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Trump und der Tourismus: So schön ist die USA

Nach der Wahl in den USA Bleiben jetzt die Touristen weg?

Goodbye, America! Manch ein Weltenbummler verabschiedet sich nach dem Trump-Triumph von Reiseplänen für die USA. Veranstalter befürchten einen Imageverlust des Landes.

"Trump hat gewonnen. Goodbye, America. Ich kann da nicht mehr hinreisen." So oder so ähnlich äußerten sich am Morgen nach der US-Präsidentschaftswahl viele Nutzer auf Twitter, die gehofft hatten, Hillary Clinton würde das Rennen machen. Hat sie aber nicht. Donald Trump wird 45. Präsident der Vereinigten Staaten. "Amerika, du enttäuschst mich", schreibt eine Twitter-Nutzerin namens Lisa. Sie werde nicht mehr in die USA reisen - jedenfalls nicht in den kommenden vier Jahren.

Die Vereinigten Staaten von Amerika zählen für viele Menschen zu den spektakulärsten Reisezielen der Welt. Gedanken an Nationalparks wie den Yellowstone, legendäre Roadtrip-Strecken wie die Route 66 oder Städte wie New York und San Francisco lösen zuverlässig Fernweh aus.

Im Jahr 2015 kamen 77,5 Millionen Besucher aus dem Ausland. Die Deutschen waren mit 2,27 Millionen Menschen eine der größten Besuchergruppen  nach Ländern wie Mexiko, Kanada, Großbritannien und Japan. Kein anderer Staat der Welt hat so hohe Einnahmen durch internationale Touristen wie die USA: 2015 waren es 204,5 Milliarden US-Dollar.

Wird sich das nun ändern? Ist Trump ein Touristenschreck, der Amerika einen massiven Besucherrückgang bescheren wird? Für Antworten auf diese Fragen ist es sicher noch zu früh. Fest steht aber, dass sich Weltenbummler durchaus von politischen Entwicklungen beeinflussen lassen. Ob das dazu führt, dass sie ein Land tatsächlich meiden, lässt sich nicht pauschal voraussagen.

Belegt sind Buchungsrückgänge, als George W. Bush den völkerrechtswidrigen Irakkrieg begann. Die Militäroperationen wirkten sich besonders stark auf die Fluggesellschaften und die Tourismusindustrie aus. 20 Prozent weniger Buchungen verzeichneten nach Angaben der Air Transport Association die US-amerikanischen Airlines. International habe das Minus kurz nach Kriegsbeginn in einigen Regionen sogar bei 40 Prozent gelegen, schrieb die "Financial Times Deutschland" im Jahr 2003.

Sorge ums Image der USA

Nun droht den USA ein Imageverlust. Dies ergab eine Umfrage des Branchenportals TravelTalk.de . Mehr als 40 Prozent der befragten Touristiker glauben, dass Trump als Präsident schlecht für das Ansehen der USA sei und deutsche Urlauber von einer Reise abhalten könnte.

"Ob das Land tatsächlich an Attraktivität verlieren wird, lässt sich nicht seriös vorhersagen", sagt Jürgen Kagelmann, Tourismuspsychologe und Dozent an der Dualen Hochschule Ravensburg. "Einen Fall wie Trump hat es noch nie gegeben." Sorgen bereiten können jedoch das Unvorhersehbare, das den designierten US-Präsidenten auszeichnet. "Wenn Trump wieder blödsinnige Ankündigungen macht - wie etwa den Bau weiterer Mauern -, dann könnte das natürlich den Reisemarkt erschüttern."

An einen eindeutigen und dauerhaften Einbruch der Besucherzahlen glaubt Kagelmann nicht, eher an eine anfängliche Zurückhaltung. "Die Deutschen reisen gern und viel. Wer die USA auf seiner Liste hat, wird sie nicht unbedingt streichen, sondern vielleicht erst mal eine andere Destination vorziehen, die er auch spannend findet."

Abwarten und später reisen - ein typisches Verhalten. Auch Länder, in denen terroristische Anschläge verübt wurden, kennen dieses Phänomen. "Die Faszination an anderen Ländern und am Reisen ist so groß, dass man manch ein Ungemach in Kauf nimmt - selbst jemanden wie Trump", sagt Kagelmann.

Die Veranstalter üben sich ebenfalls in Optimismus. Dass Kunden aus politischen Gründen eine Reise absagten, sei sehr selten, sagte Tilo Krause-Dünow, Geschäftsführer des Hamburger Nordamerika-Spezialisten Canusa, allerdings noch einen Tag vor der US-Wahl. "Wenn Trump gewinnt, ist das zunächst einmal Sache der Amerikaner."

Krause-Dünow erwarte keinen Bruch im Geschäft, auch für das kommende Jahr hätten die Nachrichten aus den USA bisher keinerlei Auswirkungen gehabt. Einen Rückgang erwartet auch der Veranstalter DER Touristik nicht: "Für viele Urlauber ist eine USA-Reise ein Lebenstraum", sagt Sprecherin Angela De Sando laut dem Branchenmagazin "fvw" .

"Extreme Sicherheitskontrollen" für Deutsche

Die meisten Urlauber sind lieber in Ländern unterwegs, für die sie gewisse Sympathien hegen. In denen nicht nur das Essen gut schmeckt und die Natur beeindruckend ist, sondern in denen sie auch die Leute mögen. Weil ihnen die Lebenseinstellung der Menschen gefällt, die Gastfreundlichkeit - oder vielleicht eine besonders ausgeprägte Weltoffenheit.

Doch ausgerechnet um den letztgenannten Punkt könnte es in den USA künftig schlecht bestellt sein. Trump war während seiner Kampagne schwer damit beschäftigt, die Angst vor dem Fremden zu schüren. Er sprach davon, eine Mauer an der mexikanischen Grenze errichten zu wollen, warnte vor illegaler Einwanderung und tönte sogar, er wolle Muslimen die Einreise in die USA verweigern. Muslime weltweit, aber auch in Deutschland werden sich fragen, ob sie noch in den USA willkommen sind.

Was von seinem Wahlgepolter Realität werden wird, ist noch unklar. Der Republikaner hatte im Juli gegenüber dem US-Fernsehsender NBC gesagt, dass sich die Deutschen auf "extreme Sicherheitskontrollen" an Flughäfen gefasst machen sollten. Durch die großzügige Flüchtlingspolitik hätte Deutschland "die islamischen Terroristen selbst nach Europa geholt", lautete sein Vorwurf. Die Einreiseformalitäten auch via Esta könnten noch lästiger werden.

Was Reisende trotzdem in die USA locken könnte, wäre ein schwacher Dollar. Hotels, Restaurantbesuche und Shopping-Abenteuer würden dadurch erschwinglicher werden. Doch ein massiver Kurseinbruch blieb am Tag nach der Wahl aus. Der Euro legte nach der Ergebnisverkündung zwar zunächst kräftig gegenüber dem Dollar zu - das Plus hatte allerdings nicht lange Bestand.