Urlaubsknigge Wo Trinkgeld eine Beleidigung ist

Schmattes, Bakschisch oder Tip - Trinkgeld ist überall auf der Welt willkommen. Fast überall. Denn auch für das Dankeschön des Urlaubers gilt: andere Länder, andere Sitten. Ein Überblick über Trinkgeldregeln in beliebten Reiseländern.


Kellner auf dem Münchner Odeonsplatz: Im Ausland gelten oft andere Trinkgeld-Regeln
DPA

Kellner auf dem Münchner Odeonsplatz: Im Ausland gelten oft andere Trinkgeld-Regeln

Frankfurt/Main - Wenn der Taxifahrer hilfsbereit und der Service im Restaurant exzellent war, zeigen sich Urlauber gerne mit Trinkgeld erkenntlich. Was jedoch in einem Land als Anerkennung ausgelegt wird, gilt andernorts vielleicht als Beleidigung.

Ägypten: Wie in ganz Nordafrika sind Trinkgelder bei jeder Gelegenheit wichtig. Im Restaurant sind es 10 bis 15 Prozent. Im Taxi wird der Preis aufgerundet. Zimmermädchen, Gepäckträger und andere Dienstleister freuen sich über ein kleines Trinkgeld von umgerechnet 50 Cent oder einem Euro.

Australien: Bis vor wenigen Jahren war Trinkgeld in Down Under unüblich. Mittlerweile wird guter Service wie hierzulande nach eigenem Ermessen belohnt.

China und Japan: In China und Japan hat Trinkgeld keine Tradition und wird fernab internationaler Hotels oft als Beleidigung empfunden. In Chinas Touristenzentren nimmt das Servicepersonal aber gerne zehn Prozent, das Zimmermädchen zwei bis drei Yuan und der Reiseleiter einen Dollar. Wer in Japan guten Service anerkennen möchte, tut dies mit kleinen Geschenken oder ein bis zwei Dollar.

Frankreich: Im Restaurant oder Café werden 10 bis 15 Prozent gegeben. "Le pourboire", wie der Franzose sagt, wird einfach auf dem Tisch liegen gelassen. Im Hotel ist der Obolus keine Pflicht; der Gast kann aber etwas auf dem Nachttisch hinterlassen. Der Taxifahrer erhält zehn Prozent.

Griechenland: Üblich sind im Restaurant rund zehn Prozent, in der Taverna nur maximal ein Euro. Dem Zimmermädchen sollte eine kleine finanzielle Aufmerksamkeit am Abreisetag persönlich übergeben werden. Im Taxi wird aufgerundet.

Großbritannien und Irland: In Restaurants gibt man 10 bis 15 Prozent "tip", in Irland maximal zehn Prozent. Ist auf der Rechnung bereits eine "service charge" aufgeführt, darf es weniger sein. Wichtige Ausnahme: Im Pub wird an der Bar kein Trinkgeld gegeben. Wer den Barkeeper belohnen möchte, bietet ihm einen Drink an. Für Kofferträger im Hotel sollte der Gast rund ein Pfund locker machen und im Taxi aufrunden.

Italien: Trinkgeld ist in der Gastronomie nicht üblich. Oft taucht auf der Rechnung ein "coperto", eine Art Grundgebühr für das Gedeck und das Brot auf. Wer besonders zufrieden war, kann zusätzlich ein paar Münzen auf dem Tisch liegenlassen. In Espressobars gibt es dafür Tellerchen oder Sparschweine auf der Theke. Im Hotel sind fünf Euro pro Woche für das Zimmermädchen üblich. Im Taxi ist Trinkgeld kein Muss; der Betrag kann aufgerundet werden.

Österreich: Im Restaurant sind wie in Deutschland fünf bis zehn Prozent angebracht. Im Hotel erhält der Kofferträger meist einen Euro pro Gepäckstück, das Zimmermädchen ein bis zwei Euro pro Tag. Das Geld wird vor der Abreise direkt ans Personal übergeben. Friseure und Taxifahrer bekommen fünf bis zehn Prozent "Schmattes" oder "Schmatt", wie es im Landesdialekt heißt.

Portugal und Spanien: In der Gastronomie sind 10 bis 15 Prozent Trinkgeld üblich. Wenn der Kellner das Wechselgeld zurückbringt, lässt der Gast das Trinkgeld liegen. Im Taxi wird auf die nächsten 50 Cent oder den vollen Euro aufgerundet. Als äußerst unhöflich gilt es, Kleinstbeträge wie Zwei- oder Fünf-Cent-Stücke liegen zu lassen.

