Verspätete Züge So bekommen Bahnkunden Entschädigung

Wenn der Zug Verspätung hat, gibt es bis zur Hälfte des Ticketpreises zurück. Doch wie fordern Bahnkunden ihre Entschädigung ein? So geht's.

Informationsschalter der Bahn
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Informationsschalter der Bahn


Signalstörungen, Baustellen, Stürme: Züge verspäten sich aus ganz unterschiedlichen Gründen, doch ärgerlich ist es immer.

Kunden können immerhin oft eine Entschädigung oder Erstattung fordern:

  • Ab einer Stunde Verspätung am Zielort gibt es in Deutschland zum Beispiel ein Viertel vom Ticketpreis zurück,
  • bei mehr als zwei Stunden ist es die Hälfte.
  • Besitzt man eine Bahncard 100, gibt es zehn Euro in der zweiten Klasse, wenn der Zug mehr als 60 Minuten zu spät am Ziel ankommt.

Doch die Entschädigung müssen Kunden beim bahneigenen Servicecenter für Fahrgastrechte beantragen. Dafür gibt es entweder im Zug, am Bahnhof oder online zum Ausdrucken ein Formular. Das müssen Sie ausfüllen und mit der Fahrkarte oder zum Beispiel Ihrer Bahncard-Nummer in einem Reisezentrum abgeben oder per Post einsenden.

Auf digitalem Weg senden - das geht nicht. Was wiederum bei so manchem Verbraucher gleich für den nächsten Ärger sorgt. Es sei verständlich, dass viele Kunden das als nicht mehr zeitgemäß empfinden, sagt ein Bahn-Sprecher. Die Deutsche Bahn will das auf lange Sicht auch ändern. Doch technisch sei das komplex und herausfordernd. So sei es zum Beispiel keine Option, den Prozess teilweise zu digitalisieren und auf online gekaufte Tickets zu beschränken.

Für Vielfahrer, die damit potenziell auch vielfach von Verspätungen betroffen sind, hat der Bahn-Sprecher einen Tipp: das Formular online ausfüllen und im Computer speichern. Daten wie Anschrift oder Kontoverbindung müssen dann nicht jedes Mal wieder eingetragen werden. Das spart etwas Zeit. Ausdrucken und verschicken oder am Bahnhof vorbeibringen ist aber unvermeidlich.

Dienstleister übernehmen gegen Gebühr das Eintreiben

Wer auf diesen analogen Weg verzichten will, findet Anbieter im Internet. Einer ist Zug-Erstattung.de. Das Prinzip: Man lädt sein Ticket hoch, das System liest die Daten aus und bereitet auf deren Basis den Antrag vor. Man selbst fügt diesem noch seine Anschrift und Kontoverbindung hinzu. Das Verschicken an die Bahn übernimmt danach der Anbieter. Das kostet ab dem zweiten Antrag 0,99 Euro Gebühr. Ähnlich macht es Refundrebel.com, bis Ende Januar 2019 noch gebührenfrei.

Bahn-Buddy.de geht mittlerweile noch weiter: Das Portal prüft anhand des hochgeladenen Tickets die Ansprüche des Kunden und macht ein Angebot für eine Sofortauszahlung der Entschädigung. Dafür fällt eine Gebühr an, deren Höhe sich laut Unternehmensangaben an den Erfolgsaussichten des Antrags orientiert. Maximal seien es 20 Prozent der im Raum stehenden Entschädigungssumme, im Schnitt würden zwölf Prozent abgezogen, sagt Philipp Eischet. Er ist Mitgründer des Unternehmens RightNow, zu dem Bahn-Buddy.de gehört.

Bedeutet: Steht einem theoretisch eine Summe von 50 Euro zu, erhält der Bahn-Kunde bei zwölf Prozent Gebühr noch 44 Euro. Das Geld fließe in kurzer Zeit, lautet das Versprechen. Und es steht einem unabhängig davon zu, ob Bahn-Buddy.de die Summe letztlich auch erfolgreich für sich von der Deutschen Bahn eintreibt.

In Härtefällen hilft die Schlichtungsstelle söp

Wie lange dauert es sonst, bis Geld fließt? Die Bahn muss einen Antrag innerhalb eines Monats bearbeiten. Meist gehe es schneller, so der Bahnsprecher. Anfang November betrug die durchschnittliche Zeit rund zehn Tage. Anders als bei vielen Airlines, die sich bei Entschädigungsforderungen querstellen, lassen sich Ansprüche gegenüber der Bahn in der Regel ohne Probleme durchsetzen - zu der Einschätzung kommt Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn.

Nur bei eher selten vorkommenden Härtefällen müssten Verbraucher die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) rufen. Sie schlichte in 60 bis 70 Prozent der Fälle im Kundensinne. Entsprechend sagt Naumann zum Angebot von Bahn-Buddy.de: "Wem es darauf ankommt, das Geld früher zu haben, abzüglich der Gebühren natürlich, kann das machen." Es sei aber kein überlebensnotwendiger Service.

