Verzögerte erste Reise der "Aida mira" "Das ist der Super-GAU"

Dreckige Minibars, fehlendes Mobiliar, schlechter Service: Der Kapitän zog die Konsequenzen und verschob die erste Reise der "Aida mira". Von den Passagieren gibt es deutliche Kritik.

"Aida Mira" in Palma de Mallorca: Außenanstrich ist teils auch nicht fertig
Andrea Warnecke/ DPA

"Aida Mira" in Palma de Mallorca: Außenanstrich ist teils auch nicht fertig


Vor einem Jahr stellte Aida Cruises mit der "Aida nova" das erste LNG-Kreuzfahrtschiff überhaupt in Dienst, jetzt folgte der umgebaute 20 Jahre alte Dampfer "Aida mira". Ihre Gemeinsamkeit: Ihre Jungfernfahrten beziehungsweise erste Reisen konnten nicht wie geplant stattfinden.

Die "Aida nova" hatte dabei allerlei topmoderne Technologie an Bord, die nach Angaben der Werft noch nicht mal Grund für die Verzögerung war. Statt am 2. Dezember 2018 wurde der Neubau 17 Tage später in Dienst gestellt - Passagiere waren bis dahin nicht an Bord. Anders jetzt bei der "Aida mira": Die Gäste des Schiffes, das Platz für bis zu 1700 Passagiere bietet, hatten schon eingecheckt und freuten sich auf eine viertägige Fahrt über Sète und Barcelona zurück nach Mallorca.

Nach dem 20-minütigen Feuerwerk zur Taufe in Palma de Mallorca am Samstagabend zog Kapitän Manuel Pannzek am Sonntag die Notbremse. Als am Nachmittag die Passagiere an Deck das Auslaufen erwarteten, verkündete er über die Bordlautsprecher, dass sein Schiff noch bis Mittwoch in Mallorca bleiben werde - die Jungfernfahrt verzögere sich dadurch.

Duschen der Extreme: Brühheiß oder eiskalt

Es sei nicht gelungen, in allen Bereichen den Aida-Standard in vollem Umfang zu bieten, lautete die Begründung für die Absage. Im Klartext: Das Schiff ist teilweise einfach noch nicht fertig umgebaut.

Das wurde allerdings schon am Samstag rund um die Taufe deutlich. Etliche Bereiche an Bord waren nicht in dem Zustand, wie es Stammgäste von Aida Cruises kennen. Zum Beispiel das Promenadendeck präsentierte sich in einem schlechten Zustand, ebenso das Pooldeck.

In etlichen Kabinen traten Probleme auf, zum Beispiel gab es in den Duschen nur brühendheißes oder aber eiskaltes Wasser, Minibars waren dreckig, Möbel auf den Balkonen fehlten, Getränkespender in den Restaurants funktionierten nicht, Teile des Außenanstrichs waren nicht komplett. Auch der Service präsentierte sich nicht besonders eingespielt.

Die Arbeiten sollen nun in den kommenden Tagen im laufenden Betrieb erfolgen. Die Passagiere können entweder nach Hause reisen oder aber an Bord bleiben - sie bekommen in jedem Fall ihr Geld zurück. Auf Twitter wirbt Aida für ihren Flottenzugang noch mit einem begeisterten Tweet über das Tauffeuerwerk:

Die "Aida mira" ist das 14. Schiff der Aida-Flotte, aber kein Neubau. Im Jahr 1999 wurde sie als "Mistral" für Festival Cruises in Dienst gestellt, zuletzt fuhr sie für das Mutterunternehmen Costa als "Costa neoRiviera".

Für rund 50 Millionen Euro ließ Aida das Schiff in einer Werft in Genua umbauen, um es in der "Selection"-Reihe fahren zu lassen. In dieser waren bislang die drei kleinsten und ältesten Schiffe der Flotte unterwegs: "Aida aura", "Aida vita" und "Aida cara".

Laut dem Nachhaltigkeitsbericht 2019 von Aida Cruises war von den drei Schiffen nur die "Vita" bisher mit dem Abgasreinigungssystem Advanced Air Qualitiy Systems (AAQS) der Carnival Gruppe ausgestattet. Im aktuellen Kreuzfahrtranking des Naturschutzbundes (Nabu) vom August liegen die bisherigen drei "Selection"-Schiffe mit auf dem letzten Platz. Laut einer Stellungnahme von Aida Cruises ist die "Aida mira" allerdings bei ihrem Werftaufenthalt mit dem AAQS nachgerüstet worden.