Thailand und Malaysia: Hier ist man schon sehr westlich eingestellt. Im Restaurant sind zehn Prozent angebracht. Weniger als zehn Bath Trinkgeld gelten als Beleidigung.

Türkei: In der Gastronomie sind zehn Prozent "Bakschisch" üblich. Nichts geben gilt als unhöflich. Für kleine Gefälligkeiten sollte man als Dankeschön eine Zigarette oder Ähnliches anbieten. Im Hotel verhält es sich wie in Deutschland und Österreich. Im Taxi sollte der Gast den Betrag nur aufrunden.

USA und Kanada: Der "Tip" von 15 bis 20 Prozent ist im Restaurant und beim Pizzaservice ein Muss, da er Bestandteil des Lohns ist. Manchmal ist der Obolus schon auf der Rechnung ausgewiesen. Der Kofferträger erhält einen kanadischen beziehungsweise ein bis zwei US-Dollar pro Gepäckstück, das Zimmermädchen ein bis zwei Dollar pro Nacht. Im Taxi werden 15 Prozent gegeben.

AFP



insgesamt 429 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hArAkiRiON, 04.07.2005
1. 5 - 10 % Tip in Deutschland? Leider viel zu selten...
---Zitat von sysop--- Oft scheint es schwierig, mit dem Extra-Obulus für Bedienung [...] alles richtig zu machen. ---Zitatende--- Dem kann ich nur beipflichten. Aber dazu mauss man nicht erst das eigene Land verlassen. Ich jobbe 1-2 mal pro Woche in einem Restaurant und es ist extrem auffällig, wie stark das Trinkgeld prozentual abnimmt, wenn die Rechnung höher wird. Bei einer Rechnung von 2,70 € wird schnell mal auf 3,- aufgreundet, was mehr als zehn Prozent entspricht. Liegt die Rechnung hingegen z.B. bei 92,10 € wird freundlich auf 93 gerundet, was noch nicht mal ein Prozent Tips ist. Also ist der Kellner, der stundenlang einen Tisch betreut meist der gelackmeierte, wobei sich der jenige, der nach jedem Drink abkassiert, eine goldene Nase verdient. Dabei hat es der Gast doch gar nicht so schwer. Eion zehntel oder zwanzigstel von einem Betrag x auszurechnen sollt edoch kein Problem sein. Und wir Servicekräfte leben nun mal auch stark vom Trinkgeld.
Aekschnuschi, 04.07.2005
2.
---Zitat von hArAkiRiON--- Dem kann ich nur beipflichten. Aber dazu mauss man nicht erst das eigene Land verlassen. Ich jobbe 1-2 mal pro Woche in einem Restaurant und es ist extrem auffällig, wie stark das Trinkgeld prozentual abnimmt, wenn die Rechnung höher wird. Bei einer Rechnung von 2,70 € wird schnell mal auf 3,- aufgreundet, was mehr als zehn Prozent entspricht. Liegt die Rechnung hingegen z.B. bei 92,10 € wird freundlich auf 93 gerundet, was noch nicht mal ein Prozent Tips ist. Also ist der Kellner, der stundenlang einen Tisch betreut meist der gelackmeierte, wobei sich der jenige, der nach jedem Drink abkassiert, eine goldene Nase verdient. Dabei hat es der Gast doch gar nicht so schwer. Eion zehntel oder zwanzigstel von einem Betrag x auszurechnen sollt edoch kein Problem sein. Und wir Servicekräfte leben nun mal auch stark vom Trinkgeld. ---Zitatende--- Nun ja,...ich gebe Trinkgeld je nach Service und nicht nach "Prozent". Und auch relativ egal was ich zu zahlen hätte, ob 3,00€ oder 97,00€. mehr als maximal 3,00€ Trinkeld sind da nicht drin!
hArAkiRiON, 04.07.2005
3.
---Zitat von Aekschnuschi--- Nun ja,...ich gebe Trinkgeld je nach Service und nicht nach "Prozent". Und auch relativ egal was ich zu zahlen hätte, ob 3,00€ oder 97,00€. mehr als maximal 3,00€ Trinkeld sind da nicht drin! ---Zitatende--- Das ist leider genau das Problem. Hat ein Kellner, der 30 mal den Weg zum Tisch läuft (Mehrere Gänge, Aperetiv, Degistiv, Getränke etc.) nicht mehr Geld verdient, als der, der ein mal kommt und Getränke serviert? Oder wie ist es, wenn größere Gruppen da sind? Da bekomm ich dann 10 mal so viel Tip, wenn ich einzeln abkassiere. Und wenn eine Hauptzahler ist, bekomme ich so gut wie nichts? Das kann es nicht sein... Die %-Lösung ist schon sinnig. Klar sollte auch hier die Qualität des Srvice eine Rolle spielen. Eine pampige, lahme Bedinienung hat natürlich nix verdient, aber ein guter Service sollte auch leistungsgerecht entlohnt werden.
