Proteste USA und Australien warnen vor Hongkong-Reisen

In Hongkong kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Die USA rufen ihre Bürger in der Stadt zu erhöhter Vorsicht auf, das deutsche Auswärtige Amt rät, Menschenansammlungen zu vermeiden.

Demonstranten am Hongkonger Flughafen
REUTERS

Demonstranten am Hongkonger Flughafen


Vergangenen Montag haben die Proteste in Hongkong mit einem Generalstreik einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Dabei kam es auch zu Zusammenstößen mit der Polizei, die mit Tränengas gegen Demonstranten vorging.

Die USA haben daher ihre Reisewarnungen für die Sonderwirtschaftszone verschärft. Urlauber und Geschäftsreisende werden nun zu erhöhter Vorsicht aufgerufen. "Die Proteste und Zusammenstöße haben sich jenseits der Bereiche ausgeweitet, in denen die Polizei Kundgebungen und Umzüge erlaubt hat", hieß es auf der Internetseite des US-Generalkonsulats in Hongkong. "Diese Demonstrationen, die fast unbemerkt entstehen können, werden wahrscheinlich fortgesetzt." Auch Australien veröffentlichte eine Reisewarnung an seine Bürger. Zuvor hatten unter anderem Japan, Großbritannien und Singapur Reisewarnungen herausgegeben.

In den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes zu Hongkong heißt es, dass es vereinzelt zu Protesten und Demonstrationen kommen könne, "die meistens friedlich verlaufen. Vereinzelte gewaltsame Auseinandersetzungen und Verkehrsbehinderungen können jedoch nicht ausgeschlossen werden". Die Behörde rät, Demonstrationen und größere Menschenansammlungen weiträumig zu meiden und den Anweisungen lokaler Sicherheitskräfte zu folgen.

Die Proteste hatten sich vor rund zwei Monaten an Plänen der Regierung für ein Gesetz zur Auslieferung von Beschuldigten nach China entzündet. Die Kundgebungen richten sich auch gegen Regierungschefin Carrie Lam, der Kritiker eine zu große Nähe zur Regierung in Peking vorwerfen. Zudem fürchten die Demonstranten um Freiheitsrechte, die Hongkong nach der Übergabe an China eingeräumt wurden.

Einbruch in den Touristenzahlen

Die anhaltenden Proteste gegen die Hongkonger Regierung machen sich in den sinkenden Touristenzahlen bemerkbar. Manch einer in der bei Touristen aus aller Welt beliebten Einkaufsmetropole bangt sogar schon ums Weihnachtsgeschäft. Zunehmend bleiben die Besucher aus, vor allem die aus der Volksrepublik China. Die Hotelauslastung sank nach Gewerkschaftsangaben von Ende Juli im Juni gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent. Im Juli werde der Rückgang wohl sogar 40 Prozent betragen.

Volkswirte schätzen, dass die Auswirkungen der Massenproteste auf die Wirtschaft Hongkongs schon jetzt größer sind als 2014, als die "Regenschirm-Revolution" den Finanzbezirk 79 Tage lang in Atem hielt. Etliche Geschäfte und Bankfilialen waren bereits gezwungen, für längere Zeit zu schließen. Wer kann, meidet Gegenden, in denen sich die Regierungskritiker versammeln. Dazu gehören auch große Einkaufszentren, in denen Demonstranten oft eine Pause einlegen.

Vor den Protesten am Flughafen veröffentlichten die Teilnehmer online Mitteilungen an Touristen, in denen sie um Verständnis bitten. "Liebe Reisende, bitte vergebt uns dieses 'unerwartete Hongkong'", schreiben sie darin. "Sie kommen in einer gebrochenen, zerrissenen Stadt an und nicht in der, die Sie sich vorgestellt haben. Dennoch ist die Stadt, die Sie erwartet haben, genau die, für die wir kämpfen."

abl/Reuters

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