Unruhen in Kenia Touristen verlassen Großstädte

Großstädte werden zu Geisterstädten: Die Straßen von Nairobi und Mombasa sind in diesen Tagen gespenstisch leer. Läden sind verbarrikadiert, und ausgebrannte Autos bestimmen das Bild. Das Auswärtige Amt rät von nicht notwendigen Reisen nach Kenia ab.


Mombasa - Kenia ist eines der beliebtesten Reiseziele in Afrika. Mehr als eine Million Besucher kommen jährlich in das Land, vor allem zwischen Dezember und Februar. Während sonst in Europa der Winter die Stimmung trübt, bietet Kenia quirlige Ferienorte, pulsierendes Nachtleben und eine einzigartige Tierwelt. Die Unruhen in den Großstädten seit der umstrittenen Wahl Ende Dezember verschrecken nun die Touristen. "Die Läden sind geplündert, Autos und Häuser wurden in Brand gesetzt, Straßen wurden versperrt", berichtet der Polizeichef von Mombasa, Wilfred Mbithi.

Einige deutsche Touristen haben bereits ihren Urlaub abgebrochen, viele trauen sich aus Sorge vor den Krawallen, die nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen das Land durchzogen, nicht mehr aus dem Hotel. "Ich habe die ganze Zeit in meinem Hotelzimmer verbracht", berichtet Amel B. aus Deutschland. "Ich konnte nicht zur Safari aufbrechen oder sonst etwas unternehmen, nachdem ich von meiner Reiseleitung erfahren habe, dass es da draußen nicht sicher ist."

Die Millionenmetropole Nairobi gleicht einer Geisterstadt. "Jedes Geschäft in Nairobi ist jetzt geschlossen", klagt der Ladeninhaber Madhu Shah. "Wenn man sich einmal das Gesamtbild vor Augen führt, dann ist das ein Riesenverlust an Arbeitszeit und Produktivität. Ich hätte nie gedacht, dass einmal so etwas bei uns in Kenia passieren könnte."

Im Gegensatz zu den großen Städten ist die Lage in den touristischen Hochburgen an der Küste ruhig. Würden die Reiseleiter die Urlauber nicht über die Lage informieren, würden die Kunden von den Unruhen nichts mitbekommen, sagte TUI-Unternehmenssprecher Mario Köpers. Nur rund 40 der insgesamt 600 Gäste der TUI-Gruppe seien mit Safaris unterwegs, die restlichen verbringen ihren Urlaub am Strand. Ausflüge in Großstädte wie Nairobi oder Mombasa haben die deutschen Reiseveranstalter gestrichen. Im Moment verbringen etwa 3000 bis 4000 Deutsche ihren Urlaub in Kenia.

Urlauber packen ihre Koffer

Das Auswärtige Amt verschärfte am Nachmittag seine Empfehlungen in Bezug auf das ostafrikanische Land, sprach jedoch keine offizielle Reisewarnung aus. "Von nicht notwendigen Reisen nach Kenia wird bis auf Weiteres abgeraten", heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Zuvor hatte das Auswärtige Amt lediglich geraten, Menschenansammlungen und Kundgebungen in bestimmten Städten zu meiden. Zuvor hatten die USA ihre Bürger vor Reisen nach Kenia gewarnt.

Der kanadische Tourist Stuart D. bricht seinen Aufenthalt in Nairobi ab. "Wir reisen wegen der Unruhen und der Gefahren hier auf den Straßen vorzeitig ab", erklärt er. Mit all den geschlossenen Geschäften und der Unsicherheit sei Nairobi derzeit kein guter Ort für Touristen.

Die heimische Geschäftswelt leidet ebenfalls unter den Folgen der Unruhen. In der Bar "The Hood" hatte man sich auf Silvester als einen der umsatzstärksten Tage im Jahr gefreut. Doch die Kneipe blieb wegen der Unruhen geschlossen, wie Chef Lawrence Mwatha berichtet. "Das Jahr hat für uns ganz mies begonnen." Einige Touristen wollen sich von der unsicheren Situation aber nicht von ihren Reiseplänen abbringen lassen. "Wir fühlen uns sicher", erklärt die Amerikanerin Magda B. Für Touristen gebe es eigentlich keine Probleme, wenn jemand nicht gerade gezielt auf Ärger aus sei.

reh/Philip Mwaiko, AP



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