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Italiens Geisterdörfer: Romantische Ruinen, einsame Eremiten

Foto: Bruno Zanzottera/Parallelozero

Traumziele Italiens verlassene Dörfer

Burgruinen an Steilhängen, bröckelnde Höfe in einsamen Tälern - Italien hat einen Schatz an wildromantischen Geisterdörfern. Der Fotograf Bruno Zanzottera hat sie porträtiert.

"Paesi fantasma" - Geisterdörfer - nennen die Italiener Dörfer, in denen seit Jahrzehnten kein Mensch mehr lebt. Die verlassen wurden, weil Siedlungen am Meer und Städte mehr Arbeit, mehr Unterhaltung, weniger Mühsal boten. Manche liegen in Italiens idyllischsten Regionen im Inland - sie ducken sich in abgelegene Täler, klammern sich an Berghänge. In vielen hat die Natur die Regie übernommen.

Mithilfe von Google Earth sind 1500 verlassene Dörfer in ganz Italien - von Alpen bis Apennin - identifiziert worden, die manchmal schon nicht mehr auf Karten zu finden sind. 1,26 Millionen Gebäude insgesamt konnten in einer Untersuchung, die sieben Jahre lang gedauert hat, ausgemacht werden. Viele sind alte Bauernhöfe oder Hütten, manche Villen, Burgen oder Kirchen, mit einer Geschichte, die kaum jemand mehr kennt.

Die Italiener versuchen das Beste daraus zu machen - Dutzende Dörfer stehen zum Verkauf. Wie das mittelalterliche Valle Piola im Herzen der Monti della Laga in den Abruzzen zum Beispiel. Seit 1977 verwaist, kam es für 550.000 Euro in neue Hände. Calsazio in den Grajischen Alpen im Piemont - mit 14 Steinhäusern, 50 Wohnungen und fünf Einwohnern - wurde über eBay für 245.000 Euro angeboten. Manche Bürgermeister verschenken sogar Gebäude für einen symbolischen Euro - wie Gangi in Sizilien, Carrega Ligure in Piemont oder Lecce nei Marsi in den Abruzzen.

Die schlafenden Schönheiten, von Efeu überwuchert und von Wildschweinen bewohnt, sind prädestiniert für Urlauber, die die Abgeschiedenheit zu schätzen wissen: Meist sind es Ausländer, die verlassene Häuser kaufen und zu renovieren versuchen. Deutsche, Niederländer, Franzosen und US-Amerikaner bringen Ruinen aus dem Mittelalter auf eigene Kosten auf Vordermann. Und aus manchen Dörfern werden ganze Ferienresorts - wie das TUI-Dorf Castelfalfi in der Toskana.

Der Fotograf Bruno Zanzottera hat die verlassene Seite seiner Heimat porträtiert. Der 59-jährige Italiener erforschte mit seiner Kamera Ruinendörfer in ganz Italien - von den Alpen bis Sizilien. Er traf Eremiten, betrat seit Jahrzehnten verlassene Häuser, in denen Tassen und Teller auf dem Tisch stehen, und Kirchen, denen ihre alte Pracht noch anzusehen ist.

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