Ver.di-Streik Airlines streichen in Frankfurt Hälfte aller Flüge

Auf sieben Flughäfen haben Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes ihre Arbeit niedergelegt. In Frankfurt kommt es zu massiven Beeinträchtigungen durch Hunderte Flugausfälle, an den übrigen Airports läuft der Betrieb annähernd normal. Die wichtigsten Infos im Überblick.
Ver.di-Streik: Airlines streichen in Frankfurt Hälfte aller Flüge

Ver.di-Streik: Airlines streichen in Frankfurt Hälfte aller Flüge

Foto: Holger Hollemann/ dpa

Frankfurt am Main - Die Terminals am Frankfurter Flughafen sind am Morgen gähnend leer. Das größte deutsche Flug-Drehkreuz steht seit Betriebsbeginn um 5 Uhr annähernd still - die Warnstreiks des Öffentlichen Dienstes auf sieben deutschen Flughäfen zeigen hier die massivsten Auswirkungen. Gesichert ist nur ein Notbetrieb.

Mit Beginn der Frühschicht um 3.30 Uhr haben die Angestellten der Flughafengesellschaft Fraport ihre Arbeit niedergelegt. Laut Gewerkschaftssekretär Uwe Schramm beteiligten sich mehr als 90 Prozent der betroffenen Mitarbeiter an dem Streik. "Es läuft besser als erwartet", sagte Schramm. Ab 9 Uhr gibt es einen großen Streikzug mit allen Streikteilnehmern.

Seit dem frühen Morgen seien knapp 550 Starts und Landungen annulliert worden, sagte eine Fraport-Sprecherin, das sei bereits die Hälfte aller für Donnerstag geplanten Flüge. Die meisten Ausfälle beträfen die Lufthansa. Deutschlands größte Airline hat nach Angaben eines Sprechers bundesweit rund ein Drittel ihrer 1800 Flüge gestrichen.

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Lahmgelegt: Ver.di-Streik trifft Frankfurter Flughafen

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Bis Ende der Frühschicht ist auch der Flugbetrieb in München, Köln-Bonn, Düsseldorf, Hamburg, Hannover und Stuttgart wegen des Ausstands beeinträchtigt - allerdings in unterschiedlichem Ausmaß:

  • In München hat Ver.di ab 5 Uhr zu Warnstreiks bei der Betreibergesellschaft und beim Sicherheitspersonal des Flughafens aufgerufen. Gut 100 Menschen beteiligten sich am frühen Morgen bereits an der Aktion, sagte Ver.di-Fachbereichsleiter Manfred Weidenfelder. Verzögerungen bei der Abfertigung von Flugzeugen seien zu erwarten. Für 10 Uhr ist eine Kundgebung mit anschließender Demonstration durch die Terminals geplant, enden soll der Streik voraussichtlich um 13 Uhr. Die Lufthansa hat hier rund 140 Flüge gestrichen.
  • Am Stuttgarter Flughafen hat der Warnstreik zunächst keine spürbaren Beeinträchtigungen für die Passagiere zur Folge - hier soll die Frühschicht von 5 bis 14 Uhr die Arbeit niederlegen. Die meisten Maschinen starteten planmäßig. Lediglich die Lufthansa hatte Verbindungen nach Frankfurt annulliert und die Passagiere auf die Bahn verwiesen. Viele Passagiere waren vorsorglich auch schon früher zum Flughafen gekommen. "Ich hatte befürchtet, dass es viel mehr Chaos gibt", sagte ein Geschäftsmann, der auf dem Weg nach Berlin war.
  • Am Hamburger Flughafen sind jeweils 16 Anflüge und Abflüge zwischen Frankfurt und Hamburg sowie München und Hamburg von 6 Uhr bis 16 Uhr gestrichen, wie das Internetportal des Flughafens informierte. Nicht betroffen davon sind Direktflüge ins Ausland. "Die ersten Flugzeuge könnten jedoch in Richtung München ab 11 Uhr wieder starten, in Richtung Frankfurt ab 13 Uhr", sagte eine Flughafenmitarbeiterin.
  • In Hannover sind insgesamt 13 Flugverbindungen der Lufthansa, sieben abfliegende und sechs ankommende Maschinen storniert. Beschäftigte unter anderem in der Flugzeugversorgung, in der Gepäckabfertigung und bei den Personenkontrollen legten die Arbeit nieder. "Wir gehen von einer guten Beteiligung aus", sagte eine Ver.di-Sprecherin. Die Aktionen sollen bis 15 Uhr andauern.
  • Auch an den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf haben zwar Warnstreiks begonnen. Am Airport Düsseldorf zählten jedoch nur relativ wenige Beschäftigte zum Öffentlichen Dienst, so dass in dem Fall mit keinen gravierenden Auswirkungen gerechnet wird.
  • In Berlin sind keine Arbeitsniederlegungen angekündigt.

