Verlassene Zollhäuschen in Europa Grenzenlos schön

Autoschlange. Warten. Pässe suchen. Als es in der EU noch Passkontrollen gab, war das der Alltag. Inzwischen sind viele der alten Grenzposten verfallen. Ignacio Evangelista hat die Symbole europäischer Geschichte fotografiert.

Als es noch Grenzkontrollen in der EU gab, war Reisen kompliziert. Autoschlange, warten, Pässe suchen, am Wachhäuschen dem Beamten ernst in die Augen sehen, prüfende Blicke kassieren, die Pässe mit dem Kommentar "Gute Fahrt" zurückbekommen, aufatmen. Puh, keine Autodurchsuchung.

Seit dem Schengener Abkommen, das 1985 von Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden ins Leben gerufen wurde, ist das Vergangenheit. Nur in Ausnahmefällen gibt es noch Passkontrollen an den Grenzen zwischen den mittlerweile 26 Unterzeichnerstaaten.

Den Weg über die Grenzen in den Osten Europas machte die Wende nach dem Mauerfall am 9. November 1989 frei. Inzwischen müssen die Ausweise auch an den Übergängen etwa zu Ungarn, Tschechien, Polen und Slowenien nicht mehr herausgekramt werden.

Ehemalige Grenzposten erinnern jedoch noch an frühere Zeiten. Inzwischen funktionslos stehen sie noch immer vor dem ehemaligen Niemandsland. Der spanische Fotograf Ignacio Evangelista  hat einige von ihnen in seiner Reihe "After Schengen" porträtiert - zum Beispiel in Slavonice zwischen Tschechien und Österreich, in Portalet zwischen Spanien und Frankreich oder in Nowa Morawa zwischen Polen und Tschechien.

Renoviert, zerstört oder im Verfall

Die meisten dieser Grenzhäuser seien heute komplett verlassen, sagt er. Die Atmosphäre dort sei ein bisschen gruselig, was er möge, aber auch absurd. "Überall stehen Schilder mit Aufschriften wie 'Stopp', 'Achtung' oder 'Grenze'. Barrieren und Schranken sind teilweise noch nicht abgebaut und wirken heute einfach grotesk und deplatziert", sagt der Fotograf.

Für Evangelista sind die verlassenen Wachhäuser Symbole für die europäische Geschichte - und durch Vergessen bedroht. "Einige der Posten sind renoviert worden und werden heute neu genutzt, andere wurden von Vandalen zerstört. Die meisten verfallen einfach."

Während seiner Fotoreportage habe er oft an das erste Mal gedacht, als er als Junge die Grenze von Spanien nach Frankreich überquerte. "Ich war wirklich aufgeregt. Als ich drüben war, habe ich erst mal tief eingeatmet und geschnuppert, ob die Luft anders riecht."

Bei seiner Fotorecherche hätten ihn die Grenzhäuser in kleinen Wäldern am meisten fasziniert, sagt Evangelista . Es seien die seltsamsten gewesen. "Dort habe ich mir immer vorgestellt, wie damals ein einzelner einsamer Wachmann im Winter frierend darauf gewartet hat, dass jemand vorbeikommt."

Heute steht dort niemand mehr. Kein bewaffneter Grenzpolizist. Nur Blümchen.

jkö
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.