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18. Mai 2006, 14:53 Uhr

Untergang eines Riesen

US-Navy versenkt eigenen Flugzeugträger

37 Minuten dauerte es - dann waren die 27.000 Tonnen Stahl des Flugzeugträgers "USS Oriskany" abgetaucht. Als künstliches Riff hat die US-Navy das ausgediente Schiff im Golf von Mexiko versenkt. Nun sollen sich bald Fische und Taucher in den rostigen Kajüten tummeln.

Ein gewaltiger Knall beendet die letzte Fahrt der "Mighty O": Brodelnd versinkt der Flugzeugträger "USS Oriskany" im Golf von Mexiko. Lloyd Quiter, Vietnam-Veteran und ehemaliges Besatzungsmitglied steht mit einigen seiner Mit-Matrosen auf dem Deck eines Beobachtungsbootes und salutiert. "Ich bin ein wenig traurig", sagt der 58-Jährige. Viermal ist er auf der "Mighty O" herausgefahren, vor 40 Jahren im Vietnamkrieg, in dem der riesenhafte Flugzeugträger als Station für die Jagdbomber diente. Zwölf Piloten der "USS Oriskany" gerieten damals in Gefangenschaft, erzählt Lloyd Quiter. Er war damals Matrose. Für ihn bedeutet die "Mighty O" vor allem Erinnerung.

56 Jahre amerikanischer Geschichte erzählt der gewaltige Rumpf des Flugzeugträgers. Schon 1950 lief die "USS Oriskany" vom Stapel. Sie wurde im Korea- und Vietnam-Krieg eingesetzt. US-Präsident John F. Kennedy nutzte den grauen Riesen auch als Drohkulisse in der Kuba-Krise 1962. 1976 schließlich hatte die "USS Oriskany" ausgedient und lief nicht mehr aus. Doch das war nicht das Ende der langen Reise des Flugzeugträgers: Als erstes Schiff der US-Marine wurde die "USS Oriskany" gestern 24 Meilen vor der Küste Floridas versenkt.

Hurrikans verhinderten den Untergang

"Es soll eine fruchtbare Umgebung für Fische und andere Meerestiere werden", erklärt Lawrence Jones von der US-Marine, der für das Programm verantwortlich ist. Schon vor zwei Jahren hätte der Flugzeugträger versenkt werden sollen. Doch die extreme Hurrikan-Saison machte die ursprünglichen Pläne zunichte. Erst in diesem Frühjahr konnten die Vorbereitungen getroffen werden. Begleitet von über 300 Beobachtungsbooten, darunter auch das von Veteran Lloyd Quiter, lief die "USS Oriskany" im Mai aus - zu ihrer letzten Fahrt.

Nach der Sprengung ging die "Mighty O" in nur 37 Minuten unter, 27.000 Tonnen Stahl liegen inzwischen auf dem Meeresgrund. Diese Schnelligkeit überraschte auch die Navy-Experten: Nach ihren Berechnungen hätte das Schiff trotz der Löcher, die sie in den Rumpf gesprengt hatten, mindestens fünf Stunden lang sinken müssen. Es scheint, als hätte es die "Mighty O" nach 56 Jahren Dienst besonders eilig gehabt mit dem Ruhestand.

jkr/AP

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