Gebühren gegen Touristenansturm Neun Euro für Balis Strände, 1500 Euro für Gorillas

Venedig sehen - und drei Euro bezahlen. Doch die Stadt, die demnächst Eintrittsgeld für Touristen erhebt, ist nicht das einzige Reiseziel, das mit Gebühren den Ansturm steuern will. Eine Übersicht von Bali bis Spitzbergen.

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Eigentlich sind es relativ gesehen nur wenige Orte auf der Welt, die von Touristen überlaufen werden. Diese jedoch sind überfordert durch Besucherzahlen, die meist die Zahl der Einwohner ein Vielfaches übersteigen: Die Einheimischen fühlen sich bedroht durch zu viele Menschen, zu viel Müll, steigende Preise und oft ignorantes Verhalten der internationalen Besucher.

Eine Regulierung des sogenannten Overtourism muss her - und diese kann durch Besucherlenkung, auch ins Umland - wie in Barcelona und Amsterdam -, gesetzliche Beschränkungen etwa für Airbnb und neue Hotels erfolgen. Oder aber zunehmend in Form von Gebühren: als Einreise- oder Ausreisesteuer, als Touristenabgabe, Eintritt oder Ökosteuer. Hier ist eine Übersicht über Projekte, die das Reisen teurer machen:

  • Venedig: Eintritt für einen Tag

Für einen Aufreger sorgt aktuell Venedig. Voraussichtlich ab Mai sollen Tagestouristen drei Euro Eintritt für die beliebte Lagunenstadt bezahlen, dies hat der Kommunalrat am Dienstag beschlossen.

Ab kommendem Jahr steigt der Betrag auf sechs Euro und an Tagen mit besonders großem Ansturm bis zehn Euro - oder bis der Touristenansturm abebbt. Denn das ist das Ziel: die überlaufene Weltberühmtheit vor allzu vielen Touristen zu schützen. Bereits im vergangenen Jahr wurden vor besonders frequentierten Stellen der Stadt Drehkreuze installiert. Hotelgäste sind von der Eintrittsgebühr befreit - sie zahlen ohnehin eine Ortstaxe, die mit der Übernachtung kassiert wird.

  • Amsterdam: Acht Euro für Kreuzfahrer

Amsterdam leidet ähnlich unter der Liebe der Besucher. Um die Touristenzahlen einzudämmen, gibt es daher bereits eine Gästetaxe von sechs Prozent des Übernachtungspreises. Sie soll schrittweise verdoppelt werden - um die genaue Methode wird noch gerungen. Damit die "Toeristenbelasting" auch Tagesgäste erreicht, kassiert Amsterdam seit Januar von Kreuzfahrtgästen acht Euro pro Tag. Wie sich Auto- und Bustouristen ebenfalls belangen lassen, diskutiert man momentan.

  • Edinburgh: 15 Millionen Pfund in die Stadtkasse

Sogar Städte in der zweiten Reihe steuern bereits gegen: So will auch Edinburgh als erste Stadt in Großbritannien ihre Gäste zur Kasse bitten. Der Stadtrat der schottischen Hauptstadt hat eine Abgabe von zwei Pfund (circa 2,28 Euro) pro Nacht beschlossen. Edinburgh erhofft sich von der Touristensteuer zusätzliche Einnahmen von rund 15 Millionen Pfund.

  • Norwegen: Kasse am Kreuzfahrtterminal

Im Reisetrend ist derzeit Norwegen: Alle wollen die unberührte Natur des Landes sehen. Darüber sind nicht alle Einheimischen begeistert - die Folge sind örtliche Touristensteuern gegen Overtourism auf den Lofoten und am Nordkap. Um die besonders ungeliebten Tagesgäste zu erreichen, sind Mauthäuschen an Zufahrtsstraßen sowie Kassen an Kreuzfahrtterminals geplant. Als Vorbild dienen die bereits erfolgreich installierten Kassen auf Spitzbergen: Auch wer nur tagsüber kommt - und das sind die meisten - muss 150 Kronen zahlen, das sind etwa 15 Euro.