Gut zu wissen: Für Ansprüche spielt laut Bahn der Grund für die Verspätung keine Rolle. Auf höhere Gewalt kann sich der Konzern im Gegensatz zu Airlines nicht berufen. Lokführerstreik, Sturmschäden, geflutete Strecken - kommt ein Zug deshalb zu spät an oder fällt er aus, hat man trotzdem Anspruch auf Entschädigung oder Kostenerstattung.

Ist eine Bahn mit viel Verzug unterwegs, verteilen Zugbegleiter mitunter während der Fahrt die Formulare und bestätigen die Verspätung durch einen Zangenabdruck. Das sei aber an sich nicht nötig, erklärt der Bahn-Sprecher: Ob eine Verspätung vorlag, lasse sich bei der Antragsprüfung im System nachvollziehen.

Tom Nebe, dpa



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
cindy2009 20.11.2018
1. ging auch ohne Aufwand
Letzte Woche musste ich einen Zug später nehmen, da der frühere ausfiel. Ich bekam vom Schaffner ohne zu fragen einen Gutschein, der mir 98% des Fahrpreises erstattete.
potenz 20.11.2018
2. Über 7 Brücken musst du gehn ...
... um so eine Erstattung zu bekommen! Nach meinen diesbezüglichen Erfahrungen scheint mir, dass bei der Bahn jedenfalls deutlich effektiver im Aufspüren von Gründen zur Ablehnung solcher Erstattungsanträge sind, als beim Erbringen der Leistungen, die man mit dem Erwerb einer Fahrkarte gekauft zu haben glaubt. Beispielsweise ging es bei meinem letzten derartigen Antrag um eine mehr als einstündige Verspätung, welche mir dadurch entstand, dass der ICE, mit dem ich fuhr, dermaßen überfüllt war (man hatte nur die Hälfte der sonst üblichen Waggons angehängt - meine Sitzplatzreservierung galt naturgemäß für einen der nicht vorhandenen Waggons), dass alle ohne Sitzplatz am nächsten Halt unter Androhung der Räumung durch die Bundespolizei hinaus komplementiert und auf den nächsten Zug verwiesen wurden. Da somit der Zug ja nicht die dafür erforderliche Verspätung gehabt hatte (sondern nur ich, der ich mit selbigem nicht mehr weiterfahren durfte),gab's auch keine Erstattung... An dem Punkt habe ich ermattet aufgegeben.
jujo 20.11.2018
3. #2
Ich hatte im Mai von Budapest kommend bis Leipzig 2 Std Verspätung. In Dresden mußte ich warten, beim Serviceschalter bekam ich das Formular, zuhause ausgefüllt, abgeschickt und binnen einer Woche hatte ich die Erstattung von 50% auf dem Konto. Ich war es zufrieden. Zumal die Verspätung gar nicht zu Lasten der DB ging, die 2 Stunden Verzögerung waren schon bis Prag aufgelaufen. So hat und macht jeder seine Erfahrungen.
siebenachtneun 20.11.2018
4.
Mich trafen die Stürmen im letzten Jahr. Ich füllte den Antrag aus und gab ihn gleich wieder im Bahncenter ab. Nach 14 Tagen hatte ich einen Brief im Briefkasten, dass ich das volle Geld zurückbekomme und ein paar Tage später war das Geld auch auf meinem Konto. Alles kein Problem.
siebenachtneun 20.11.2018
5.
Zitat von potenz... um so eine Erstattung zu bekommen! Nach meinen diesbezüglichen Erfahrungen scheint mir, dass bei der Bahn jedenfalls deutlich effektiver im Aufspüren von Gründen zur Ablehnung solcher Erstattungsanträge sind, als beim Erbringen der Leistungen, die man mit dem Erwerb einer Fahrkarte gekauft zu haben glaubt. Beispielsweise ging es bei meinem letzten derartigen Antrag um eine mehr als einstündige Verspätung, welche mir dadurch entstand, dass der ICE, mit dem ich fuhr, dermaßen überfüllt war (man hatte nur die Hälfte der sonst üblichen Waggons angehängt - meine Sitzplatzreservierung galt naturgemäß für einen der nicht vorhandenen Waggons), dass alle ohne Sitzplatz am nächsten Halt unter Androhung der Räumung durch die Bundespolizei hinaus komplementiert und auf den nächsten Zug verwiesen wurden. Da somit der Zug ja nicht die dafür erforderliche Verspätung gehabt hatte (sondern nur ich, der ich mit selbigem nicht mehr weiterfahren durfte),gab's auch keine Erstattung... An dem Punkt habe ich ermattet aufgegeben.
Bei sowas schreibt man noch mal einen Brief und schildert alles. Man kann sich auch am Zielbahnhof die Verspätung quittieren lassen. Nach meinen Erfahrungen funktioniert das ohne Probleme. Ich hatte unterwegs mal eine Verspätung da wussten die noch nicht mal, wie viel Verspätung auflaufen würde.
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