Vermuteter Absturz Aufklärer suchen nach Air France AF447

Ein Airbus der Air France ist vermutlich über dem Atlantik abgestürzt. Das Flugzeug war auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris, hatte 228 Menschen an Bord. Als Unglücksursache vermutet die Fluggesellschaft Blitzschlag. Über den Unglücksort herrscht Unklarheit.


Wo ist Air-France-Flug AF447? Der Airbus A330-203 war planmäßig um Mitternacht in Rio de Janeiro gestartet. Sein Flugziel: Paris. Nach etwa dreieinhalb Stunden Flugzeit brachen Funk- und Radarkontakt zu der Maschine ab. Behörden und Fluggesellschaft gehen von einem Absturz aus. Darüber, wo man nach dem Wrack und möglichen Überlebenden suchen sollte, sind sich die zuständigen Behörden nicht sicher.

An Bord des Flugzeugs befanden sich beim Start Air France zufolge insgesamt 216 Passagiere. Darunter 126 Männer, 82 Frauen, sieben Kinder und ein Baby. Außerdem waren zwölf Crew-Mitglieder an Bord. Bei dem Flugzeug handelt es sich um das neueste Exemplar in der A330-Flotte der Air France. Die Maschine mit der Registrierung F-GZCP war im April 2005 in Dienst gestellt worden, wurde am 16. April zuletzt gewartet und hat erst 18.870 Flugstunden hinter sich.

Die letzte Nachricht von der Maschine erhielt die Air France von einem automatischen System an Bord des Fliegers. Die Maschine habe gegen 4 Uhr deutscher Zeit eine "Gewitterzone mit schweren Turbulenzen" durchquert, wie Air France erklärte. Knapp eine Viertelstunde später wurde von der Maschine eine automatische Fehlermeldung versandt, die eine Fehlfunktion im elektrischen System des Airbus meldete. Danach gab es keinen Funkkontakt mehr.

"Zweifellos eine Katastrophe"

"Das Flugzeug könnte von einem Blitz getroffen worden sein", erklärte der Chef der Fluggesellschaft Air France, Pierre-Henri Gourgeon. Möglicherweise sei mitten in dem Unwetter die Stromversorgung ausgefallen. "Wir stehen zweifellos vor einer Luftfahrtkatastrophe." Experten schlossen auch einen Terroranschlag nicht völlig aus. "Wir müssen leider mit dem Schlimmsten rechnen", sagte Verkehrs- Staatssekretär Dominique Bussereau in Paris.

Blitzeinschläge in Flugzeuge gibt es häufig. Sie richten in der Regel keine großen Schäden an. Ein totaler Stromausfall nach Blitztreffern könnte nach Angaben der Pilotenvereinigungen aber erklären, warum die sehr erfahrene Cockpitbesatzung kein Notsignal absetzte. Der Pilot der Maschine habe bereits 11.000 Flugstunden absolviert, allein 1100 davon mit dem A330, sagte Firmensprecherin Brigitte Barrand.

"Wir verstehen nicht, was passiert ist", sagte Verkehrs-Staatssekretär Dominique Bussereau. "Die Hypothese einer Entführung scheint ausgeschlossen, denn die Maschine hätte irgendwo landen müssen. Wir müssen leider mit dem Schlimmsten rechnen." Dagegen erklärte die Pilotenvereinigung SMPM: "Wir behalten ein Fünkchen Hoffnung." Wenn es einen Triebwerkschaden oder ein Feuer an Bord gab, habe das Flugzeug vielleicht wassern können. Dann hätten die Insassen in Rettungsinseln gehen können.

Wo soll man das Wrack suchen?

Am wahrscheinlichsten sei die Hypothese einer "Zerstörung im Flug", sagte der Luftfahrt-Gerichtsexperte Francois Granquier. Wenn die Maschine mitten in den Atlantik gestürzt sei, werde man sie kaum wiederfinden. Die Mittel dazu seien sehr begrenzt. Die Flugschreiber geben nach einem Absturz Signale ab, die es ermöglichen, sie aufzuspüren. Allerdings hängt das von der Wassertiefe ab.

Die brasilianischen Streitkräfte suchten am Montag nahe der Insel Fernando de Noronha 360 km vor der Küstenstadt Natal nach der Maschine. Ein französisches Aufklärungsflugzeug nahm von Senegal aus die Suche nach dem Wrack vor der afrikanischen Küste auf. "Man muss vor Afrika suchen", erklärte der Ex-Pilot Michel Chevalet, der das Luftfahrtmuseum Le Bourget leitet.

Der vermisste Airbus wurde von der marokkanischen Luftraumüberwachung allerdings nicht mehr erfasst, wie die dortige Regierung mitteilte. Marokkanische Luftfahrtkreise erklärten, die Maschine sei auch nicht über den Kanarischen Inseln erfasst worden, was für einen früheren Absturz, weit über dem Atlantik, sprechen würde.

Keine Hinweise auf Deutsche an Bord des Unglücksflugs

Die Bundesregierung hatte zunächst keine Hinweise auf deutsche Passagiere an Bord. Die Air-France-Flüge nach Rio werden allerdings häufig von deutschen Reisenden genutzt, da beispielsweise die Lufthansa keine Direktflüge von Deutschland nach Rio anbietet.

Auf dem Pariser Flughafen wurde die Maschine auch Stunden nach ihrer geplanten Ankunftszeit von 11.10 Uhr nur als "verspätet" angezeigt. Die Flughafengesellschaft ADP richtete einen Krisenstab ein. Ein Raum wurde eingerichtet, um die Angehörigen der Flugzeuginsassen zu empfangen. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy erklärte seine "sehr große Besorgnis" und forderte die Aufklärung des Vorfalls.

Für Angehörige von Passagieren des Unglücksflugs hat die Fluglinie eine eigene Hotline eingerichtet, die von Frankreich aus über die Rufnummer 0800-800812 und aus dem Ausland über die Nummer +33-157021055 erreichbar ist.

mak/AP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.