Urlaubsplanung 2007 Staulos in die Sommerfrische

Jedes Jahr beginnen Autofahrer ihre Ferien mit einem satten Stau. Für die Urlaubsplanung 2007 raten Experten: Wer wochentags losfährt, hat meist freie Fahrt. Oft scheitert der alternative Urlaubsbeginn jedoch an starren Buchungsrhythmen und dem Geknapse mit Urlaubstagen.


München/Eislingen - Immer wieder samstags: Vor dem Elbtunnel in Hamburg staut sich der Verkehr wieder auf etlichen Kilometern Länge. Auch zwischen München und Salzburg stehen die Autos Stoßstange an Stoßstange. Im Hochsommer ist es fast jedes Wochenende das Gleiche: Urlauber quälen sich auf den Fernstraßen ihrem Feriendomizil entgegen und ärgern sich darüber, dass der Start in die "schönste Zeit des Jahres" in einer heißen Blechlawine stockt. Wer jetzt damit beginnt, den Sommerurlaub 2007 zu planen, sollte nach Ansicht von Experten deshalb versuchen, nicht freitags oder samstags auf die Reise zu gehen. Zum Teil ist es jedoch gar nicht so einfach, das in die Tat umzusetzen.

Stau auf deutschen Straßen: Die Reisewelle rollt nicht an - sie steht still
GMS

Stau auf deutschen Straßen: Die Reisewelle rollt nicht an - sie steht still

Ein Hauptgrund dafür, dass viele Deutsche immer wieder samstags starten, sind die Belegungsrhythmen von Ferienhäusern und -wohnungen. In Dänemark etwa, wo rund 75 Prozent aller Übernachtungen deutscher Gäste in Ferienhäusern stattfinden, kommt es im Juli und August jeden Samstag zum allgemeinen Bettenwechsel, weil die Vermieter ihre Objekte keinen Tag leer lassen wollen.

"Nur fünf Tage bleiben oder donnerstags anreisen, das geht sonst das ganze Jahr. Aber in den acht Wochen im Juli und August lassen die Vermieter nur den Samstag als Anreisetag zu", sagt Reiner Büchtmann von Visit Denmark in Hamburg.

Starre Buchungsrhythmen, falscher Geiz mit Urlaubszeit

Nicht nur in Dänemark sind die Buchungsrhythmen so starr. Wer in der Hochsaison an einem anderen Tag als dem Samstag sein Ferienhaus beziehen will, "muss bei der Reiseregion und seiner Wunschimmobilie flexibel sein", sagt Helmut Scheel, Präsident des Verbandes deutscher Ferienhausagenturen (VDFA) in Eislingen (Baden-Württemberg). Es gebe solche Angebote durchaus, doch man müsse sie suchen und sehr gezielt in den Vermittlungsagenturen danach fragen. Die Lage sei heute etwas besser als früher, beobachtet auch Katja Frisch vom ADAC in München. Vom Optimalzustand seien Ferienhaus-Mieter aber noch weit entfernt.

Neben Vermietern und Vermittlern tragen aber auch die Urlauber selbst zum samstäglichen Autobahnchaos bei. "Die Mehrzahl der Kunden wünscht den Samstag als Anreisetag", sagt Scheel. Denn dann komme man nach zwei Wochen Urlaub auch samstags zurück nach Hause und habe noch den Sonntag zum Ausspannen, bevor es am Montag wieder zur Arbeit geht. Positiver Nebeneffekt einer solchen Planung: Obwohl es eine 14-tägige Reise ist, müssen am Arbeitsplatz nur 10 Urlaubstage genommen werden. Bei einer Reise von Mittwoch bis Mittwoch wären es schon 11 Tage und inklusive des Ausspann-Tages danach sogar 12.

Auch Reiseveranstalter beobachten, dass "die Leute superknapp mit ihren Urlaubstagen kalkulieren". So formuliert es Anette Forré von den Rewe-Pauschalreisemarken ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg in Köln. Auch bei deren Kunden sei der Samstag der beliebteste Abreisetag - neben den Autobahnen sind im Sommer daher oft auch die Flughäfen überfüllt. Man versuche allerdings eine Entzerrung dadurch zu erzielen, dass Abflüge während der Woche billiger gemacht werden, indem zum Beispiel Flughafenzuschläge wegfallen, sagt Forré.

Last-Minute-Reisen und Autozüge wochentags günstiger

Ähnlich wird bei DB Autozug verfahren - auch hier sind im Sommer besonders stark die Nachtfahrten von Freitag auf Samstag gebucht. "Aber wir können die Züge ja nicht nur am Wochenende laufen lassen", sagt Sprecher Stefan Karpenstein in Dortmund. Deshalb fallen auf vielen Strecken auch im Juli und August manche Abfahrten nicht in die teuerste Preiskategorie 3, sondern in die billigste Tarifstufe 1.

Eine vierköpfige Familie, die während der Hamburger Schulferien per Autozug nach München fahren will, zahlt für Autotransport und zwei Schlafwagenabteile an Samstagen zum Beispiel 815 Euro. Wird in der gleichen Woche dienstags gestartet, sind es nur 615 Euro. Wer am richtigen Wochentag reist, spart also bares Geld. Ähnliche Tarife gibt es etwa auf der Strecke Berlin-München sowie von Düsseldorf oder Hamburg nach Bozen. Dennoch sei auch für 2007 zu erwarten, dass die teuren Wochenendtermine ausgebucht sind, während an Wochentagen vielleicht sogar Last-Minute-Reisen möglich sind, sagt Karpenstein.

VDFA-Präsident Scheel und ADAC-Expertin Frisch raten allen, die Stress vermeiden wollen, eine längere Autoanreise zum Urlaubsort in Etappen zu absolvieren. Dienstags sei in der Regel am wenigsten los auf den Fernstraßen, sagt Frisch. Auch donnerstags loszufahren, zum Teil auf landschaftlich interessante Nebenstrecken auszuweichen und unterwegs Übernachtungen einzulegen, sei eine gute Idee. Ein Start an einem Freitag sei dagegen ebenfalls schwierig, weil dann auch viele Berufspendler unterwegs sind.

"Sehen Sie den Weg als Teil des Urlaubs. Zwischenstationen wären für viele Reisende viel entspannter", empfiehlt auch Scheel. "Oder man nutzt das Wochenende, um den persönlichen Akku herunterzufahren und startet erst montags." Dann allerdings würden in vielen Fällen die ersten bezahlten Ferienhausnächte ungenutzt bleiben - und das dürfte den meisten Touristen, die knapp kalkulieren, nicht gefallen.

Von Christian Röwekamp, gms



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