  • Italien: Gassenbummel gegen 5 Euro

Am Ortseingang bitte zahlen: In Italien schaltet der apulische Ausflugsort Polignano a Mare während der Wintersaison ein winterliches Lichterspektakel ein und verlangt fünf Euro von jedem, der durch die bunt beleuchteten Gassen spazieren will. Der kleine Weiler Civita di Bagnoregio, der nördlich von Rom auf einem Tuffsteinfelsen hockt, erhebt ganzjährig fünf Euro Eintritt. Das Dorf hat gerade mal zehn Einwohner und wird jährlich von etwa 800000 Touristen besucht. Die apulische Stadt Alberobello, Heimat der putzigen Trulli-Häuschen, denkt über eine ähnliche Verdienstmöglichkeit nach. Der Ort wird jährlich von rund zwei Millionen Touristen überschwemmt.

  • Mexiko und Indien: Eintritt an der Sehenswürdigkeit

Wie kann man Tagesgäste zur Kasse bitten? Am einfachsten haben es Reiseziele mit einer berühmten Sehenswürdigkeit. Sie schlagen die Touristensteuer auf die Eintrittstickets auf. So verdoppelt beispielsweise gerade die weltberühmte Maya-Ruinenstadt Chichén Itzá in Mexiko die Eintrittspreise: Aus 242 Pesos (11,10 Euro) wurden mal eben 480 Pesos (rund 22 Euro). Da wirken die 19 Dollar fürs Taj Mahal in Indien, die seit Jahresbeginn gefordert werden, geradezu bescheiden.

  • Ökosteuer: Gebühr für Abfallentsorgung

Um die Umwelt geht es auf Bali. Dort wird diskutiert, ob die Urlauber nicht künftig - wie bereits seit 2016 auf Mallorca - eine Ökosteuer zahlen müssen. Zehn US-Dollar pro Besuch könnten fällig werden, also knapp neun Euro. Wie das Geld eingesammelt werden könnte, ist noch unklar, schreibt die "Jakarta Post" - entweder bereits bei der Bezahlung des Flugtickets oder bei der Einreise. Die Einnahmen sollen in die Finanzierung von Umwelt- und Kulturprogrammen fließen. Bali hat vor allem ein Problem mit Plastik. Auf der Insel fallen pro Tag fast 4000 Tonnen Abfall an, und noch viel mehr landet am Strand.

Auch Besucher der Südseeinsel Palau müssen zahlen. Im Preis des Flugtickets in das pazifische Inselreich versteckt sich die Umweltgebühr von rund 81 Euro. Wer per Schiff kommt, bezahlt sie bei der Ankunft.

  • Tansania und Bhutan: Schon bei Einreise fällig

Moderner, digitaler, teurer: Dieser Dreiklang ist weltweit beliebt. Beispiel Tansania: Die Heimat des Kilimanjaro hat gerade ein E-Visum eingeführt, das auch für die Insel Sansibar gilt. Der Preis beträgt zwischen 44 und 220 Euro und kann mit allen Kreditkarten bezahlt werden. Da fällt die ebenfalls neue Sicherheitsgebühr von umgerechnet 4,25 Euro gar nicht mehr auf - zumal sie sich in den Ticketpreisen verbirgt.

Geht's noch teurer? Aber sicher, das macht seit vielen Jahren Bhutan vor. Im selbsternannten "Königreich des Glücks" im Himalaya sorgt ein Mindestumtausch von 250 US-Dollar pro Tag zuverlässig dafür, dass die Gäste nicht überhand nehmen.

  • Indonesien und Ruanda: Tiere beobachten? Nur gegen Gebühr

Überboten wird diese Strategie der goldenen Gäste neuerdings von Komodo, einer Insel im Indonesischen Inselreich. Dort leben die Komodo-Warane, die "letzten Drachen der Erde". Wer sie sehen will, bezahlte bislang neun Euro. Die Gebühr soll erhöht werden: auf 440 Euro - das Fünfzigfache. Der Provinz-Gouverneur erklärte: "Wer nicht genug Geld hat, braucht nicht zu kommen."

Das erinnert Kenner der Szene an Ruanda, den letzten Rückzugsort der Berggorillas. Dort hat die Regierung vor knapp zwei Jahren die Besuchserlaubnis auf heftige 1500 US-Dollar festgelegt - und nach maximal 60 Minuten heißt es wieder gehen.

Hans-Werner Rodrian, srt/abl

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