Urlauber auf Rügen Klippen gefährlicher als Vogelgrippe

Mehr als hundert tote Schwäne lagen auf den Stränden von Rügen. Bei einigen wurde eine Infektion mit dem Vogelgrippe-Virus nachgewiesen. Tourismusverband und Urlauber sehen das erste Auftreten des Erregers in Deutschland auf ihrer Insel noch relativ gelassen.


Binz - Der Tourismusverband auf Deutschlands größter Insel setzt angesichts der ersten Vogelgrippe-Fälle auf Aufklärung. Der Chef der Rügener Tourismuszentrale, Raymond Kiesbye, mahnt am Mittwoch zu besonnenem Verhalten. Eine reale Gefahr, sich mit dem Grippevirus zu infizieren, bestehe nicht, sagt er. Es sei vergleichsweise viel gefährlicher für Menschen, sich ohne Bedacht am Strand unterhalb von Steilküsten zu bewegen.

Toter Schwan an der Wittower-Fähre nahe Trent: Erstes Auftreten der Vogelgrippe in Deutschland
DPA

Toter Schwan an der Wittower-Fähre nahe Trent: Erstes Auftreten der Vogelgrippe in Deutschland

Kiesbye hofft, dass die Urlaubsinsel keinen Imageschaden erleidet. Trotz aller sachlichen Aufklärung sieht der Verbandsgeschäftsführer trotzdem die Gefahr, dass einige Urlauber die Region künftig meiden könnten. "Wir werden da aber energisch entgegensteuern", betont er. Der Verband habe für die Mitarbeiter der Tourismuszentralen und Hotels ein Informationsblatt mit Argumentationshilfen erstellt. Die Internetseite der Insel werde aktualisiert.

Sascha Mundt aus Hessen, der derzeit im Ostseebad Sellin Urlaub macht, macht sich vorerst keine Sorgen. Er werde jetzt allerdings überlegen, ob er weiterhin Schwäne, Möwen oder Enten an Ostsee und Bodden mit Brotresten füttere, räumt der 29-Jährige ein.

Keine Panik

"Ohne große Sorge" sieht auch das Urlauberpaar Willer aus Berlin die Nachrichten über die infizierten Vögel. Von täglichen Ausflügen ans Wasser wollen sie sich auch für den Rest ihres Winterurlaubs nicht abbringen lassen. "Wir kommen ja mit den Tieren nicht in Kontakt", betont Doris Willer, 63, gerade zurück von einem Ausflug an den Selliner See.

Ihr Mann Peter setzt auf die richtigen Reaktionen der Behörden. Er hoffe auf gute Informationen und vielleicht mehr Impfstoffreserven, falls das Virus doch noch auf Menschen übergreifen sollte, sagt der 69-Jährige. Er warnt vor Panik angesichts toter Tiere. Der Tod komme in der freien Wildbahn nun einmal vor.

Hotelfachfrau Ramona Mhamdi, 29, aus Binz befürchtet, dass nach dem Auftauchen der ersten Vogelgrippefälle doch Urlauber wegbleiben könnten. Die Touristen würden zwar nicht von der Insel fliehen, aber ein kleiner Rückgang von Buchungen werde vermutlich zu spüren sein. Das wäre natürlich nicht gut für den Job. Privat macht sie sich etwas größere Sorgen um ihre Familie. Die Gefahr sei jetzt in ihre unmittelbare Nähe gerückt, es handle sich nicht mehr um ein weit entferntes Problem. Aber in Panik verfalle sie deswegen nicht.

Von Bernhardt Mehnke, ddp



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