Aida: Schlechtes Wetter war schuld

Von den ersten Passagieren bekam die Reederei sowohl in sozialen Medien als auch direkt an Bord deutliche Kritik wegen der Verzögerung der Jungfernfahrt zu hören. "Wie kann man nur so ein Schiff der Öffentlichkeit präsentieren, das ist der Super-GAU", hieß es zum Beispiel in einem Kommentar bei Facebook.

Laut der Reederei kam es bei den rund vierwöchigen Umbauarbeiten aufgrund der schweren Unwetter in Norditalien in den letzten Wochen zum Verzug: Bei sintflutartigem Regen hätten in der Werft in Genua vor allem die Arbeiten in den Außenbereichen nicht beendet werden können.

Bis Mittwoch wird die "Aida mira" nun weiter in Palma de Mallorca liegen. Dann soll das Schiff seine erste Reise antreten: eine Überführungsfahrt nach Südafrika, wo im Winter jeweils 14-tägige Kreuzfahrten ab und bis Kapstadt auf dem Programm stehen.

Nicht nur Aida hat bei ihrer "Nova" und "Mira" mit Planungsmängeln zu kämpfen. Die abgesagte Reise reiht sich ein in mehrere Verzögerungen bei der Indienststellung neuer Kreuzfahrtschiffe in den vergangenen Monaten. Auch die "World Explorer" von Nicko Cruises und die "Hanseatic nature" von Hapag-Lloyd Cruises traten verspätet ihre ersten Reisen an. Aktuell gibt es bei der "Costa Smeralda" Verspätungen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version haben wir geschrieben, dass es der "Aida mira" an einem Abgasnachbehandlungssystem mangelt. Das Schiff wurde in der Werft allerdings nachgerüstet, teilte Aida Cruises mit. Diese Stelle im Text haben wir geändert.

abl/dpa



insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
derwahrewutbürger 02.12.2019
1. Wohl kein Premium gebucht?!
Die Gäste können froh sein, dass der Kapitano sie vorab erlöst hat... hat das Schiff mal den Hafen verlassen, dann ist es nämlich schnell mal dahin mit den Service-Legasthenikern von AIDA.... Liebste Antwort: sie haben ja kein Premium gebucht... (Abzocke-Upgrade in der AIDA-Familie)
martinm70 02.12.2019
2. Gut zu wissen, dann warte ich mit der Buchung
Ist doch normal daß am Anfang noch nicht alles glatt läuft, wobei man immer nachfragen muß wer da was kritisiert. Gibt Leute, meistens ältere, die an allem etwas auszusetzen haben. Da ist gleich alles furchtbar dreckig, das Essen schrecklich. Man würde diesen Leuten wünschen sie müßten 1 Monat in Afrika überleben. Und hier nochmal zur Erinnerung bevor die obligatorische Diskussion um die Umwelt wieder anfängt. Es sind 90.000 Schiffe jeden Tag auf den Weltmeeren unterwegs, davon sind 10000 große Container Schiffe und nur 540 Kreuzfahrtschiffe. Die größten Umwelt Katastrophen durch Schiffe wurden bisher durch Öl Tanker verursacht, nicht durch Kreuzfahrtschiffe. Ein Flug in die USA verbraucht doppelt soviel CO2 wie eine siebentätige Kreuzfahrt. Wenn die Schiffs Passagiere alle entscheiden ihre Urlaubsorte per Flugzeug anzusteuern wird das auch nicht besser sein. Wer sich über Kreuzfahrtschiffe aufregt aber trotzdem per Flugzeug reist ist ein Heuchler.
jujo 02.12.2019
3. ....
Akzeptiert, schlechtes Wetter beeinträchtigt die Aussenarbeiten, für Malerarbeiten ist der November denkbar schlecht geeignet. Das Wetter hat aber mit den Schlampereien (verschmutzte Minibars !?) und Verzögerungen im Inneren nichts zu tun
hektor2 02.12.2019
4. Transport
Ich werde wohl nie verstehen, wie man sich freiwillig wie Vieh auf einem Transporter zusammenpferchen lässt. Diese Schiffe sehen ja auch genauso aus.
s.p.igel 02.12.2019
5. In der Umweltbilanz müsste man ...
... ein Kreuzfahrtschiff fairerweise schon mit einer kompletten Kleinstadt vergleichen,mit allem Verkehr, allen Heizungen, Wirtschaftsbetrieben, Kraftwerk und anfallendem Müll. Und so lange die Leute auf dem Schiff sind, können sie auch nicht Auto fahren und ihren Mitmenschen die Abgase direkt ins Gesicht blasen.
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