Urteil Kind erhält Schadenersatz für fehlenden Hotelpool

Presslufthammer statt Planschbecken: Bei einem Rechtsstreit um eine Hotelbaustelle gestanden Richter einem Fünfjährigen eine finanzielle Entschädigung zu. Vergeudete Zeit und entgangene Freude würden den Urlaub eines Kindes bereits in diesem Alter erheblich schmälern.


Frankfurt/Main - Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder ab fünf Jahren haben Anspruch auf Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude. In diesem Alter sei Urlaub bereits etwas Besonderes, wohingegen Kleinkinder im Alter von zwei bis drei Jahren ihn noch nicht bewusst wahrnehmen. So urteilte das Landgericht Frankfurt am Main im Prozess um einen Urlaub auf einer Hotelbaustelle, wie die Deutsche Gesellschaft für Reiserecht in ihrer Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" berichtet.

In dem verhandelten Fall hatte die Klägerin für sich und ihren Sohn einen Cluburlaub in Ägypten gebucht. Wie sich herausstellte, wurde auf der Anlage noch gebaut, viele der versprochenen Attraktionen waren noch nicht fertig - unter anderem der Kinderpool und der Kinderclub. Wegen der Bauarbeiten konnte das Kind zudem nicht ungestört in der Clubanlage oder am Strand spielen.

Die Richter minderten deshalb nicht nur den Reisepreis um 73 Prozent, sondern gestanden der Klägerin und ihrem Sohn eine Entschädigung von insgesamt 1765 Euro zu. Auch der Sohn habe Anspruch auf Schadenersatz wegen nutzlos vertaner Urlaubszeit. Denn gerade Einrichtungen wie der Kinderpool, die für ihn interessant gewesen wären, waren noch im Bau. Dadurch sei der Erlebniswert des Urlaubs für ihn erheblich geschmälert. Grundsätzlich sei eine Entschädigung gerechtfertigt, wenn der Reisepreis um mindestens 50 Prozent gemindert wurde.

Landgericht Frankfurt am Main: Aktenzeichen: 2-24 S 61/10

jus/dpa

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dt1011047 27.05.2011
1. Verstehe die Begründung nicht
Hier wird offenbar dafür der Reisepreis gemindert, weil man Dinge nicht nutzen konnte, und das auch nachweisen mußte. Wäre es nicht viel naheliegender, den Anbieter dafür zu bestrafen, daß er wesentliche Dinge (Pool usw.) verspricht, die dann gar nicht verfügbar sind? Sprich, sowas wie irreführende Werbung?
juanth 27.05.2011
2. Zu viel
Zitat von dt1011047Hier wird offenbar dafür der Reisepreis gemindert, weil man Dinge nicht nutzen konnte, und das auch nachweisen mußte. Wäre es nicht viel naheliegender, den Anbieter dafür zu bestrafen, daß er wesentliche Dinge (Pool usw.) verspricht, die dann gar nicht verfügbar sind? Sprich, sowas wie irreführende Werbung?
Es handelte sich hierbei anscheinend um eine neue Anlage,die noch nicht fertig war,oder aber um eine noch nicht vollendete Totalrenovierung.Der Anbieter (wohl ein Reiseveranstalter) hat dies eventuell nicht gewusst, oder es dem Kunden nicht mitgeteilt. Daher 73% Rueckerstattung (viel,viel mehr als ueblich, meines Erachtens zu viel)+ Entschaedigung. Die Kunden haben sehr viel Glueck gehabt mit dem Richter,ich bezweifele,dass dies Urteil einer Revision standhaelt.
renee gelduin 27.05.2011
3. ...
... fraglich ist ob der Reiseveranstalter davon wusste und ob in diesem Fall das Haftungsrisiko nicht an die entsprechenden Anlagebtreiber (sprich Hotel und co) weitergegeben wird.
juanth 27.05.2011
4. Haftung
Zitat von renee gelduin... fraglich ist ob der Reiseveranstalter davon wusste und ob in diesem Fall das Haftungsrisiko nicht an die entsprechenden Anlagebtreiber (sprich Hotel und co) weitergegeben wird.
Sollte der Veranstalter es nicht gewusst haben, dann wird er mit Sicherheit sich die Kosten vom Hotelbetreiber zurueckholen, dies geschiet bei Reklamationen,an denen der Veranstalter unschuldig ist, grundsaetzlich. Trotzdem halte ich die Hoehe der Entschaedigung fuer jenseits von "Gut und Boese".
topaz75 27.05.2011
5. titel sind ueberbewertet
Zitat von juanthSollte der Veranstalter es nicht gewusst haben, dann wird er mit Sicherheit sich die Kosten vom Hotelbetreiber zurueckholen, dies geschiet bei Reklamationen,an denen der Veranstalter unschuldig ist, grundsaetzlich. Trotzdem halte ich die Hoehe der Entschaedigung fuer jenseits von "Gut und Boese".
Ach? Ich finde die Entschaedigung eher zu niedrig.Das ist doch mal ein gutes Beispiel fuer einen echten Reisemangel, nicht wie so oft ein paar Lappalien wie eine Kakerlake im Bad oder 2 Stunden Verspaetung beim Abflug. Fuer einen Kunden ist die "Ware" Cluburlaub doch voellig wertlos, wenn wesentliche Bestandteile in dem Club wie die Kinderbetreuung oder der Pool (!!) fehlen. Wenn ich ein Auto miete und das hat statt 4 nur 3 Raeder kann Sixt dann auch nur 25% zurueckerstatten? Insofern faende ich sogar 100% Reisepreisminderung plus Schadenersatz wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit angemessen. Aber ich bin Kunde, nicht Reiseveranstalter-Insider, wie Sie es zu sein scheinen.
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