlich um einen Skorpion gehandelt. Ein Arzt habe versichert, dass die Sache nicht lebensgefährlich gewesen sei. Man habe den Passagier kontaktiert, um sich zu entschuldigen und die Sache zu besprechen.

Die "Los Angeles Times" berichtet zudem über mehrere Vorfälle, bei denen United-Passagiere schlecht behandelt wurden. Einem Mann soll gedroht worden sein, ihm würden Handschellen angelegt, wenn er seinen Platz nicht räume - offenbar wollte United den Sitz für einen anderen Fluggast, der als wichtiger eingestuft wurde.

Vorfälle werfen schlechtes Licht auf die Airline

Eine Frau sagte, ihr sei ein freier Platz in der Business-Klasse nicht gegeben worden, obwohl ihr Sitz nass gewesen sei und nach Urin gestunken habe. Ein Crew-Mitglied habe ihr stattdessen gesagt, sie könne aus der Toilette Seife und Wasser holen und den Sitz waschen, wenn sie der Geruch störe.

Die Vorfälle werfen kein gutes Licht auf die Airline - und das, nachdem das Unternehmen wegen des rabiaten Rauswurfs eines Passagiers ohnehin in der Kritik steht. Ein Video zeigt, wie der 69-jährige Arzt mit dem Kopf gegen eine Sitzlehne stößt, als ein Sicherheitsmann ihn von seinem Sitz zerrt. Der blutende und schreiende Mann wird dann durch den Gang zum Ausstieg geschleift, auch die anderen Insassen reagieren schockiert.

Im Video: Passagier wird aus United-Airlines-Maschine gezerrt

Facebook/Audra Dickerson

Der Mann hat sich einen Anwalt genommen und bereitet eine Klage vor. Der Arzt erlitt nach Angaben des Anwalts eine Gehirnerschütterung. Außerdem seien ihm die Nase gebrochen und die Nebenhöhlen verletzt worden. Auch habe sein Mandant zwei Vorderzähne verloren.

Der Arzt stamme aus Vietnam. Der Rauswurf aus dem Flugzeug sei für ihn "entsetzlicher und grauenhafter" gewesen als vor mehr als 40 Jahren seine Flucht im Boot aus seinem Heimatland. "Wir sind noch immer völlig entsetzt und schockiert über das, was meinem Vater widerfahren ist", sagte die Tochter des Opfers bei einer Pressekonferenz.

Vertreter von United Airlines mussten sich unterdessen einer Befragung in Chicagos Stadtrat stellen. Die für Unternehmensangelegenheiten verantwortliche United-Managerin Margaret Smith versicherte, es werde "diese Art von Situation nie wieder an Bord einer unserer Maschinen" geben. Es sei ein Fehler gewesen, dass die Fluglinie so lange mit einer Entschuldigung gebraucht habe.

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Brutaler Rauswurf: Was an Bord von United-Flug 3411 geschah

United-Chef Oscar Munoz veröffentlichte erst am Dienstag - fast 48 Stunden nach dem Rauswurf des Passagiers - eine offizielle Entschuldigung. "Niemand sollte so behandelt werden", erklärte Munoz. Der Vorfall sei "wirklich schrecklich". United Airlines übernehme die Verantwortung dafür. Zunächst hatte Munoz das Vorgehen noch verteidigt.

Bei der Befragung im Stadtrat stellte zudem der für den Flughafen O'Hare zuständige United-Manager John Slater klar, dass der Rauswurf nicht aufgrund einer Überbuchung der Maschine erfolgt sei, wie von der Fluggesellschaft zunächst angegeben. Vielmehr hätten vier Passagiere den Flieger wieder verlassen sollen, um Platz für United-Angestellte zu machen, damit diese auf einem anderen Flug am nächsten Morgen arbeiten konnten. (Lesen Sie hier mehr zu Passagierrechten bei Überbuchung.)

Drei Sicherheitskräfte, die den Passagier aus dem Flugzeug gezerrt hatten, wurden suspendiert. Der Imageschaden für United Airlines ist immens. Das Unternehmen kündigte an, allen Passagieren eine Entschädigung zu zahlen, die an Bord der Maschine gewesen waren.

ulz/Reuters/AP

insgesamt 55 Beiträge
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dilimi11 14.04.2017
1. US amerikanische Flughafenabfertigung...
Seit vielen Jahren fliege ich jedes Jahr in die USA. Ganz ehrlich wundere ich mich immer wieder über die rauhe Art des Umgangs. So hilflos manche Sicherheitskräfte in Deutschland wirken so martialisch wirken sie in den USA. Gut dass dieser Vorfall mal öffentlich wurde. Er wird auch den Us Angestellten ins Bewusstsein bringen dass es sich um ihre Kunden handelt.
bloedelsachse 14.04.2017
2. United= schlecht oder noch schlechter
Ich bin ca. 2005 mit United geflogen, Frankfurt- New York und zurück. Zurück: ca. 8 Stunden Verspätung. Dafür gab es einen 100 Dollar Gutschein für den nächsten Flug mit United. Den habe ich nicht eingelöst. Ich bin mit vielen (ca.10) Airlines geflogen. Den miesen Bordservice von United konnte keine unterbieten. Wenn United jetzt Ärger hat- geschieht ihnen recht! Mies waren sie schon lange.
dt99241256 14.04.2017
3. Lufthansa hat das Niveau von United schon längst erreicht
Seitdem Franz der CEO der Lufthansa war, hat diese das Niveau der United längst erreicht. Der jetzige CEO, Spohr, führt das Erbe zu Ende. Ich war zeitgleich Palatinum bei United und Senator bei der Lufthansa und der Unterschied ist marginal. Lediglich die Senator Lounge der Lufthansa ist besser. Bei der Lufthansa war ich bis Februar diesen Jahres 16 Jahre Senator! Auch bei der Lufthansa hatte ich schon auf einem Flug von Frankfurt nach New York JFK einen nassen Sitz mit kaputtem Entertainmentsystem und mir wurde das Upgrade verwehrt. Ich hatte auch schon die Situation, dass ich von Detroit nach Frankfurt ein Upgrade bestätigt bekommen, die Meilen abgebucht worden waren und am Check-In wieder ein Downgrade erhielt. Alles nichts Neues für Vielflieger. Mit der Eurowings, was meiner Meinung nach eine reine Missgeburt ist seitdem sie zur Lufthansa Group gehört, habe ich noch andere Sachen erlebt. Um nur einmal ein Beispiel zu nennen, ich hatte einen dreckigen Sitz und die Stewardess gab mir den feuchten Lappen zum Saubermachen machen meines Sitzes.
espressotime 14.04.2017
4.
Also wenn ich mir Ihre Schreibweise anschaue und den Inhalt grammatikalisch korrigiere, und den Ausdruck förmlich verschönere, kann ich leider nicht glauben, dass sie jemals Senator geflogen sind.
rxra99 14.04.2017
5. Ich finde United toll
Ich fliege seit Jahren einmal im Monat mit United oft auch in der Business. Es ist eine sehr gute Airline. Professionell. Freundlich. Da koennen sich andere auch europaische Airlines etwas abschneiden. Genug mit dem United bashing
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