EuGH-Urteil zu Flugverspätungen Auf die Tür kommt es an

Bei verspäteten Flügen können Passagiere künftig leichter eine Entschädigung bekommen. Laut Europäischem Gerichtshof ist nicht das Aufsetzen auf der Landebahn entscheidend, sondern erst das Öffnen der Türen.
Stewardess in Flugzeug (Archiv): Erst angekommen, wenn eine Tür offen ist

Stewardess in Flugzeug (Archiv): Erst angekommen, wenn eine Tür offen ist

Foto: © Nguyen Huy Kham / Reuters/ REUTERS

Brüssel - Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat das Recht von Passagieren auf Entschädigung bei Flugverspätungen gestärkt. Ausschlaggebend für das Ausmaß einer Verspätung sei, wann nach der Landung mindestens eine Tür der Maschine geöffnet worden ist, urteilten die Richter in Luxemburg. Erst dann ist das Flugzeug sozusagen offiziell angekommen.

Die Richter gaben damit einem Fluggast der Lufthansa-Tochter Germanwings recht, der eine Entschädigung gefordert hatte, weil seine Verbindung zum Airport Köln/Bonn mehr als drei Stunden zu spät gewesen ist. Germanwings hatte argumentiert, dass die Räder des Flugzeugs auf der Landebahn nur zwei Stunden und 58 Minuten später als geplant aufgesetzt habe, also innerhalb der entscheidenden Drei-Stunden-Frist. Die Parkposition war nach drei Stunden und drei Minuten erreicht worden, und erst danach wurden die Türen geöffnet.

Die Richter hielten dagegen, dass Reisende "aus technischen und aus Sicherheitsgründen" nur eingeschränkt mit der Außenwelt kommunizieren können, solange die Türen des Flugzeugs geschlossen sind. "Unter solchen Umständen können sich die Fluggäste nicht weiter um ihre persönlichen, familiären, sozialen oder beruflichen Angelegenheiten kümmern." Ein Aufenthalt im Flugzeug über die normale Flugzeit hinaus stelle daher "verlorene Zeit" dar. Dies sei erst anders, wenn Reisende den Flieger verlassen könnten.

Nach EU-Recht wird die Entschädigung ab einer Verspätung von drei Stunden fällig. Der EuGH hatte schon 2009 entschieden, dass Passagiere bei einer Annullierung ihres Fluges oder ab einer Verspätung von drei Stunden eine pauschale Ausgleichsleistung verlangen können, die je nach Entfernung 250, 400 oder 600 Euro beträgt.

Nach dem Luxemburger Urteil muss Germanwings dem Fluggast nun eine Entschädigung von 250 Euro bezahlen. Formal müssen dies nun die Gerichte in Österreich entscheiden. Die österreichischen Richter hatten ihre Kollegen in Luxemburg um Hilfe bei der Auslegung des EU-Rechts gebeten.

Europäischer Gerichtshof: Aktenzeichen C-452 /13

emt/Reuters/dpa/AFP