US-Flughäfen Piloten und Passagiere revoltieren gegen Kontrollwahn

Nacktscanner und Grabsch-Kontrollen: In den USA wächst das Unbehagen über verschärfte Sicherheitschecks im Luftverkehr. Aktivisten rufen nun zu Widerstand an Thanksgiving auf - Flugchaos am verkehrsreichsten Tag soll den Druck auf die Regierung erhöhen.
Schlange am Flughafen Baltimore: "National Opt Out Day" an Thanksgiving

Schlange am Flughafen Baltimore: "National Opt Out Day" an Thanksgiving

Foto: JIM WATSON/ AFP

Washington - In den USA droht ausgerechnet am verkehrsreichsten Tag im Jahr ein Chaos an den Flughäfen: Bürgerrechtsaktivisten rufen Passagiere dazu auf, am 24. November die Sicherheitskontrollen zu behindern. So soll der Druck auf die Regierung erhöht werden, die Verschärfung der Checks nach den Paketbombenfunden wieder zurückzunehmen. Das berichten übereinstimmend der TV-Sender CNN und das Magazin "Wired" auf ihren Web-Seiten.

Am Tag vor Thanksgiving sind traditionell viele Amerikaner unterwegs, um den Feiertag gemeinsam mit der Familie zu begehen. Auch die Piloten fordern Ausnahmen von den strengen Kontrollen. Die Heimatschutzministerin zeigt sich beeindruckt und lud die Reisebranche zu Gesprächen über mögliche Erleichterungen.

Nacktscanner

Der Unmut der Aktivisten ist grundsätzlicher Natur: Die mögliche Gesundheitsgefahr durch die Strahlung der ist nur ein Aspekt - weit wichtiger aber noch ist der ihrer Ansicht nach unverhältnismäßige Eingriff in die Privatsphäre der Passagiere. Das US-Heimatschutzministerium hatte nach den vereitelten Paketbombenanschlägen verfügt, dass Fluggäste, die sich dem Körperscanner verweigern, auf konventionelle Weise kontrolliert werden sollen - allerdings weit gründlicher als bislang, und weit gründlicher als etwa von europäischen Flughäfen bekannt. Konkret tasten die Sicherheitsleute nun auch die Genitalien der Passagiere ab - was im traditionell wenig freizügigen Amerika für einige Aufregung sorgt.

"Kein Fremder darf dich berühren - außer es ist ein Regierungsangestellter"

Eine Bürgerinitiative ruft nun im Internet den 24. November zum "National Opt Out Day" aus: "Opt Out" bezeichnet das Recht der Passagiere, sich dem Ganzkörperscanner zu verweigern und stattdessen die intime und vor allem ziemlich langwierige Prozedur des Abtastens über sich ergehen zu lassen. Das Kalkül ist klar - bei dem zu erwartenden Ansturm am verkehrsreichsten Tag des Jahres käme es zu extremen Verspätungen, sollten viele Fluggäste dem Aufruf nachkommen. Der Organisator der Kampagne, Brian Sodegren, spricht von einem "Aufstand und Protest für Freiheit und gegen das Verlangen der Regierung, ihre Bürger zu durchleuchten". Sodegren greift vor allem die scharfen Kontrollen bei Kindern an. "Keiner sollte seinen Kindern erklären müssen: 'Vergiss nicht, dass kein Fremder deine Intimzone sehen oder berühren darf - außer es ist ein Regierungsangestellter'", schreibt er auf der Website der Kampagne.

Der Widerstand gegen die verschärften Sicherheitsbestimmungen hat eine breite Basis. Die Bürgerrechtsorganisation Epic will der US-Luftsicherheitsbehörde TSA gerichtlich den Einsatz der Körperscanner verbieten. Vertreter von Muslimen bezeichneten die intimen Körperkontrollen als "erniedrigend". Eine weitere Bürgerinitiative namens "we won't fly" fordert die Amerikaner auf ihrer Website und auf Facebook auf, Flüge so lange zu boykottieren, bis die Sicherheitsbestimmungen entschärft sind.

Reisebranche fürchtet um ihr Geschäft

Die beiden großen Pilotengewerkschaften USAPA und APA, die gemeinsam mehr als 15.000 Piloten vertreten, warnen ihre Mitglieder vor den Körperscannern - die US-Flugsicherheitsbehörde TSA benutzt auch Geräte, die mit Röntgenstrahlen arbeiten. Selbst bei sehr geringer Strahlung seien Piloten gefährdet, wenn sie dieser extrem häufig ausgesetzt - und ohnehin durch die erhöhte kosmische Strahlung in Flughöhe belastet - seien.

Janet Napolitano

Die Reisebranche macht sich inzwischen ernsthafte Sorgen um ihr Geschäft und wirkt ihrerseits auf die Regierung ein. Heimatschutzministerin versprach nach einem Treffen mit Vertretern der Branche am Freitag, den freien Personen- und Warenverkehr gewährleisten zu wollen. Auf Begeisterung stieß sie damit zumindest bei Verbandsvertreter Geoff Freeman nicht. "Wir brauchen dringend eine langfristige Sicherheitsstrategie für den Luftverkehr, anstatt mit immer neuen Verschärfungen auf die Bedrohungen von gestern zu reagieren."

fdi/AP
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