Streit um Therapietier an Bord Wie Hamster Pebbles im Flughafen-Klo starb

Die US-Fluggesellschaft Spirit Airlines verbot einer Studentin, ihren Hamster mit an Bord zu nehmen. Sie sagt nun, sie habe sich gezwungen gesehen, das Tier zu töten.
Hamster "Pebbles"

Hamster "Pebbles"

Foto: Belen Aldecosea/ AP

Als die US-Amerikanerin Belen Aldecosea ihren Heimflug von Baltimore nach Südflorida antreten wollte, verweigerte ihr die Fluggesellschaft Spirit Airlines, das Flugzeug zu betreten.

Der Grund: Die 21-Jährige hatte ihren Zwerghamster dabei - der durfte nicht mit an Bord.

Zweimal habe sie die Airline zuvor angerufen und gefragt, ob ihr Hamster "Pebbles" mit an Bord dürfe, sagte Aldecosea dem "Miami Herald" . Spirit Airlines habe ihr versichert: "Pebbles" darf. Doch als die Studentin am Flughafen in Baltimore ankam, habe man ihr verboten, ihren Hamster mit ins Flugzeug zu nehmen.

Stattdessen hätten ihr die Airline-Mitarbeiter nahegelegt, das Tier loszuwerden, genauer: es in der Toilette herunterzuspülen. So erzählt es Aldecosea. Sie habe Panik gehabt und nicht gewusst, was zu tun sei. Zunächst habe sie versucht, ein Auto zu leihen, um die Strecke Baltimore-Florida zu fahren, doch erfolglos. Dann sei sie dem Vorschlag des Flugpersonals nachgekommen - und habe das Hamsterweibchen getötet.

"Sie hatte Angst. Ich hatte Angst. Es war der Horror, sie ins Klo zu werfen", sagt Aldecosea. "Ich war emotional. Ich habe geweint. Zehn Minuten lang habe ich in der Kabine gesessen und geweint." Doch sie habe keinen anderen Ausweg gesehen, denn aufgrund eines medizinischen Notfalls habe sie dringend nach Hause gemusst.

"Ich hatte keine andere Option"

"Ich dachte, es sei menschlicher, Pebbles' Leben direkt ein Ende zu bereiten, als sie auszusetzen", sagt sie. "Dann wäre sie verängstigt in der Kälte herumgerannt und wahrscheinlich von einem Auto überfahren worden." Sie habe niemanden in Baltimore gehabt, der das Hamsterweibchen hätte abholen könne. "Ich hatte keine andere Wahl", sagt sie.

Der Vorfall ereignete sich bereits Ende November 2017. Nun will Aldecosea die Airline verklagen - da sie durch das Personal dazu gedrängt worden sei, ihren Zwerghamster zu töten.

Von ihrem Arzt sei bestätigt worden, dass Pebbles ein "Emotional Support Animal" sei, also ein Therapietier, das dem Besitzer als emotionale Stütze auf Flügen dient.

In ihrem ersten Uni-Semester entdeckte Aldecosea einen Knoten am Hals und dachte, sie hätte Krebs. Da kaufte sie "Pebbles", die ihr Trost spenden sollte. Im November wurde festgestellt, dass der Knoten harmlos ist. Die Studentin hatte aber trotzdem Schmerzen und wollte nach Hause fliegen, um ihn entfernen zu lassen.

Igel, Schweine und Mini-Ponys an Bord

In den USA dürfen psychisch instabile oder von Flugangst geplagte Passagiere ihre Haustiere unter Umständen gratis mit an Bord nehmen. Die Tiere sollen ihren Besitzern Beistand leisten.

Doch offenbar haben es Tierbesitzer in der Vergangenheit übertrieben. Einige nahmen nicht nur Begleithunde und -katzen mit an Bord, sondern auch Igel, Schweine  und Mini-Ponys.

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Als eine Frau im Januar ihren Pfau namens "Dexter" mit ins Flugzeug nehmen wollte, zog United Airlines Konsequenzen - und gab eine Liste mit verbotenen Tieren in der Flugzeugkabine heraus. Igel, Insekten, Schlangen, Spinnen, Reptilien, Frettchen und Nagetiere dürfen ihre Besitzer nun nicht mehr auf Flügen begleiten.

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Als Begründung nannte die Fluglinie Gesundheits- und Sicherheitsbedenken. Laut dem "Telegraph"  ist die Anfrage von Passagieren, die ihre "Emotional Support Animals" mit auf ihren Flug nehmen wollten, innerhalb eines Jahres um 75 Prozent gestiegen. Rund 76.000 entsprechende Anträge habe United Airlines demnach im vergangenen Jahr bearbeitet - im Jahr zuvor waren es rund 30.000.

Den neuen Regeln zufolge müssen die Therapietiere "dafür trainiert sein, sich im öffentlichen Raum gut zu benehmen", heißt es. Weiterhin bräuchten die Passagiere eine Bestätigung ihres Arztes, dass ihr Haustier zur emotionalen Unterstützung diene.

Nur Hunde bei der Lufthansa

Die Lufthansa erlaubt den kostenfreien Transport von Therapiehunden auf Flügen von und in die USA. Das Tier müsse so ausgebildet sein, dass es sich in öffentlicher Umgebung gut benimmt, heißt es auf der Website der Fluggesellschaft . Bei Langstreckenflügen müssen die Besitzer sogar eine schriftliche Erklärung mitbringen, die versichert, dass das Tier während des Fluges nicht uriniert oder kotet.

Alle anderen Tiere müssten im Frachtraum reisen, sagte eine Sprecherin der Lufthansa dem SPIEGEL. Ein Anstieg von Passagieren, die ihre Tiere mit an Bord nehmen wollen, wie in den USA, habe es nicht gegeben.

Die Airlines haben jeweils individuelle Regelungen zum Transport von Tieren in der Flugzeugkabine. Auch Delta Air Lines will nun die Mitnahme von "Emotional Support Animals" beschränken. Flugbegleiter seien häufig mit den beißenden, bellenden oder knurrenden Reisebegleitern überfordert - und müssten Urin und Kot der Tiere beseitigen, teilte die Fluggesellschaft mit.

Im Fall des winzigen Hamsters von Belen Aldecosea war wohl eher nicht damit zu rechnen, dass er die anderen Fluggäste in ernsthafte Bedrängnis hätte bringen können. "Das war ein kleiner, süßer Hamster, der in ihre Hand passte", sagt Aldecoseas Anwalt. "Kein riesiger Pfau." Die Studentin habe ihn in einem kleinen Käfig einchecken wollen.

Die Airline habe der Besitzerin am Telefon fälschlicherweise versichert, sie dürfe "Pebbles" mit an Bord nehmen, sagt ein Sprecher von Spirit Airlines. "Aber zu keinem Zeitpunkt hat einer unserer Mitarbeiter dieser Passagierin empfohlen, ein Tier in der Toilette herunterzuspülen oder andersartig zu verletzen", sagt er.

kry/AP
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