Unruhen in Bangkok Veranstalter bringen Touristen aus der Gefahrenzone

Es waren die schwersten Unruhen seit 18 Jahren: In Bangkok gerieten auch Touristen in die Auseinandersetzungen, bei denen 20 Menschen starben. Deutsche Reiseveranstalter bieten jetzt alternative Hotels an, um Besucher aus der Demonstrationsregion zu bringen.

Unruhen in Bangkok: Etwa 20 Menschen kamen am Samstag ums Leben
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Unruhen in Bangkok: Etwa 20 Menschen kamen am Samstag ums Leben


Berlin - Nach den Straßenschlachten in Bangkok mit rund 20 Toten halten führende deutsche Reiseveranstalter an ihren Storno- und Umbuchungsregeln fest. Wer jetzt eine Reise in die thailändische Hauptstadt absagen oder umbuchen möchte, muss also die dabei fälligen Gebühren bezahlen. Das erklärten Vertreter der Anbieter TUI, Thomas Cook und Dertour/Meier's Weltreisen am Montag.

Im aktualisierten Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amtes heißt es, Reisen und Flüge nach und von Bangkok seien "grundsätzlich weiterhin möglich". Eine Reisewarnung sprach das Ministerium nicht aus.

Zu den Todesfällen war es am Samstag in Bangkok gekommen, als Polizisten und Soldaten zwei von Demonstranten besetzte Plätze und Straßenkreuzungen räumen wollten. Bei den Auseinandersetzungen wurden auch mehr als 800 Menschen verletzt.

Das Auswärtige Amt rät weiterhin "dringend" dazu, Menschenansammlungen und Demonstrationen in Bangkok weiträumig zu meiden. "Auch sind weitere gewaltsame Ausschreitungen an möglichen neuen Demonstrationsorten nicht auszuschließen." Die Insel Phuket und andere wichtige Touristenziele im Süden Thailands seien von den Demonstrationen dagegen derzeit nicht betroffen.

Rund 4000 deutsche Veranstaltergäste

Nach Erkenntnissen des Deutschen Reiseverbands (DRV) hielten sich am Montag - neben Individualreisenden - auch rund 4000 deutsche Veranstaltergäste in Bangkok auf. Rund 1900 davon sind mit Meier's Weltreisen und Dertour angereist, sagte Sprecherin Angela de Sando in Frankfurt. Gästen, deren Hotels in der Nähe der Demonstrationsorte liegen, sei jetzt angeboten worden, in andere Quartiere umzuziehen.

Ein solches Angebot haben auch Thomas Cook Reisen und Neckermann etwa einem Dutzend Urlauber gemacht, deren Hotels sich ebenfalls nicht weit entfernt von den bisherigen Orten des Konflikts befinden. Es habe allerdings keiner der Gäste davon Gebrauch gemacht, erklärte Thomas-Cook-Sprecher Mathias Brandes in Oberursel (Hessen). Thomas Cook hatte am Montag etwa 290 deutsche Gäste in Bangkok.

Von der TUI wurden dagegen Urlauber, die in vier Stadthotels nahe der Demonstrationsorte eingecheckt hatten, auf andere Häuser in der Stadt umgebucht. Davon seien "einige Dutzend" Gäste betroffen gewesen, erklärte TUI-Sprecher Mario Köpers in Hannover. Insgesamt seien derzeit rund 230 TUI-Gäste in der Hauptstadt. In der Regel blieben die Urlauber dort nur für drei bis vier Tage, bevor sie zu Badeorten oder anderen Zielen in Südostasien weiterfliegen.

Die Ausflugsmöglichkeiten in Bangkok seien nicht beeinträchtigt, hieß es bei Meier's Weltreisen und Thomas Cook. Für Bangkok gelten weiterhin "die ganz normalen Reise- und Zahlungsbedingungen", sagte Thomas-Cook-Sprecher Brandes. Die Lage in der Stadt führe auch nicht zu messbarer Beunruhigung bei Urlaubern mit bereits bestehenden Bangkok-Buchungen: In den Service-Centern des Reisekonzerns habe es vermehrte Anfragen zu dem Thema bisher nicht gegeben.

Die heftigsten Unruhen seit 18 Jahren trafen das Land in der Zeit kurz vor dem Songkran-Neujahrsfest, das am Dienstag beginnt. In der bei Touristen beliebten Khaosan-Straße in Bangkok sollen nun nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP die Feierlichkeiten ausfallen. Normalerweise ist es während des Neujahrsfests besonders ruhig in Bangkok, weil viele Einwohner aufs Land fahren, um ihre Familien zu besuchen. Zahlreiche Besucher wollten nach Medienberichten das Land verlassen, auch Touristen gerieten am Samstag in die Auseinandersetzungen.

