Urteil Entschädigung auch bei Flugausfall wegen technischen Defekts fällig

Maschine kaputt, Abflug verschoben - und die Airline will wegen eines seltenen technischen Problems keine Entschädigung zahlen: Passagiere eines Flugs von Teneriffa gingen vor Gericht und klagten wegen "erheblicher Verspätung". Zu Recht, urteilten die Richter.


Darmstadt - Fällt ein Flug wegen eines technischen Fehlers der Maschine aus, kommt die Airline nicht automatisch um eine Entschädigung herum. Die Fluggesellschaft kann sich auch nicht damit herausreden, es sei ein ungewöhnlich seltenes Problem gewesen. In solchen Fällen kann Passagieren daher durchaus eine Entschädigungsleistung zustehen.

So sprach das Landgericht Darmstadt zwei Fluggästen, die wegen eines annullierten Flugs geklagt hatten, eine Ausgleichszahlung von je 400 Euro zu. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift "ReiseRecht aktuell".

Die Kläger hatten einen Flug von Teneriffa nach Frankfurt gebucht, der wegen eines seltenen technischen Fehlers ausfiel. Sie mussten deshalb zunächst mehrere Stunden am Flughafen warten, dann im Hotel übernachten und konnten erst am Tag darauf zurückfliegen. Weil der Flug daher "erheblich verspätet" war, erhoben sie Anspruch auf die Ausgleichszahlung nach Artikel 7 der EU-Fluggastrechte-Verordnung 261/2004.

Zu Recht, so das Gericht: Technische Probleme, die zu einer Verspätung führen, seien kein "außergewöhnlicher Umstand", durch den der Anspruch auf eine Ausgleichszahlung erlischt. Der Defekt mag zwar äußerst selten gewesen sein. Aber allein das rechtfertige nicht, einen Flug ausfallen zu lassen, argumentierten die Richter. Deshalb hätten die Kläger Anspruch auf die Ausgleichszahlung und auf Verzugszinsen.

