Hamburg - Von der 20 Meter hohen Statue des Staatsgründers Kim Il Sung zum "Berg der geheimnisvollen Düfte". Von der 13 Tonnen schweren Alarmglocke der alten Festung Pjöngjang zu einer Bauernfamilie in der Landwirtschaftskooperative Chonsam: Nordkorea-Reisende erwartet bei ihrem Besuch auf der Halbinsel ein vielseitiges Besichtigungsprogramm.
Die Anreise ist jedoch ein bisschen schwieriger als in andere südostasiatische Länder. Kaum ein Land ist so abgeschottet wie die Demokratische Volksrepublik. Schätzungen von Reiseveranstaltern zufolge werden für Nordkorea nur rund 1200 Visa jährlich ausgestellt - Geschäftsleute, Diplomaten und Touristen zusammengenommen. Für Südkorea sind es etwa 70.000.
Die derzeit eskalierende Krise zwischen den seit Jahrzehnten im Kriegszustand befindlichen Ländern dürfte sich nun direkt auch auf das Reisegeschäft für beide Länder auswirken. Denn die martialischen Kriegsdrohungen des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un haben potentielle Reisende verschreckt: Veranstalter hierzulande berichten von rückläufigem Interesse bis hin zu Stornierungen.
"Dieses Jahr ist es extrem"
Der Siegburger Reiseveranstalter Ulrich Bexte Touristik musste in diesen Tagen zwei Reisen nach Südkorea streichen, die kommende Woche starten sollten. "Was mache ich mit einer Gruppe von 20 Personen, von denen zwei Drittel panische Angst haben", sagt Geschäftsführer Ulrich Bexte. Er habe seinen Kunden angeboten, zu stornieren oder auf andere Reiseziele umzusteigen. Seine Reisen nach Nord- und Südkorea sind für die nächsten zwei Monate vorerst komplett ausgesetzt.
Auch ein Berliner Reisebüro berichtet von rückläufigen Buchungen, gerade in den stalinistischen Norden. "Die Leute sind vorsichtiger geworden", sagt ein Unternehmer, der namentlich nicht genannt werden möchte. Jedes Jahr gebe es im Frühjahr zu den Militärmanövern aggressive Rhetorik aus Pjöngjang. "Dieses Jahr ist es jedoch extrem."
Das Auswärtige Amt rät Touristen ebenfalls, auf "nicht unbedingt notwendige" Reisen zu verzichten, eine militärische Aktion vonseiten Nordkoreas könne nicht ausgeschlossen werden. Dass Pjöngjang zum Wochenende nun die wenigen ausländischen Botschaften im Land - darunter die deutsche - aufforderte, eine Evakuierung zu prüfen, erhöht die Unruhe. "Ich bin froh, dass ich noch nicht gebucht habe", sagt eine 39-jährige Berlinerin, die Interesse an einer Reise nach Nordkorea hatte, dann aber ihre Pläne verwarf.
Einreise nach Pjöngjang läuft über Peking
Der Reiseverkehr von Peking nach Pjöngjang aber läuft offenbar noch weitgehend normal. Die wenigen Touristen, die am Samstag aus Nordkorea in der chinesischen Hauptstadt landeten, bekamen von dem Spannungen kaum etwas mit: "Wir hatten keine Angst, als wir dort waren", sagt die Dänin Tina Krabbe nach fünf Tagen im Norden. Das Leben in Nordkorea gehe "ganz normal weiter", findet auch Reiseveranstalter Nicholas Bonner. Die Lage sei natürlich gespannt - "aber alle hoffen, dass das bald vorbei sein wird".
Für Reisende auf der koreanischen Halbinsel waren die Spannungen zwischen beiden Ländern schon immer unübersehbar. Veranstalter kombinieren oft Besuche im Süden und im Norden, doch die direkte Weiterfahrt von Seoul nach Pjöngjang ist unmöglich, denn es gibt weder Flüge noch sonstige Verbindungen. Reisegruppen müssen zunächst nach Peking reisen, von wo aus sie einen Flug nach Pjöngjang nehmen können.
Eine weitere Besonderheit von Nordkorea-Reisen: Die Gruppe ist ständig in Begleitung von zwei nordkoreanischen Reiseleitern - neben dem deutschen Reiseführer. Die Koreaner achten vor allem auch darauf, dass der jeweils andere Reiseleiter sich nur ideologisch korrekt äußert. Die Überwachung sei nicht einmal in der ehemaligen DDR oder der früheren Sowjetunion so streng gewesen wie in Nordkorea, sagt ein deutscher Reiseveranstalter, der nicht genannt werden möchte. Doch Touristen erwarte eine "wunderschöne Landschaft" und "ein Blick hinter den Vorhang".
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Nordkoreas schöne Seite: Der Berg Myohyang ist ein bei Touristen beliebtes Reiseziel. Er ist auch als "Berg der geheimnisvollen Düfte" bekannt.
Der Berg Kumgang mit seinen Schluchten und grünen Hängen bezauberte einst viele Nordkorea-Reisende. Hier gab es Hotels und einen Golfplatz. Heute kommen nur wenige Touristen her - wie diese Chinesen im Sommer 2011.
Pjöngjang von oben: Wer in Nordkoreas Hauptstadt reisen möchte, kann das nicht aus Südkorea tun. Reisegruppen müssen zunächst nach Peking fahren, von wo aus sie nach Nordkorea fliegen können.
20-Meter-Mann: Neben der Statue von Staatsgründer Kim Il Sung sehen die Menschen winzig aus.
Denkmal für die Einheit: Dieses 30 Meter hohe Monument wurde 2001 bei Pjöngjang errichtet. Es soll den Wunsch nach der Wiedervereinigung ausdrücken - zwei Frauen halten eine Landkarte von der koreanischen Halbinsel. Allerdings haben Nord- und Südkorea gänzlich unterschiedliche Vorstellungen von einem einheitlichen Land.
Kim-Il-Sung-Mausoleum in Mangyŏngdae: Nordkoreas Staatsgründer wurde in dem Vorort von Pjöngjang geboren.
Koloss aus Beton: Pjöngjangs Stadion ist das zweitgrößte Stadion der Welt. Es fasst 150.000 Zuschauer.
Nahverkehr in Nordkorea: Einheimische blicken aus einer Straßenbahn, die durch Pjöngjang fährt.
Hauptsache monumental: Mehr als 75.000 Quadratmeter groß ist der Kim-Il-Sung-Platz im Zentrum von Pjöngjang. Er zählt zu den größten Plätzen der Welt.
Hammer und Sichel in gigantischen Ausmaßen: Dieses Bauwerk wurde 1995 zu Ehren der Partei der Arbeit Koreas errichtet.
Mal einen Blick nach drüben werfen: In der chinesischen Stadt Dandong wurden Fernrohre aufgestellt, durch die sich Touristen ein Miniaturbild von Nordkorea machen können.
Mal einen Blick nach drüben werfen: In der chinesischen Stadt Dandong wurden Fernrohre aufgestellt, durch die sich Touristen ein Miniaturbild von Nordkorea machen können.
Foto: China Photos/ Getty ImagesMelden Sie sich an und diskutieren Sie mit
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