USA-Urlauber Tipps für den Flug ins Chaos

Der Dollar steht günstig, die Shopping-Tour durch US-Läden lockt. Doch wer will schon seine kostbare Urlaubszeit in Warteposition auf dem Flughafen verbringen? SPIEGEL ONLINE gibt Tipps, wie man sich im momentanen Flugverkehrschaos in den USA verhält.


Eine Viertelmillion erboster Passagiere sind in dieser Woche auf den Flughäfen der USA gestrandet - und das Chaos im inneramerikanischen Flugverkehr nimmt kein Ende. Die US-Transportbehörde rechnet mit der Fortsetzung von Flugausfällen und -verspätungen bis zum Sommer. Verantwortlich ist nicht nur der Wartungsskandal, der in diesen Tagen Hunderte Flugzeuge zur Überprüfung auf den Boden zwingt. Die US-Luftverkehrsbranche kämpft mit hohen Kerosinkosten, überlasteten Flughäfen und der schwachen Konjunktur.

Das sind schlechte Aussichten für alle Fluggäste - auch für deutsche USA-Reisende. Bisher mussten vor allem Kunden der American Airlines unter spontanen Flugstreichungen infolge von verschlampten Wartungen leiden, allerdings waren auch schon die Fluglinien United, Delta, Alaska, Midwest und Southwest betroffen. Welche Airline als Nächste dran sein wird, ist nicht abzusehen. Zudem schlitterten drei Airlines in der vergangenen Woche in den Konkurs: Aloha, Skybus und ATA, und eine vierte, die Regionalfluggesellschaft Champion Air, hat angekündigt, ab Mai den Betrieb einzustellen.

Um sich vor unangenehmen Überraschungen zu schützen, sollten sich deutsche Urlauber vor der Wahl ihrer Fluggesellschaft über die aktuelle Situation in den USA erkundigen. Wer seinen Flug bei einer europäischen Airline, etwa bei der Lufthansa, British Airways oder KLM, bucht, ist eher auf der sicheren Seite, sagt Antje Günther, Sprecherin der DER- Reisebüros. Zumindest solange er nicht im Chaos-Terminal von Heathrow hängen bleibt - und keine Anschlussflüge innerhalb der USA benötigt. Denn diese werden auf jeden Fall von US-Fluglinien bedient. Bei der Lufthansa ist das zum Beispiel der Star-Alliance-Partner United Airlines.

Gnadenlos überbucht

Ihre Anschlussverbindungen sollten sich deutsche Fluggäste vor Reiseantritt bestätigen lassen, rät die Verbraucherzentrale (VZ)Brandenburg. Werde dennoch beispielsweise bei Pauschalreisenden ein Anschlussflug gestrichen, sollten diese sich sofort an den Veranstalter wenden. "Der muss für Abhilfe sorgen, muss eine Ersatzmaschine organisieren und gegebenenfalls Übernachtungskosten übernehmen", sagte VZ-Reiseexpertin Sabine Fischer in Potsdam der dpa. Im Fall einzeln gebuchter Flüge sei die jeweilige Linie dafür verantwortlich.

Dabei ist es in den USA schon fast ein Glücksfall, wenn es einen Ersatzflug für die gecancelte Verbindung gibt. Denn die Situation auf US-Flughäfen wie O'Hare in Chicago oder Washington-Dulles wird auch dadurch verschärft, dass die Flüge in den USA oft gnadenlos überbucht sind. Fällt ein Flug aus, ist das Umbuchen auf einen anderen meist gar nicht möglich und die Reisenden werden sitzengelassen. Die müssen sich in der Not auf ihre eigene Kreativität besinnen und einen Mietwagen für die Fahrt zum Endziel nehmen - das allerdings auf eigene Kosten.

Schadenersatz für einen gestrichenen Anschlussflug steht den meisten deutschen Fluggästen allerdings zu - egal ob es einen Ersatzflug gibt oder nicht. Die Reisenden sollten dafür am Schalter der Fluggesellschaft vor Zeugen erklären, dass sie Schadenersatz fordern werden, rät Paul Degott, Anwalt für Reiserecht in Hannover. "Das muss beweisbar sein", sagt der Experte gegenüber dem dpa-Themendienst. Nach EU-Recht (Verordnung (EG) 261/2004) greift laut Degott bei Annullierungen ein abgestuftes Leistungssystem. Das gelte für Fluggesellschaften in der EU und für Flüge, die in EU-Länder führen.

Forderungen immer an den deutschen Sitz der Airline

Nach der sogenannten Rundflugbetrachtung fallen auch Flüge in die USA darunter, für die ein Rückflug gebucht wurde. Fallen einzelne Flugstrecken aus, greife die EU-Norm. Betroffene Kunden hätten Anspruch auf pauschalisierten Schadenersatz, der - je nach Streckenlänge - 250, 400 oder 600 Euro beträgt, so Degott. Diese Betrachtungsweise werde allerdings gerade vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg überprüft.

Nach der Rückkehr in die Bundesrepublik sollten sich die Fluggäste an den deutschen Sitz der Fluggesellschaft wenden. Die Adresse lässt sich laut Degott über das Luftfahrt-Bundesamt ermitteln. Die Forderungen werden dann an diese Adresse geschickt. "Lassen Sie sich nicht darauf ein, direkt mit den USA zu kommunizieren." Der Brief könne auf Deutsch formuliert werden. Geht die Airline nicht auf die Forderungen ein, bestehe die Möglichkeit, in Deutschland zu klagen oder sich an das Luftfahrt-Bundesamt oder die Schlichtungsstelle Mobilität zu wenden.

abl



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