Drei Euro Venedig verlangt künftig Tagesgebühr von Touristen

Mitten im Karneval fallen die letzten Hürden für das "Eintrittsgeld": Vermutlich ab Mai wird Venedig von Tagestouristen zunächst drei Euro erheben. Damit versucht die Stadt, den Touristenansturm zu bewältigen

Venedig zu Karnevalszeiten
AFP

Venedig zu Karnevalszeiten


Die Stadtverwaltung von Venedig plant schon länger ein "Eintrittsgeld" für Tagestouristen - nun hat der Kommunalrat mehrheitlich grünes Licht dafür gegeben. Wann genau die neue Regelung greift, wurde zunächst nicht bekannt. Nach früheren Angaben könnte es aber im Mai so weit sein und später auch ein zentrales Buchungssystem etabliert werden.

2019 soll der Preis zunächst pro Person drei Euro betragen. Ab kommendem Jahr soll der Betrag auf sechs Euro steigen und kann je nach Touristenansturm bis auf zehn Euro angehoben werden. Besucher, die in Herbergen in der Stadt unterkommen, sind von der Zahlung befreit. Hotelgäste müssen schon jetzt eine Ortstaxe bezahlen.

Das Geld soll nach Angaben von Bürgermeister Luigi Brugnaro vor allem in die Instandhaltung und Reinigung der historischen Stadt fließen. "Wir sind nicht daran interessiert, Kasse zu machen", hatte Brugnano Mitte Januar bei der Vorstellung der Maßnahme gesagt. Vielmehr seien die Instandhaltung und die Reinigung der historischen Stadt teuer. "Die Stadt bleibt offen, ruhig, lebenswert", sagte er, "wir wollen sie einfach verteidigen."

Aus dem Büro des Bürgermeisters hieß es im Januar, die Maßnahme sei keine Neuheit in Italien. Ähnliche Modelle gebe es auch auf den Borromäischen Inseln oder auf Pantelleria. Auf Lampedusa müssen Touristen je nach Saison 1,50 oder 3 Euro bezahlen

Venedig kämpft seit Jahren gegen den Touristenansturm und versucht immer wieder mit verschiedenen Strategien, die Massen in Schach zu halten. Verschiedenen Schätzungen zufolge besuchen pro Jahr zwischen 20 und 30 Millionen Menschen Venedig - auf jeden der rund 260.000 Einwohner kommen somit mehr als 75 Touristen.

Erst vor wenigen Tagen protestierten Einwohner gegen die Touristenmassen, die die Lagunenstadt in der Karnevalszeit fluten. "Niemand, der im Besitz seiner geistigen Fähigkeiten ist, möchte in diesen Wochen in Venedig leben, niemand", hieß es in einem Brief von Venezianern.

abl/dpa



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