Unruhen Britische und französische Veranstalter streichen Kenia-Reisen

Gewalt und Chaos nach den Wahlen in Kenia halten an. Veranstalter in Großbritannien und Frankreich haben ihre Reisen in den nächsten Wochen ganz gestrichen. Deutsche Unternehmen bieten kostenlose Stornierungen an – doch nur wenige Urlauber vor Ort wollen vorzeitig abreisen.


London/Frankfurt - Wegen der anhaltenden Unruhen wurde Kenias Tourismusbranche heute von einer Welle von Stornierungen getroffen. Immer mehr europäische Tourismusunternehmen sagen Reisen in das ostafrikanische Land ab, das als eines der attraktivsten Urlaubsziele Afrikas gilt und für das Tourismus der wichtigste Devisenbringer und Wirtschaftszweig ist.

Die größten britischen Reiseveranstalter strichen zunächst bis Samstag alle Reisen nach Kenia. Das Außenministerium in London, das zunächst nur von Reisen in einzelne Regionen Kenias sowie Viertel von Nairobi und Mombasa abgeraten hatte, verschärfte gestern Abend seine Warnung und riet von jeder nicht notwendigen Reise nach Kenia ab. "Die Hotels, in denen sich die Touristen aufhalten, sind nicht durch die Unruhen betroffen", sagte ein Sprecher eines Reiseunternehmens, "aber wir können die Empfehlung des Außenministeriums nicht ignorieren." Mit 290.000 Urlaubern waren die Briten im vergangenen Jahr die größte Gruppe ausländischer Urlauber in der ehemaligen britischen Kolonie.

Kurz vor Beginn der Hochsaison beschloss der französische Reiseveranstalter-Verband Ceto heute, alle Reisen nach Kenia bis zum 18. Januar zu streichen. "Das Gesetz der Vorsicht gebietet es, alle Reisen in den kommenden 14 Tagen abzusagen", sagte Ceto-Präsident René-Marc Chikli nach einer Krisensitzung. In dem Dachverband seien mehr als 70 Reiseveranstalter organisiert. In Belgien nehmen die TUI-Tochter Jetair sowie Thomas Cook/Neckermann keine Reservierungen für Kenia mehr entgegen. Dort nahm Thomas Cook für die Wintersaison alle Kenia-Reisen aus dem Angebot.

Nur wenige deutsche Urlauber buchen um

Dagegen sagen die großen deutschen Veranstalter bisher keine Reisen nach Kenia ab. TUI, Thomas Cook und Meier's Weltreisen bieten bisher lediglich kostenlose Umbuchungen und Stornierungen von gebuchten Kenia-Reisen bis zum Ende kommender Woche an. Davon hätten bislang jedoch nur wenige Urlauber Gebrauch gemacht, hieß es bei den Veranstaltern. Auch von den Deutschen, die bereits in Kenia seien, seien nur wenige vorzeitig abgereist.

Wer mit Thomas Cook oder Meier's Weltreisen gebucht hat und bis zum 11. Januar nach Kenia fliegen würde, kann kostenlos umbuchen oder die Reise stornieren. Da die Lage in den touristischen Gebieten jedoch ruhig sei, hätten nur wenige umgebucht, hieß es bei beiden Veranstaltern. Urlauber, die bis einschließlich 13. Januar mit TUI nach Kenia fliegen wollten, können kostenlos umbuchen.

Bisher hätten davon aber nur 55 Gäste und damit weniger als ein Viertel aller gebuchten Reisenden Gebrauch gemacht, sagte ein Konzernsprecher in Hannover. "Von den rund 600 Gästen vor Ort wollte bislang niemand vorzeitig abreisen." Nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) halten sich derzeit rund 3000 bis 4000 deutsche Urlauber in Kenia auf. Im Jahr 2006 hatten 83.000 Bundesbürger und mehr als 50.000 Franzosen Urlaub in Kenia gemacht.

Das Auswärtige Amt in Berlin rät bis auf Weiteres "dringend" von nicht notwendigen Reisen nach Kenia ab. Nach der umstrittenen Wahl vom 27. Dezember dauerten in dem Land die Unruhen und Ausschreitungen an, hieß es in dem gestern Abend aktualisierten Sicherheitshinweis. Betroffen seien hauptsächlich Nairobi, aber auch andere Städte. Den Deutschen in Kenia werde auch dringend empfohlen, vorerst Menschenansammlungen und politische Kundgebungen zu meiden. In bestimmten Orten sollten die Urlauber ihre Hotels nicht verlassen, hatte eine Ministeriumssprecherin gestern gesagt. Individualreisende sollten überlegen, ob der Urlaub nicht besser verschoben werden sollte.

abl/AFP



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