Bahn-Bilanz Jeder vierte Fernzug war 2018 zu spät

Warten, gedulden, absitzen: Für Bahnfahrer war 2018 ein Jahr voller Ärgernisse - insgesamt kamen nur drei Viertel aller Fernzüge pünktlich ans Ziel. Besonders schlimm war es im August.
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Staus auf den Schienen, Mängel bei den Fahrzeugen: Kunden der Deutschen Bahn mussten 2018 häufiger mit unpünktlichen Zügen rechnen als in den Jahren zuvor. Vor allem der Fernverkehr war unzuverlässig: Im Jahresdurchschnitt erreichten nur 74,9 Prozent der ICE, Intercitys und Eurocitys ihre Ziele pünktlich, wie die Bahn am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mitteilte.

Eigentlich hatte der Verkehrskonzern sich zu Jahresanfang ein Ziel von 82 Prozent gesetzt - dieses hatte Bahnchef Richard Lutz aber schon im Juli aufgegeben und zugleich von einer Trendwende im zweiten Halbjahr gesprochen, die aber nicht eintrat. Im Vergleich zum Vorjahr (78,5 Prozent) sank die Jahrespünktlichkeit um 3,6 Prozentpunkte.

Die Kurve der Pünktlichkeitsentwicklung im Fernverkehr  sank seit Januar von 82 Prozent bis zum Tiefpunkt im August auf 69,8 Prozent. Im letzten Monat des Jahres kamen wieder 76,9 Prozent der Fernzüge pünktlich an - das waren 0,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat und der beste Wert seit Februar. Im Nahverkehr wurden 94,0 Prozent erreicht, ein Plus von 1,7 Punkten verglichen mit November. Auch im Gesamtjahr landete der Nahverkehr einschließlich der S-Bahnen bei 94,0 Prozent. Für alle Züge ergab sich ein Jahreswert von 93,5 Prozent nach 94,1 Prozent im Jahr 2017.

Die Jahrespünktlichkeit für den Fernverkehr von 74,9 Prozent ist der niedrigste Wert seit 2015. In den zurückliegenden zehn Jahren erreichte die Bahn 2009 die höchste Pünktlichkeit mit 81,2 Prozent. Am schlechtesten lief es im Jahr 2010 mit 72,4 Prozent. Die Bahn wertet ihre Züge bis zu einer Verspätung von weniger als sechs Minuten als pünktlich.

Mitte Januar Termin beim Verkehrsminister

Zu den Gründen für die hohe Verspätungsquote machte die Bahn in ihrer Jahresbilanz keine Angaben. Im Laufe des Jahres hatte sie aber viele Störungen an der Infrastruktur und den Fahrzeugen als Ursachen genannt, verstärkt in der langen Hitzeperiode im Sommer. Hinzu kamen Stürme, Schnee und Eis im Februar und März sowie Sonderereignisse wie ein Großbrand bei Kassel im Juli, ein Feuer bei Siegburg im August oder der bundesweite Warnstreik im Dezember.

Die Bahn hat aber auch tief gehende hausinterne Probleme zugegeben: Dazu gehören Engpässe auf dem Schienennetz angesichts steigender Fahrgastzahlen und beim Personal. Im November hatte daher Kai Brüggemann, Vorstand Produktion bei der zuständigen Tochter DB Fernverkehr, das Unternehmen verlassen. Sein Nachfolger als Fahrplanchef war Philipp Nagl.

Um Pünktlichkeit und Servicequalität in den Griff zu bekommen, hat der Konzernvorstand um Bahnchef Richard Lutz ein Programm "für eine bessere Bahn" aufgesetzt und im November dem Aufsichtsrat vorgestellt. Am 15. Januar soll Lutz das Maßnahmenpaket Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bei einem Treffen erläutern. Dieser hatte zum Jahreswechsel gesagt, er wolle "hören, wie wir zügig zu merklichen Verbesserungen früh in 2019 kommen".

Erforderlich seien erhebliche Investitionen in digitale Stellwerks- und Steuerungstechnik: "Wir müssen es vermeiden, dass Störungen auf bestimmten Korridoren zahlreiche weitere Störungen im gesamten Netz auslösen", sagte Scheuer. Außerdem müsse es ein besseres Management bei den Wartungen geben, damit die ICE, aber auch Güterwaggons schneller wieder fehlerlos in den Betrieb kämen.

Bernd Röder, dpa/abl