Landgericht Darmstadt, Aktenzeichen 7 S46/11

abl/dpa



insgesamt 10 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
the_flying_horse, 28.10.2011
1. Endlich - kann man sagen.
Endlich - kann man sagen. So einen "seltenen technischen Defekt" hatte ich zweimal bei einem innerdeutschen Flug während eines Fußballspiels bei der WM bzw. auch EM. Immer bei wichtigen Spielen mit der Deutschen Mannschaft fielen Flüge aus... Bei einer Beschwerde über das Bundesluftfahrtamt argumentierte die Lufthansa, ein Ventil sei defekt gewesen, daher der Flugausfall... komisch nur, das nach dem Spiel der Flugbetrieb sich schlagartig normalisierte... eine Entschädigung wurde natürlich abgelehnt.
Ernst49 28.10.2011
2. Nicht wirklich neu...
Das ist nur eine Bestätigung der Rechtsprechung des EuGH. Ich mache zur Zeit das 2. Mal Ansprüche gegen eine Fluggesellschaft wg. Verspätung geltend. Vor 3 Jahren hat mir Delta Airlines nach einigen Schriftwechseln die Entschädigung gezahlt. Dieses Jahr hatte eine Air-France-Maschine von Paris nach Boston mehr als 4 Stunden Verspätung. Bislang lehnt Air-France die Ansprüche ab und begründet dies mit "Flugsicherheit". Entscheidend ist aber, welche Gründe konkret vorgelegen haben: Lagen sie in der Sphäre der Fluggesellschaft (z.B. defekte Maschine) oder außerhalb (Überlastung des Luftraumes, Nebel etc.). Versuchen Sie das mal als Passagier herauszubekommen. So tragen Sie das volle Prozessrisiko. Erforderlich wäre es, wenn die Flugsicherung in einem öffentlichen Portal die Gründe aufführt, die zu bestimmten Zeiten Flugbewegungen beeinträchtigt haben. Leider gibt es auch keine Möglichkeit, mit anderen Fluggästen im nachhinein Kontakt aufzunehmen, um gemeinsam gegen die Fluggesellschaft vorgehen. So ist jeder auf sich selbst gestellt. Außerdem: Versuchen Sie mal, eine reguläre E-Mail-Adresse von Air-France oder Delta-Airlines in Erfahrung zu bringen. Oder eine Telefonnummer! Mit den veröffentlichten Telefonnummern können Sie nur Flüge buchen, nichts anderes. Erst nach langem Suchen habe ich Adressen der Firmen (Paris und GB) herausbekommen. Das dürfte System haben.
juanth 28.10.2011
3. Ist ein Ding!
Zitat von Ernst49Das ist nur eine Bestätigung der Rechtsprechung des EuGH. Ich mache zur Zeit das 2. Mal Ansprüche gegen eine Fluggesellschaft wg. Verspätung geltend. Vor 3 Jahren hat mir Delta Airlines nach einigen Schriftwechseln die Entschädigung gezahlt. Dieses Jahr hatte eine Air-France-Maschine von Paris nach Boston mehr als 4 Stunden Verspätung. Bislang lehnt Air-France die Ansprüche ab und begründet dies mit "Flugsicherheit". Entscheidend ist aber, welche Gründe konkret vorgelegen haben: Lagen sie in der Sphäre der Fluggesellschaft (z.B. defekte Maschine) oder außerhalb (Überlastung des Luftraumes, Nebel etc.). Versuchen Sie das mal als Passagier herauszubekommen. So tragen Sie das volle Prozessrisiko. Erforderlich wäre es, wenn die Flugsicherung in einem öffentlichen Portal die Gründe aufführt, die zu bestimmten Zeiten Flugbewegungen beeinträchtigt haben. Leider gibt es auch keine Möglichkeit, mit anderen Fluggästen im nachhinein Kontakt aufzunehmen, um gemeinsam gegen die Fluggesellschaft vorgehen. So ist jeder auf sich selbst gestellt. Außerdem: Versuchen Sie mal, eine reguläre E-Mail-Adresse von Air-France oder Delta-Airlines in Erfahrung zu bringen. Oder eine Telefonnummer! Mit den veröffentlichten Telefonnummern können Sie nur Flüge buchen, nichts anderes. Erst nach langem Suchen habe ich Adressen der Firmen (Paris und GB) herausbekommen. Das dürfte System haben.
Wegen einer Verspaetung von 4 Stunden soviel Aufwand? Haben Sie das noetig oder sind Sie Berufsquerulant? Da liest man ein bischen,ein Kaffee und das wars. P.S. Ich fliege beruflich ziemlich oft,weiss also wovon ich rede.
Ernst49 28.10.2011
4. Bin kein Querulant
Zitat von juanthWegen einer Verspaetung von 4 Stunden soviel Aufwand? Haben Sie das noetig oder sind Sie Berufsquerulant? Da liest man ein bischen,ein Kaffee und das wars. P.S. Ich fliege beruflich ziemlich oft,weiss also wovon ich rede.
Wir waren jeweils 4 Personen, das macht zusammen bei mehr als 4 Stunden Verspätung 2.400 €. Ich habe leider nicht genug Geld, um auf diesen Betrag, auf den ich aufgrund EU-Recht Anspruch habe, verzichten zu können. Wenn Sie aber so viel Geld haben, gebe ich Ihnen gerne meine Kontonummer und begleichen die Schuld der Fluggesellschaft, dann kann ich mir den Aufwand in der Tat sparen. Man ist kein Querulant, wenn man schlicht seine Ansprüche in ordentlicher Weise geltend macht.
juanth 28.10.2011
5. Anspruchsdenken
Zitat von Ernst49Wir waren jeweils 4 Personen, das macht zusammen bei mehr als 4 Stunden Verspätung 2.400 €. Ich habe leider nicht genug Geld, um auf diesen Betrag, auf den ich aufgrund EU-Recht Anspruch habe, verzichten zu können. Wenn Sie aber so viel Geld haben, gebe ich Ihnen gerne meine Kontonummer und begleichen die Schuld der Fluggesellschaft, dann kann ich mir den Aufwand in der Tat sparen. Man ist kein Querulant, wenn man schlicht seine Ansprüche in ordentlicher Weise geltend macht.
Sie wundern sich aber nicht,wenn wg Passagieren wie Ihnen die Ticketpreise immer weiter steigen,oder? Zum Anderen: Ploetzlich ist EU-Recht ne tolle Sache?? Sonst immer ueber die EU meckern, aber wenns der eigenen Tasche dient,dann mal druf auf die Firmen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.