Verzögerter Flug Warum Urlauber bei Reisemangel nicht doppelt abkassieren

Zu hoch gepokert: Obwohl eine Urlauberin bereits aufgrund einer Flugverspätung eine stattliche Ausgleichszahlung erhalten hatte, wollte sie auch noch den Reisepreis drücken. Vor Gericht kam sie damit nicht durch.


Rostock - Bei einer erheblichen Flugverspätung besteht nach europäischem Recht Anspruch auf eine Ausgleichszahlung. Der Fluggast kann aber nicht ohne weiteres eine zusätzliche Reisepreisminderung verlangen. Wenn die Ausgleichszahlung höher ist als der Minderungsanspruch, wird beides miteinander verrechnet. So urteilte das Amtsgericht Rostock. Das berichtet die Zeitschrift "ReiseRecht aktuell".

In dem Fall hatte die Klägerin eine Kreuzfahrt für 3188 Euro gebucht. Der Rückflug von Dubai nach Düsseldorf verspätete sich um 25 Stunden. Dafür bekam die Klägerin für sich und ihren Ehemann eine Ausgleichszahlung in Höhe von 1200 Euro. Außerdem verlangte sie eine Minderung des Reisepreises für den Rückflugtag von fünf Prozent - das wären knapp 480 Euro gewesen. Die Klage sei nicht begründet, entschied das Gericht. Denn die Ausgleichszahlung übersteige den verlangten Betrag für die Reisepreisminderung.

Ausgleichszahlungen seien grundsätzlich mit Minderungs- oder Schadenersatzansprüchen zu verrechnen. Andernfalls könnte der Fluggast für denselben Mangel mehrfach Entschädigungszahlungen erhalten. Das sei weder vom deutschen noch vom europäischen Gesetzgeber beabsichtigt.

Aktenzeichen: 47 C 256/12

dkr/dpa

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karlsiegfried 14.06.2013
1. Raffgier
Mehr als ein Drittel des Reisepreises für eine 25-stündige Verspätung. Das ist doch reichlich. Wollten die ihre Reise gar geschenkt haben?
Hans58 14.06.2013
2.
Zitat von karlsiegfriedMehr als ein Drittel des Reisepreises für eine 25-stündige Verspätung. Das ist doch reichlich. Wollten die ihre Reise gar geschenkt haben?
Der Gesamtreisepreis spielt bei einer Flugverspätung erst einmal keine Rolle. Es interessiert die Fluggesellschaft nicht, in welchem Passagier-Status der Fluggast mitfliegt. Nur, die Klägerin konnte den "Hals nicht voll" kriegen und dann kommt erst der Veranstalter ins Spiel. Dieser Versuch der "Abkassierei" ging voll ins Beinkleid und womit? Mit Recht?
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