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27. Mai 2011, 11:28 Uhr

Urteil

Kind erhält Schadenersatz für fehlenden Hotelpool

Presslufthammer statt Planschbecken: Bei einem Rechtsstreit um eine Hotelbaustelle gestanden Richter einem Fünfjährigen eine finanzielle Entschädigung zu. Vergeudete Zeit und entgangene Freude würden den Urlaub eines Kindes bereits in diesem Alter erheblich schmälern.

Frankfurt/Main - Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder ab fünf Jahren haben Anspruch auf Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude. In diesem Alter sei Urlaub bereits etwas Besonderes, wohingegen Kleinkinder im Alter von zwei bis drei Jahren ihn noch nicht bewusst wahrnehmen. So urteilte das Landgericht Frankfurt am Main im Prozess um einen Urlaub auf einer Hotelbaustelle, wie die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" berichtet.

In dem verhandelten Fall hatte die Klägerin für sich und ihren Sohn einen Cluburlaub in Ägypten gebucht. Wie sich herausstellte, wurde auf der Anlage noch gebaut, viele der versprochenen Attraktionen waren noch nicht fertig - unter anderem der Kinderpool und der Kinderclub. Wegen der Bauarbeiten konnte das Kind zudem nicht ungestört in der Clubanlage oder am Strand spielen.

Die Richter minderten deshalb nicht nur den Reisepreis um 73 Prozent, sondern gestanden der Klägerin und ihrem Sohn eine Entschädigung von insgesamt 1765 Euro zu. Auch der Sohn habe Anspruch auf Schadenersatz wegen nutzlos vertaner Urlaubszeit. Denn gerade Einrichtungen wie der Kinderpool, die für ihn interessant gewesen wären, waren noch im Bau. Dadurch sei der Erlebniswert des Urlaubs für ihn erheblich geschmälert. Grundsätzlich sei eine Entschädigung gerechtfertigt, wenn der Reisepreis um mindestens 50 Prozent gemindert wurde.

Landgericht Frankfurt am Main: Aktenzeichen: 2-24 S 61/10

jus/dpa

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