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Nordamerika-Reisen: Die Top-Attraktionen der USA

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Einreise in die USA Zum Gespräch ins Hinterzimmer

Trotz Trump brummt das US-Reisegeschäft aus Deutschland. Allerdings müssen sich Reisende offenbar häufiger einer zusätzlichen Prüfung unterziehen. Auch ein Status auf manchen Bordkarten macht die Einreise mühselig.

Die ältere Dame blättert den USA-Katalog wie ein Daumenkino durch, bevor sie ihn zurücklegt. Nein, sagt sie zu ihrem Begleiter, die USA sei doch als Reiseziel völlig unten durch. Wirklich?

Zwar tragen in Deutschland Menschen ihre Sorgen auf Partys, an Stammtischen oder in Kantinen vor. Es heißt dann gern: Kann man noch in Zeiten von Donald Trump in die USA? Muss man sich an der Grenze filzen lassen? Gibt es Probleme, weil man mal in einem muslimischen Land war?

Tatsächlich ist die Stimmung schlimmer als die Lage.

So konsequent wie die Dame vom Hamburger Reisebüro am Burchardplatz sind die wenigsten Urlauber. Das US-Geschäft deutscher Reiseveranstalter brummt trotz des twitternden Trump. "Wir haben am Jahresanfang einen kleinen Dämpfer gehabt, doch seitdem läuft das Geschäft sensationell", sagt Fabio Negro, verantwortlich für Nordamerika-Reisen beim Reiseanbieter FTI.

Auch Visit USA, ein Verband zur Förderung des US-Tourismus, erwartet ein weiteres Rekordjahr. Nachdem in den vergangenen drei Jahren die Schallmauer von zwei Millionen Reisenden aus Deutschland durchbrochen wurde, könnte diese Zahl nach ersten Prognosen auch dieses Jahr wieder erreicht werden.

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Offenbar, so mutmaßen Touristiker, wettert der Deutsche zwar gern, lässt sich aber am Ende doch nicht von einer USA-Reise abschrecken. "Gleiches passierte schon in der Ära von George W. Bush nach dem 11. September 2001. Zwar brachen direkt um den Terroranschlag die Buchungszahlen ein, doch die erholten sich sehr schnell wieder, trotzdem viele Deutsche mit der Politik von Bush nicht einverstanden waren", sagt Hans Gesk, Präsident von Visit USA.

Nur eine Sache kann die Deutschen von Reisen über den Atlantik wirklich abhalten: ein allzu starker Dollar. Doch weil der Euro kräftig gestiegen ist, brummt das Transatlantikgeschäft.

Häufiger besondere Behandlungen von US-Touristen

Einzig zusätzliche Sicherheitskontrollen brächten manches durcheinander, die Check-in-Zeiten mussten vorgezogen werden, heißt es bei Lufthansa. Es gebe Passagiere, die das nicht auf dem Plan hatten.

Seit diesem Donnerstag gilt nun eine weitere Verschärfung: Flugreisende in die USA müssen sich auf weitere Überprüfungen einstellen, das können etwa Sicherheitsbefragungen am Gate oder am Check-in sein. Hintergrund war das angedrohte Verbot von Laptops auf allen Flügen in die USA; zuvor galten massive Einschränkungen bereits zeitweise für Fluglinien aus bestimmten arabischen Ländern. Durch die neuen Maßnahmen konnte ein weltweites Laptop-Verbot an Bord verhindert werden, sagt ein Airline-Manager.

Doch auch unabhängig von den neuen Regeln scheint vieles in Sachen Sicherheit seit geraumer Zeit schärfer als bisher. Reisende berichten davon, dass häufiger als bisher der SSSS-Status auf Bordkarten gedruckt wird. Mit den vier Lettern - ausgesprochen Secondary Security Screening Selection - versehen, gibt es eine besondere Behandlung für die so ausgewählten Fluggäste. Die Bordkarten der "Selectees" können nicht online ausgegeben werden, der Reisende und dessen Handgepäck wird ausführlicher überprüft.

Wie man auf die Liste gerät, ist unklar. Offenbar gibt es Quotenvorgaben, entscheidend für die Auswahl könnte der Zeitpunkt der Buchung (je kurzfristiger desto verdächtiger) sein. Ins Visier geraten wohl auch Menschen, die Tickets bar bezahlen statt mit Kreditkarte oder als Deutsche im Ausland die Reise antreten. Auch häufige Sitzplatzwechsel oder spezielle Essensvorbestellungen könnten Verdacht erwecken - sogar bestimmte Namen scheinen häufiger den Sonderstatus zu bekommen als andere.

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Einmal an Bord angekommen, folgt die nicht selten zähe Einreise am Zielort, betreut von Beamten der etwas raueren Sorte. Zwar setzen die meisten US-Flughäfen auf Automaten für die Dokumentenerfassung, doch Vielreisende beschreiben die Wartezeiten mit zwischen fünf Minuten und zwei Stunden.

Manchmal dauert die Einreise noch ein paar Stunden länger, und es findet eine Befragung in einem Nebenzimmer statt - Handys müssen dort ausgeschaltet bleiben, und das Handgepäck darf nicht angerührt werden. Immer mal wieder soll es vorkommen, dass Fluggäste den Beamten Inhalte ihres Mobiltelefons präsentieren müssen.

Mehr Fragen an Geschäftsreisende

"Reisende haben durchaus Respekt vor der Einreise in die USA", sagt Daniela Christ, Geschäftsführerin von LAL Sprachreisen. Zwei ihrer Kunden durften zuletzt nicht in New York die Kontrollen passieren: Eine Frau sah laut dem Einreisebeamten ihrem Foto nicht ähnlich genug, ein anderer Ankömmling hatte das falsche Visum im Pass.

Weit schlimmer trifft es LAL-Kunden aus anderen Ländern. So habe es etwa für Gäste aus Saudi-Arabien mehrere abgelehnte Visa-Anträge gegeben - das sei die Jahre zuvor nie vorgekommen.

Auch Geschäftsreisende müssten sich zunehmend mehr Fragen stellen lassen, berichtet Christoph Carnier, Präsidiumsmitglied im Geschäftsreiseverband VDR. "Es wird hinterfragt, ob das Visum oder der Esta-Antrag zum Einreisegrund passt", sagt er. Rund 400.000 Geschäftsreisende aus Deutschland in die USA gab es 2016; Carnier rechnet mit stabilen Zahlen für dieses Jahr.

Zusätzlich getrieben wird das Reisegeschäft zwischen altem und neuem Kontinent von einem Preiskrieg über dem Nordatlantik. Schon für 130 Euro kommt man mit einmal Umsteigen in die Staaten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes war von einer "Sonderbehandlung" Einreisender die Rede. Wir haben diesen Begriff gestrichen, weil er durch die Nationalsozialisten einschlägig konnotiert ist. Sie verwendeten das Wort als Euphemismus für verschiedene Mordaktionen, unter anderem die "Aktion T4".

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