600 Flugstornos bei der Lufthansa, zusätzliche Züge bei der Bahn

Die Lufthansa hat schon am Vortag knapp 600 Flüge annulliert (eine Übersicht über gestrichene Lufthansa-Flüge finden Sie hier ). "In Frankfurt und München fallen nahezu alle innerdeutschen und europäischen Flüge aus, die bis 14 Uhr planmäßig vorgesehen waren", teilte das Unternehmen mit. Kunden, die für den 27. März Tickets für Flüge von Lufthansa von oder nach Frankfurt, München, Düsseldorf, Köln/Bonn, Stuttgart, Hamburg oder Hannover haben, durften "einmalig kostenfrei" über das Internet umbuchen . Bei innerdeutschen Verbindungen sei es möglich, Züge der Deutschen Bahn zu nutzen. Dafür müsste der Flugschein am Check-in-Automaten oder im Internet gegen eine Fahrkarte  umgetauscht werden.

Der Ferienflieger Condor verlagert vier Fernflüge von Frankfurt nach Düsseldorf. Dort werde mit geringeren Auswirkungen des Ausstands gerechnet, sagte ein Condor-Sprecher. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin strich zunächst sechs Flüge. Die Reisenden sollten sich vorab jedoch über den Status ihres Flugs informieren.

Die Deutsche Bahn setzt zusätzliche Züge an den Knotenpunkten ein. Alle verfügbaren Züge seien im Einsatz, teilte die Bahn mit. Am Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens und gegebenenfalls an weiteren Stationen soll es zusätzliche Mitarbeiter geben.

SPD: Verständnis für Warnstreiks

Die Gewerkschaft will mit den Arbeitsniederlegungen den Druck auf die Arbeitgeber im Tarifstreit des Öffentlichen Dienstes bei den Kommunen und beim Bund noch einmal erhöhen. Bereits in den vergangenen Tagen hatten vielerorts Beschäftigte unter anderem in Kindertagesstätten, bei der Müllabfuhr und dem öffentlichen Nahverkehr gestreikt. Ver.di fordert für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst eine Erhöhung der Löhne um 100 Euro monatlich plus 3,5 Prozent.

Verständnis für die Warnstreiks an den Flughäfen hat der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Martin Burkert, geäußert. "Das ist natürlich ein Einschnitt für Reisende", sagte der SPD-Politiker. Er habe "trotzdem Verständnis", wenn man Druck aufbaue, um die Tarifverhandlungen hoffentlich in der kommenden Runde zu einem Erfolg zu führen.

Die Branche jedoch kritisiert den Ausstand scharf: "Wie schon bei dem Warnstreik des Sicherheitspersonals in Frankfurt vor gut einem Monat nimmt Ver.di bewusst in Kauf, dass unbeteiligte Menschen und Unternehmen zur Durchsetzung von Gewerkschaftsforderungen instrumentalisiert werden", sagte Lufthansa-Vorstandsmitglied Bettina Volkens. "Flughäfen werden immer mehr zum öffentlichkeitswirksamen Schauplatz für Tarifauseinandersetzungen. Was früher eine absolute Ausnahme war, darf nicht zur Regel werden", erklärte Ralph Beisel vom Flughafenverband ADV in Berlin.


Die wichtigsten Informationen für Passagiere im Überblick:

Was passiert, wenn mein Flug gestrichen wurde?

Einen wegen des Streiks nicht angetretenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Bei der Lufthansa können die Kunden schon jetzt kostenlos umbuchen.

Wie komme ich trotz des Streiks an mein Reiseziel?

Die Fluggesellschaft oder der Veranstalter hat die Pflicht, so schnell wie möglich eine Ersatzbeförderung zu organisieren - zum Beispiel mit Bahn oder Bussen. Kunden können diese per Telefon oder am Schalter des Unternehmens am Flughafen einfordern. Die Fluglinien empfehlen, bei Inlandsflügen auf die Bahn auszuweichen. Kunden von Lufthansa, Germanwings und Air Berlin können bei den Fluggesellschaften ihre Flugtickets in Gutscheine für die Bahn umwandeln lassen.

Habe ich Anspruch auf Schadensersatz?

Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) müssen Fluggesellschaften ihren Passagieren keine Entschädigung zahlen, wenn sie wegen eines Streiks einen Flug streichen. Bei einem Streik handele es sich um "außergewöhnliche Umstände", bei denen die Unternehmen nicht haften müssen. Voraussetzung ist, dass die Flüge wegen Ereignissen außerhalb des Einflussbereichs der Fluggesellschaft und "außerhalb des Rahmens der normalen Betriebstätigkeit" ausfallen.

Wie sollten sich Reisende am Donnerstag verhalten?

Grundsätzlich ist es sinnvoll, sich vorab bei der jeweiligen Airline nach dem Status des Flugs zu erkundigen. Daneben sollten die Reisenden mehr Zeit einplanen, da auch die Abfertigung der nicht annullierten Flüge am Donnerstag mehr Zeit in Anspruch nehmen wird. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport etwa bittet Passagiere, sich schon vor Antritt der Reise von zu Hause aus auf den Internetportalen der Fluggesellschaften über den Status ihres Flugs zu informieren und die Online-Umbuchungsmöglichkeiten zu nutzen.

Wo erhalten Reisende Auskünfte zu ihren Flügen?

Fluglinien:

Flughäfen:

Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Flughäfen auf ihren Webseiten bekannt.

Hotlines von Veranstaltern: