Veränderte Flugzeiten Wie ein früherer Rückflug den Reisepreis mindert

Die Reisezeiten sind bei der Urlaubsbuchung ein wichtiges Kriterium. Umso ärgerlicher, wenn der Anbieter den Rückflug um mehrere Stunden vorverlegt. Das müssen Verbraucher nicht hinnehmen.

Urlauber am Flughafen (Symbolfoto)
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Urlauber am Flughafen (Symbolfoto)


Reiseveranstalter müssen sich prinzipiell an die Flugzeiten halten, die sie ihren Kunden bei der Buchung mitgeteilt haben. Sie dürfen sich nicht einfach offen halten, wann genau die Rückreise stattfindet. So hatte der Bundesgerichtshof bereits vor einigen Jahren entschieden - ganz im Sinne der Verbraucher.

Dennoch kommt es vor, dass Reiseanbieter Flüge vorverlegen. Und so endet der Urlaub für manchen durchaus früher als gewünscht. Die Rückreise kann dadurch komplizierter werden.

Immerhin kann für Urlauber eine Preisminderung drin sein, wenn der Reiseveranstalter die Rückreisezeiten ändert. Nach Ansicht des Amtsgerichts München ist das gerechtfertigt, wenn sich die Reisezeit erheblich verlängert.

Wird die Zeit für die Abreise außerdem in die frühen Morgenstunden vorverlegt, rechtfertigt das eine weitere Minderung. Eine Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit gibt es aber nicht unbedingt, berichtet die Zeitschrift "Reiserecht aktuell" (Ausgabe 4/2019).

Weniger Urlaub, Geld zurück

In dem verhandelten Fall war der Rückflug eigentlich für 14.30 Uhr vorgesehen. Das Flugzeug sollte um 16:05 in Stuttgart landen. Vor der Rückreise buchte der Reiseveranstalter den Kunden aber um: Sein Flug hob nun schon um 6.30 Uhr ab und landete um 8.40 Uhr in Saarbrücken. Zur Weiterreise an sein Ziel erhielt der Kläger einen Zuggutschein. Die gesamte Reisezeit verlängerte sich damit um mehr als sechs Stunden. Der Kläger nahm die Veränderungen zwar hin, wollte aber später Geld vom Veranstalter zurück.

Mit Erfolg: Allein schon weil der Ankunftsflughafen geändert wurde, stufte das Gericht die Änderung als erheblich ein. Die vereinbarte Ersatzrückreise sei nicht von mindestens gleichwertiger Beschaffenheit wie die ursprünglich geschuldete. Die Rückreise werde deutlich beschwerlicher.

Für jede Stunde verlängerter Reisezeit könne eine Minderung von 7,5 Prozent des Reisetagespreises geltend gemacht werden. Die Vorverlegung der Abreisezeit in die frühen Morgenstunden mit einer Beeinträchtigung der Nachtruhe des letzten Urlaubstages berechtigt zu einer weiteren Minderung um 25 Prozent des Reisetagespreises. Schadensersatz komme allerdings nicht in Betracht.

Amtsgerichts München: Aktenzeichen 132 C 1229/19

jus/dpa



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Bundestrainer 26.08.2019
1. Klares Fehlurteil
Was sich zunächst wie ein juristischer Erfolg anhört, ist in Wahrheit ein Fehlurteil, weil sich die Reisepreisminderung am Reisetagespreis bemisst - anstatt die entsprechende Regelung der EU Fluggastrechteverordnung als Entschädigungsuntergrenze anzusetzen. Ausserdem ist unklar, wieso hier kein Ersatzanspruch für vertane Urlaubszeit (1/2 Tag) besteht.
MtSchiara 26.08.2019
2. sehr merkwürdig
Ich finde es sehr merkwürdig, daß eine einseitige Vorverlegung überhaupt zulässig ist. Das bedeutet ja auch, daß sich der Kunde bei Ticketverkauf verpflichtet, regelmäßig die Abfahrtzeiten zu kontrollieren, will er seinen Fluganspruch nicht verlieren. Derartiges sollte nur dann erlaubt sein, wenn es ausdrücklich im Kaufvertrag so vereinbart wurde. Im Kaufvertrag sollte dann stehen, daß der Kunde ein Recht auf Beförderung an einem bestimmten Tag erwirbt - zu welcher Zeit auch immer - und es ihm selbst obliegt, regelmäßig am Abflugtag zu kontrollieren, was die aktuelle Prognose der Fluggesellschaft für die geschätzte Abflugzeit ist.
phthalo 27.08.2019
3.
Zitat von MtSchiaraIch finde es sehr merkwürdig, daß eine einseitige Vorverlegung überhaupt zulässig ist. Das bedeutet ja auch, daß sich der Kunde bei Ticketverkauf verpflichtet, regelmäßig die Abfahrtzeiten zu kontrollieren, will er seinen Fluganspruch nicht verlieren. Derartiges sollte nur dann erlaubt sein, wenn es ausdrücklich im Kaufvertrag so vereinbart wurde. Im Kaufvertrag sollte dann stehen, daß der Kunde ein Recht auf Beförderung an einem bestimmten Tag erwirbt - zu welcher Zeit auch immer - und es ihm selbst obliegt, regelmäßig am Abflugtag zu kontrollieren, was die aktuelle Prognose der Fluggesellschaft für die geschätzte Abflugzeit ist.
Ich weiß nicht, wie es jetzt ist, aber früher stand in den AGBs tatsächlich drin, dass der Flug soundso viele Stunden vorher das Reiseunternehmen bzw, die Fluggesellschaft kontaktieren muss, um die Flugzeiten zu bestätigen. Es stand sogar drin, wenn man das nicht tue, verliert man das Recht auf Beförderung, sollte sie die Flugzeit ändern.
Hans-Dampf 27.08.2019
4.
Zitat von MtSchiaraIch finde es sehr merkwürdig, daß eine einseitige Vorverlegung überhaupt zulässig ist. Das bedeutet ja auch, daß sich der Kunde bei Ticketverkauf verpflichtet, regelmäßig die Abfahrtzeiten zu kontrollieren, will er seinen Fluganspruch nicht verlieren. Derartiges sollte nur dann erlaubt sein, wenn es ausdrücklich im Kaufvertrag so vereinbart wurde. Im Kaufvertrag sollte dann stehen, daß der Kunde ein Recht auf Beförderung an einem bestimmten Tag erwirbt - zu welcher Zeit auch immer - und es ihm selbst obliegt, regelmäßig am Abflugtag zu kontrollieren, was die aktuelle Prognose der Fluggesellschaft für die geschätzte Abflugzeit ist.
So etwas steht verklausuliert in den Vertragsbedingungen.
kuschl 27.08.2019
5. Unverschämte Zeiten
Ich buche ein Ziel immer beim Anbieter der für uns bestmöglichen Reisezeit. Diese Abflugzeittricksereien kosten doch manchmal mehr als einen Tag des Urlaubes. Beispiel: Abflug 2145, kurz vor Platzschliessung des deutschen Flughafens, wenn möglich dann noch mit Verspätung, Ankunft gegen vier morgens am Destination. Zum Frühstück im Hotel, mit Pech ist das Zimmer noch nicht fertig, das bedeutet, nahezu 2 Tage Urlaubsverlust, denn den Folgetag verschläft man. Mit Pech hat man also gerade fünf Tage von der Woche. Diese Verschiebungen und Abflugtricksereien sind nervend. Urlaub dient der Erholung und soll nicht mit Stress beginnen oder enden. Solche Veranstalter meide ich.
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