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01. Oktober 2013, 11:49 Uhr

Shutdown in den USA

Miss Liberty macht das Licht aus

Zwangspause für Sightseeing-Höhepunkte: Weil im US-Kongress noch immer der Streit um den Haushalt tobt, müssen Besucherattraktionen wie die Freiheitsstatue und das Smithsonian Museum die Tore schließen. Camper haben zwei Tage Zeit, die Nationalparks zu verlassen.

Seit 0 Uhr in der Nacht zu Dienstag hat die US-Regierung kein Geld mehr. Weil die Mitglieder des Kongresses sich nicht auf einen Haushalt einigen konnten, werden etwa eine Million Mitarbeiter des Bundes vorerst in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt. Dazu zählen neben Verwaltungspersonal auch Nationalpark-Ranger und Museumsangestellte.

Für Touristen könnte das Folgen haben - allerdings eher für ihr Sightseeing-Programm als für das Reisen an sich. Denn die Visa-Abteilungen in den US-Botschaften rund um den Globus sollen geöffnet bleiben, wie das US-Außenministerium am Montag mitteilte. Einreiseanträge würden weiter bearbeitet, versicherte Sprecherin Jennifer Psaki. Die Behörde verfüge über extra Gelder, die nicht durch den Shutdown gestoppt werden. Bei der Bearbeitung von Visa-Anträgen, kann es jedoch laut den aktualisierten Reisehinweisen des deutschen Auswärtigen Amts zu Verzögerungen kommen.

Andererseits teilte das US-Ministerium mit, dass einige Konsulate und Botschaften geschlossen bleiben könnten und damit auch die Visa-Bearbeitungsstellen in den Gebäuden. Touristen sollten sich telefonisch erkundigen, ob die Büros geöffnet sind. Beim letzten "Government Shutdown" vom 16. Dezember 1995 bis zum 6. Januar 1996 blieben zwischen 20.000 und 30.000 Visumanträge täglich unbearbeitet.

Auch das Sicherheitspersonal, die Grenzbeamten und die Fluglotsen an den Airports sollen normal weiterarbeiten. Die Mehrzahl der Angestellten, die Passagiere und Gepäck kontrollieren, würden im Job bleiben, teilte die Transportsicherheitsbehörde TSA mit. Reisende sollten sich dennoch auf längere Wartezeiten bei der Einreise einstellen, meldet das Auswärtige Amt. Die Züge von Amtrak fahren im Falle eines kurzzeitigen Shutdowns planmäßig weiter, gab das Bahnunternehmen bekannt.

Kein Anspruch auf Schadensersatz

Sicher ist jedoch, dass unzählige Touristen nun vor beliebten staatlichen Museen vor verschlossenen Türen stehen werden. Dazu zählen das Smithsonian in Washington, mit 19 Museen und Galerien der größte Museumskomplex der Welt, und in New York die Freiheitsstatue und Ellis Island.

Aber auch der National Zoo samt Baby-Panda-Webcam in Washington und die Independence Hall in Philadelphia sowie Kriegsschauplätze, Monumente und historische Häuser müssen dicht machen. Als Regel gilt: Wenn der Eintritt normalerweise frei ist, könnten die Türen ab Dienstag womöglich geschlossen bleiben. Auch die geführten Touren durch das Kapitol wurden abgesagt.

Die mehr als 350 Nationalparks der Staaten sind ebenfalls nicht mehr zugänglich. Camper haben zwei Tage, um die Plätze in den Parks zu verlassen - sollte in Washington nicht noch eine Lösung gefunden werden. Dies bedeute 750.000 Besucher am Tag weniger, gab die National Parks Conservation Association bekannt, und damit einen wirtschaftlichen Verlust für die angrenzenden Gemeinden von etwa 30 Millionen Dollar für jeden Tag, an dem die Parks geschlossen seien.

Reiserechtlich gesehen ist der Haushaltsstreit in den USA in etwa so zu bewerten wie ein Streik, sagt der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Wer eine Pauschalreise gebucht hat, in der Tickets für Museen und Nationalparks enthalten sind, hat keinen Anspruch auf Schadensersatz vom Veranstalter, wenn die Einrichtungen unerwartet geschlossen sind.

"Bei Schadensersatz kommt es auf das Verschulden an", erklärt Degott. "Bei den geschlossenen Einrichtungen kann sich der Veranstalter auf höhere Gewalt berufen." Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden stehe den Pauschalreisenden zwar nicht zu, eine Minderung des Reisepreises dagegen schon. "Denn es fallen ja Teilleistungen weg." Das Eintrittsgeld für die Einrichtungen, die der Kunde nicht besuchen konnte, bekommt er zurück.

abl/dpa/Reuters/AFP

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