Antje Technau, 04.07.2005
4.
---Zitat von hArAkiRiON--- Das ist leider genau das Problem. Hat ein Kellner, der 30 mal den Weg zum Tisch läuft (Mehrere Gänge, Aperetiv, Degistiv, Getränke etc.) nicht mehr Geld verdient, als der, der ein mal kommt und Getränke serviert? Oder wie ist es, wenn größere Gruppen da sind? Da bekomm ich dann 10 mal so viel Tip, wenn ich einzeln abkassiere. Und wenn eine Hauptzahler ist, bekomme ich so gut wie nichts? Das kann es nicht sein... Die %-Lösung ist schon sinnig. Klar sollte auch hier die Qualität des Srvice eine Rolle spielen. Eine pampige, lahme Bedienung hat natürlich nix verdient, aber ein guter Service sollte auch leistungsgerecht entlohnt werden. ---Zitatende--- Ich verstehe Ihr Problem, aber ich bin auch nicht Krösus und wenn ich z.B. Freunde einlade und eine Rechnung von 57,- Euro zu zahlen hätte, dann wären auch bei mir nur maximal 3,- Euro Trinkgeld für den nettesten Kellner drin und nicht 5,70 Euro oder gar 6,- Euro...60,- Euro waren mal 120,- DM, das ist eine Menge Geld (ja, die Umrechnung habe ich immer noch im Hinterkopf. Ihre "nur 3,- Euro" waren einmal 6,- DM - die hat eine Bedinung damals nur selten bekommen). Einer pampigen, unwilligen Bedienung habe ich auch ein Mal gar kein Trinkgeld gegeben und als die dann deswegen zu zetern anfing habe ich ihr auch gesagt, warum. Wir hatten uns noch nicht entschieden, was wir nehmen wollten und sie wollte unbedingt sofort die Bestellung aufnehmen. Dabei war gar nicht viel los, die Frau stand also nicht unter Druck. Und wenn ich Essen gehe, dann lasse ich mich nicht hetzen, dann will ich mir in Ruhe etwas aussuchen. Ich mag es dann auch nicht, wenn jemand gleich angesaust kommt und einem den Teller wegnehmen will, wenn man noch gar nicht fertig ist mit dem Essen ("aber ANDERE Leute haben da längst aufgegessen!"), weil ich mein Essen nicht hinterschlinge und mich auch gerne nebenher unterhalte. Es ist auch nicht ungewöhnlich das Glas Bier zurückgehen zu lassen, wenn der Partner Mineralwasser bestellt hat und kein zweites Glas Bier...mit anderen Worten, der "Service" liess zu wünschen übrig. Meines Wissens ist ein Trinkgeld zwar üblich, aber einen "Rechtsanspruch" hat eine Bedienung darauf nicht. Sonst könnte man das Trinkgeld gleich mit auf die Rechnung schreiben. Und wenn man gar 97,- Euro zu zahlen hätte, dann würde man auch nicht mehr als 3,- Euro Trinkgeld geben wollen, weil man mit den 97,- Euro schon so viel Geld im Lokal gelassen hat. Man zahlt schliesslich primär für's Essen und nicht für die Bedienung. Dafür bekommt schliesslich auch der Kellner immer noch sein festes Gehalt. Das Trinkgeld ist ein zusätzliches Extra. So wie beim Angestellten demnächst das Weihnachtsgeld...
Tom S., 04.07.2005
5.
---Zitat von Aekschnuschi--- Nun ja,...ich gebe Trinkgeld je nach Service und nicht nach "Prozent". Und auch relativ egal was ich zu zahlen hätte, ob 3,00€ oder 97,00€. mehr als maximal 3,00€ Trinkeld sind da nicht drin! ---Zitatende--- Richtig, rein nach Prozenten zu gehen ist bloed. Fuer die Kellnerin ist es oft nicht viel mehr Arbeit, einen Tisch mit Essen zu bedienen als nur mit Getraenken. Besser ist es eigentlich, nach der Zeit zu gehen (jedenfalls dann, wenn es im Lokal recht voll ist) Warum soll ich bei einer Rechnung von 90 Euro 100 hergeben, wenn ich den Tisch nur 1 Stunde blockiert habe? Das ist mir zu viel. 95 sind hier das absolute Maximum.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.