Dynamic Pricing Wie Sie an die Urlaubsschnäppchen im Internet kommen

Wer im Netz nach Flügen, Hotels oder Mietwagen sucht, begegnet immer öfter dynamischen Preisen - zu seinem Nachteil. Mit ein paar einfachen Maßnahmen lässt sich dieses System austricksen.

Bernd Wüstneck/ DPA

Von Tinga Horny


Einst versprach das Internet transparente Preise und Vergleichsmöglichkeiten. Doch wer das immer noch denkt, irrt. Tatsache ist, dass dank World Wide Web in wenigen Minuten ein Flug, ein Hotel oder eine Pauschalreise gebucht werden können. Und auch, dass es dabei manchmal unglaubliche Schnäppchen gibt.

Allerdings können die Anbieter inzwischen im Nu auf Nachfrage und Angebot reagieren - das heißt, die Preise können nach unten und nach oben gehen . Eine Analyse der Verbraucherzentrale Brandenburg im vergangenen Herbst ergab, dass 37 Prozent der unter die Lupe genommenen Onlinehändler ihre Preise veränderten - mit Preisunterschieden bis zu 100 Prozent.

Der wirkliche Vorteil für Hotels, Airlines und andere Anbieter besteht jedoch in den persönlichen Datenmengen, die ihnen User täglich freiwillig liefern. In Bruchteilen von Sekunden weiß ein Reiseportal, ob jemand von seinem Computer, Laptop oder Smartphone aus surft. Ob dieser Anwender mit dem neuesten iPhone oder einem Android-Handy unterwegs ist. Daraus lässt sich auf die Kaufkraft des potenziellen Kunden schließen.

Und nicht nur das. IP-Adresse und Geodaten des Betroffenen verraten, wo er lebt, wo er sich gerade befindet, welche Internetseiten er bevorzugt, welche Interessen er hat, und erlauben somit ein präzises Personenprofil, um entsprechend den Preis anzupassen.

Bei Schietwetter wird der Skipass billiger

Dynamic Pricing nennt sich diese Art der flexiblen Preisfindung, und in Ansätzen ist sie im Urlaubsgeschäft schon lange Routine. Denn Haupt- und Nebensaison, Messeaufschläge sowie saisonale Preisschwankungen sind dort bereits seit Generationen üblich.

Nur erlauben jetzt raffinierte Algorithmen und künstliche Intelligenz eben noch raffiniertere Bepreisung zum Zwecke der Ertragsoptimierung. So berechnet das schweizerische Andermatt seine Skipasstarife seit vergangenem Jahr nicht nur nach Wochentag und Vorausbuchungszeitraum, sondern auch nach dem aktuellen Wetter.

Das Beunruhigende beim Dynamic Pricing ist, dass sich der Preis bei der Suche nach einem bestimmten Flug bei jeder neuen Sitzung ändert, und zwar meist nach oben. Das Buchungsportal simuliert auf diese Weise eine erhöhte Nachfrage und setzt den Kunden unter Druck. Hotelportale erreichen einen ähnlichen Zugzwang mit der Info "Nur noch wenige Zimmer zur Verfügung".

"Mit dieser Art der Preisfindung werden die Gefühle der Leute manipuliert", sagt Naomi Hodges, Sicherheitsexpertin des VPN-Providers Surfshark, dem Branchendienst Eturbonews. Deshalb beschäftigen Softwareschmieden nicht nur Programmierer, sondern zusätzlich Verhaltensökonomen, die genau wissen, wie sie Konsumenten interaktiv zum Kauf verlocken.

Die einfachste Maßnahme, um zu verhindern, dass eine Hotel-, Reise- oder Flugplattform weiß, dass ein- und dieselbe Person nach einem Reiseangebot sucht, besteht darin, möglichst keine digitalen Spuren im Netz zu hinterlassen.

Denn obwohl das EU-Parlament kürzlich einer Verordnung zugestimmt hat, der zufolge Onlineanbieter jeglicher Couleur über personalisierte Preise informieren müssen, wird sich die Umsetzung noch eine Weile hinziehen. Zuerst muss der EU-Rat noch die neue Richtlinie absegnen, und danach haben die EU-Mitglieder zwei Jahre Zeit, um die neue Maßnahme einzuführen.

Um digitale Spuren zu vermeiden, können Verbraucher hierauf achten:

  • Sie sollten bis dahin grundsätzlich den Browserverlauf und vor allem Cookies löschen sowie den Cache regelmäßig leeren. Wer noch auf einem anderen Browser surft, sollte darauf achten, dass dieser ebenfalls keine Cookies speichert - das sind die kleinen Textprogramme, die jeden User auf einer Site identifizieren.
  • Um ohne Cookies zu surfen, müssen Nutzer des Browsers Chrome den "Incognito Mode" aktivieren, die mit Safari den "Private Mode" und die mit Firefox die Option "Private Window" wählen.
  • Außerdem sollte jeder User Reiseangebote auf verschiedenen Endgeräten checken. Nicht selten unterscheiden sich die Preise zwischen PC, Tablet und Handy.
  • Zusätzlich loggen sich User auf der Suche erst einmal nicht auf der Website ein. Denn einmal eingeloggt, kann der Suchverlauf genau nachverfolgt werden und über Präferenzen informieren, die es dem Algorithmus erlauben, den Preis zugunsten des Anbieters zu optimieren. Am besten so spät wie möglich registrieren, also erst kurz vor dem Klick zur Kasse. Oft kann man sich auch nur einmalig als Gast eintragen.
  • Die effizienteste Möglichkeit, um die personalisierte Preisbildung zu unterbinden, ist schließlich die Benutzung eines VPN-Dienstes. Denn ein VPN (Virtual Private Network) verschlüsselt die Internetverbindung, und die IP-Adresse lässt sich so verbergen beziehungsweise ändern. Neugierige haben dann keine Chance mehr, suchende Kunden auszuspionieren.

srt



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