Verschärfte Bestimmungen Libyen verweigerte Europäern Einreise

Ohne Ankündigung hat Libyen seine Einreisebestimmungen verschärft. Da sie nicht auf die neuen Anforderungen vorbereitet waren, durfte keiner der 172 Passagiere einer französischen Airline ins Land. Auch Fluggäste von Swiss und Lufthansa mussten den sofortigen Rückflug antreten.


Kloten/Zürich - Libyen hat überraschend die Einreisebestimmungen für ausländische Flugreisende verschärft. Gestern ist ein neues Passgesetz in Kraft getreten, dass von Einreisenden entweder einen arabischen Pass oder beglaubigte Übersetzung ihres Passes ins Arabische verlangt. Auch dürfen Reisende, die sich bereits in Libyen befinden, ohne diese Dokumente nicht ausreisen. Mehrere europäische Fluglinien mussten seitdem Gäste, die die neuen Anforderungen nicht erfüllte, wieder zurückfliegen. Heute Mittag waren 31 von 51 Passagieren eines Lufthansa-Fluges von Frankfurt nach Tripolis betroffen, wie Michael Göntgens, ein Sprecher des Unternehmens, SPIEGEL ONLINE sagte.

Sahara in Libyen: Ein Visum reicht seit gestern nicht mehr
DPA

Sahara in Libyen: Ein Visum reicht seit gestern nicht mehr

Gestern musste die Swiss, die dreimal wöchentlich nach Tripolis fliegt, 37 von 115 Passagieren wieder nach Zürich-Kloten zurückfliegen, die mit dem Swiss-Kurs LX2584 nach Libyen geflogen waren. Diesen Passagieren war die Einreise verweigert worden, obwohl sie gültige Reisepapiere bei sich hatten. Auch ein Flugzeug der französischen Charterlinie Air Méditerranée wurde von den libyschen Behörden zur Rückkehr nach Paris gezwungen, weil die 172 Passagiere an Bord keine arabische Übersetzung ihrer Pässe dabei hatten. Außerdem mussten nach Angaben des schweizerischen Konsulats in Tripolis gestern Austrian Airlines und British Airways einen Teil ihrer Passagiere wieder aus Libyen ausfliegen, berichtet die Online-Ausgabe der "Neuen Zürcher Zeitung".

Swiss versucht, künftige Passagiere zu kontaktieren

Die örtliche Swiss-Station sei von der Einführung der Maßnahme völlig überrascht worden, die um 10 Uhr in Kraft getreten sei, sagte Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel der Nachrichtenagentur AP. Die Swiss-Maschine sei flugplanmäßig um 12.20 Uhr gelandet. Sie erhielt beim Rückflug zwei Stunden Verspätung. Die Situation für viele Passagiere sei äußerst unangenehm, sagte Donzel.

Nun werde versucht, alle Passagiere zu kontaktieren und über die neue Lage zu informieren, welche für den nächsten Swiss-Flug nach Libyen für morgen gebucht hätten. Es gebe sehr viele Passagiere aus anderen Ländern, die bei Flügen nach Libyen jeweils in Zürich-Kloten auf die Swiss umsteigen. Die Swiss wolle vermeiden, dass jemand vergeblich nach Zürich reise. Donzel sagte weiter, die Passkontrollen beim Check-in und am Gate würden auf diesen Aspekt hin ausgeweitet. Man hoffe auf diplomatische Bemühungen.

Auch die Lufthansa werde laut Göntgens beim Check-in ihres nächsten Fluges am Mittwoch darauf achten, dass nur Passagiere mitfliegen, die vollständige Dokumente mit sich führen.

Visum reicht nicht

Auch Air Méditerranée erfuhr erst nach Landung der Maschine gestern Abend auf dem Flughafen von Sebha, dass ein neues Passgesetz in Kraft sei, teilte ein Unternehmensvertreter mit. Fast drei Stunden lang habe die Maschine auf dem Rollfeld gestanden, bevor sie schließlich nach Paris zurückkehren konnte. Obwohl sie unterbesetzt war, verweigerten die libyschen Behörden den Einstieg von mehr als 80 weiteren Franzosen, die in Libyen auf ihren Rückflug warteten.

Nach Angaben eines Passagiers dürfen die Europäer so lange nicht ausreisen, bis sie eine Übersetzung ihrer Pässe vorweisen können. Die neuen Bestimmungen beträfen alle Europäer, auch wenn sie im Besitz eines gültigen libyschen Visums seien, berichtete der Mann. Ein Sprecher des französischen Außenministeriums sagte dazu, Diplomaten vor Ort prüften die Angelegenheit.

abl/AFP/AP



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