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19. November 2006, 07:57 Uhr

Vierwaldstättersee

Mondscheinwanderung im Rodelparadies

Wer an Luzern im Winter denkt, kommt nicht automatisch aufs Skilaufen. Das ist ein Fehler, denn die Stadt am Vierwaldstättersee bietet in der kalten Jahreszeit ein Pistenvergnügen der anderen Art: Die Anfahrt zum Berg ist einzigartig – und zur Piste geht es mit dem Boot.

Luzern - Pünktlich um 9.20 Uhr legt das Motorschiff von den Landungsbrücken beim Bahnhof Luzern ab. Der Dampfer gleitet durch klares, eiskaltes Wasser. Es ist Zeit für ein zweites Frühstück an Bord oder einfach einen "Café crème". Nach gut einer Stunde ist Beckenried am Nidwaldner Ufer des Sees erreicht. Nur wenige Schritte sind es bis zur Talstation der Luftseilbahn, die Touristen in zehn Minuten hinauf zum 1620 Meter hoch gelegenen Skigebiet Klewenalp-Stockhütte bringt. Imposant in die Bergwelt der Zentralschweiz eingebettet, erweist es sich als eine interessante Ski-, Snowboard- und Schlittelregion.

Es gibt hier 40 Kilometer präparierte Pisten, auch Tiefschneefans und Tourenskifahrer kommen auf ihre Kosten. Besonderer Beliebtheit erfreut sich das Schlitteln. Die Abfahrt ist mit neun Kilometern die längste der Zentralschweiz und verspricht Rodelvergnügen pur. Von der Bergstation spaziert man bis zum Start des Schlittelwegs mit seiner rasanten Abfahrt. Bei Tannibüel muss eine kleine Anhöhe zu Fuß bewältigt werden, bevor die Schussfahrt an der Talstation des Liftes geht. Dann wandern die Rodler bis Twäregg, um auf der langen Bahn zur Stockhütte und bei guten Schneeverhältnissen bis Emmetten zu rasen.

Das Schlitteln ist kinderleicht und ein Heidenspaß für die ganze Familie. Gelenkt und gebremst wird nur mit den Füßen. Auch Touristen aus Asien, die zum ersten Mal im Leben Schnee sehen, bewältigen die Abfahrt ohne Probleme. Ideale Verhältnisse bietet das Skigebiet Klewenalp-Stockhütte aber auch Wanderern. Die Wege sind den ganzen Winter hindurch geräumt, und immer wieder eröffnen sich schöne Aussichten auf den See und auf die schneebedeckten Berggipfel.

Zwischen Pilatus und Faust Gottes

Tief verschneit ist auch der Hausberg von Luzern, der Pilatus. Stadtführerin Rosemarie Warth empfiehlt den leicht begehbaren Wanderweg von der Krienseregg ins "Holderkäppeli", der noch als ein Geheimtipp gilt und durch eine tief verschneite Winterlandschaft führt. Besonders romantisch sind Mondscheinwanderungen mit Fackeln, zum Aufwärmen gibt es unterwegs einen heißen "Drachenkafi". Und wenn es unten im Tal neblig und grau ist, liegt der Gipfel Pilatus Kulm mit 2132 Metern Höhe meist über dem Nebelmeer. Nach einem Fondue können sich die Gäste, eingewickelt in warme Wolldecken, zu einem erholsamen Sonnenbad in den Liegestühlen der Terrasse niederlassen.

Reisende schwärmen von einem Ausflug zur Rigi, einem Bergmassiv, das wie eine Faust Gottes aus dem winterlichen Nebelmeer ragt und großartige Aussichten auf mehr als 125 andere Alpengipfel ermöglicht. Spannend ist schon die Auffahrt: Unmittelbar neben der Schiffsstation Vitznau am Nordufer des Sees warten die roten Wagen von Europas erster Bergbahn. Bereits seit 1871 zieht sich die Zahnradbahn in 30 Minuten die tausend Meter nach Rigi Kaltbad hoch. Auf der Fahrt schrumpft der Bürgenstock am Südufer, hinter ihm werden die Bergkämme der Berner Alpen und des Titlis sichtbar und treten neben den Pilatus im Westen. Während die Sonne am See Mühe hat, den Nebel zu durchbrechen, taucht sie die 1800 Meter hoch gelegene Landschaft in faszinierendes Licht.

Skisport auf der Rigi gibt es seit 100 Jahren. "1906 wurde die Bergbahn erstmals für die Beförderung von Skiläufern eingesetzt", sagt Stadtführerin Rosemarie Warth. "Allerdings sträubte sich die Bahnverwaltung lange gegen den Winterbetrieb, und erst eine Unterschriftenaktion brachte den Durchbruch. Damals organisierte der Ski Club Luzern den ersten Skikurs auf der Rigi. Zwei schneidige Skilehrer aus Norwegen wurden engagiert, um 140 Teilnehmer im Skilaufen zu unterweisen."

Längst verkehrt die Rigi Bahn regelmäßig in den Wintermonaten, die gesamte Region gilt als Winterwander- und Schlittelparadies. Zwar gibt es auch leichte bis mittelschwere Pisten. Richtig auftrumpfen kann die Rigi aber vor allem mit 35 Kilometern präparierter Winterwanderwege, die auch zu Schneeschuhtouren einladen.

Wer anspruchsvollere Abfahrten sucht, wird rund um den 3020 Meter hohen Titlis fündig. Das Skigebiet ist von Luzern 35 Kilometer entfernt. Die längste Piste führt vom Titlis bis nach Engelberg, wobei auf zwölf Kilometern 2000 Höhenmeter zurückgelegt werden.

Von Detlef Berg, gms

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