Ein Fabrikarbeiter aus Irland berichtete von Schüssen und Benzinbomben, die ihn nur knapp verfehlten. "Wir wurden beschossen", sagte auch eine britische Touristin.

sto/dpa



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oberhesse 07.04.2010
1. Tragisch
Oberschicht gegen Unterschicht, Thaksin-treue Landbevölkerung gegen die besitzende Klasse der Städte. Und ein politisch gelähmtes Land weil der einzige, der bei allen Seiten Respekt und Anerkennung genießt, der greise König alt, krank und schwach ist und offensichtlich nicht mehr fähig, einzugreifen. Eine allseits akzeptierte Nachfolge ist nicht in Sicht, der Thronfolger wird in der Bevölkerungsmehrheit ob seines Lebenswandels abgelehnt, hinzu kommen Gerüchte über Aids und/oder Drogenabhängigkeit; Die Tochter, allseits beliebt und akzeptiert darf aus rechtlichen Gründen die Thronfolge nicht antreten. Nicht zu vergessen, dass es nach herrschender Volksmeinung keinen Rama X geben kann - die Dynastie endet bei IX. Daher wird Thailand wohl auf Dauer ein Unruheherd bleiben, es sei denn es wandelt sich in eine "parlamentarische Diktatur" - sprich es gibt ein Parlament, eine Regierung eine Opposition, das letzte Wort hat jedoch das Militär. Was also bleibt letztlich für Thailand? Möglicherweise die Erkenntnis, dass es ebensowenig wie andere Staaten für eine Demokratie westlicher Prägung geeignet ist.
Asiat 07.04.2010
2. Nicht so dramatisch!
Wer an Thailand interessiert ist und nicht vor Ort ist, sollte immer mal in www.nationnmultimedia.com und auch www.bangkokpost.com reinsehen. Bei der Nation ist Tulsathit Taptim ein sehr genauer Beobachter. Bei der Bangkok Post kann kommentiert werden.
Johann43, 07.04.2010
3. Einseitig!
Zitat von AsiatWer an Thailand interessiert ist und nicht vor Ort ist, sollte immer mal in www.nationnmultimedia.com und auch www.bangkokpost.com reinsehen. Bei der Nation ist Tulsathit Taptim ein sehr genauer Beobachter. Bei der Bangkok Post kann kommentiert werden.
Einen schlechteren Tipp kann man wohl nicht geben, denn eine neutrale Berichterstattung ist von diesen Medien sicher nicht zu bekommen, da sie ganz klar, um es vorsichtig auszudrücken, regierungsfreundlich sind. Das wäre ebenso, wenn man den Sender der "Roten" oder "ASTV" angeben würde. Wirklich neutrale Quellen in Thailand gibt es zur Zeit nur sehr wenige, vielleicht der ein oder andere Blogger. Gruß Johann Schumacher
mcleinn 07.04.2010
4. Falsche Spur
>Was also bleibt letztlich für Thailand? Möglicherweise die >Erkenntnis, dass es ebensowenig wie andere Staaten für eine >Demokratie westlicher Prägung geeignet ist. Westlich oder östliche (gelenkte?) Demokratie - das führt auf die falsche Spur. Thailand litt in den letzten Jahren nicht an "westlicher" Demokratie, sondern vor allem an Demokratie*defiziten*, ob nun Korruption unter Thaksin oder zweifelhafte Legitimation der letzten nach-Putsch-Regierung. Die Erkenntnis kann nur im Dialog und friedlichem Interessensausgleich zwischen den verschiedenen Bevölkerungsschichten liegen, ohne Vorbedingungen und Machtspiele. Ein Prozess, wie in viele Länder in der Vergangenheit durchmachen mussten, unabhängig von ihrer Lage auf dem Globus. Hoffen wir, dass sich auch in Thailand der Pragmatismus durchsetzt.
24moskito 07.04.2010
5. kein Ende absehbar
Zitat von AsiatWer an Thailand interessiert ist und nicht vor Ort ist, sollte immer mal in www.nationnmultimedia.com und auch www.bangkokpost.com reinsehen. Bei der Nation ist Tulsathit Taptim ein sehr genauer Beobachter. Bei der Bangkok Post kann kommentiert werden.
wobei man nicht vergessen sollte zu erwähnen das die NATION der deutschen BLÖD Zeitung schon sehr ähnlich kommt. Es wird oft vergessen das Thailand keine Demokratie ist, der derzeitige Premier wurde auch nicht vom Volk gewählt, sondern von der Militärregierung die durch einen Putsch an die Macht kam während der vom Volk gewählte ehemalige Premier Thaksin im Ausland war. Leider hat Mr. Thaksin es wohl etwas übertrieben, d.h. sich zu offensichtlich die Taschen gefüllt und ist in kurzer Zeit zu einem der reichsten Männer der Welt aufgestiegen. Bei einem Strafverfahren in Abwesenheit wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und ist sozusagen auf der Flucht im Ausland. Vor einem Monat wurde zudem noch ein grosser Teil seines Milliardenvermögens beschlagnahmt. Wie auch immer, Thailand wird auf absehbare Zeit nicht zur Ruhe kommen und im Prinzip ist es auch völlig wurst wer an der Regierung ist, die "anderen" werden immer wieder auf die Strasse gehen
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