Tarifkonflikt Warnstreik sorgt für massive Flugausfälle am Hamburger Flughafen

Rund 50.000 Reisende sind von einem Warnstreik am Hamburger Flughafen betroffen. Mitarbeiter der Gepäck- und Flugzeugabfertigung haben die Arbeit niedergelegt. 220 Flüge fielen am Montag aus.
Ver.di-Mitglieder beim Warnstreik am Montagmorgen in Hamburg

Ver.di-Mitglieder beim Warnstreik am Montagmorgen in Hamburg

Foto: Christian Charisius/ dpa

Ein ganztägiger Warnstreik des Bodenpersonals hat am Montag zu massiven Flugausfällen am Hamburger Flughafen geführt. Bis zum Nachmittag wurden rund 220 von 388 Flügen gestrichen, teilte der Flughafen mit. Ungefähr 12.000 Fluggäste konnten gar nicht fliegen, weitere 50.000 waren von schleppender Abfertigung betroffen.

Mehrere Flüge von und nach Frankfurt und München fielen aus, aber auch andere Verbindungen waren betroffen, zum Beispiel nach Zürich, Wien, Kopenhagen und Stockholm. Der Flughafen rät den Passagieren, ausreichend Zeit einzuplanen und das aufgegebene Gepäck auf ein Minimum reduzieren oder - wenn möglich - nur mit Handgepäck reisen

Von 3 Uhr an legten die Mitarbeiter der Frühschicht ihre Arbeit nieder, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft Ver.di am Montagmorgen. "Das sind aktuell bestimmt 150 Kollegen", berichtete sie. Zwischen 12 und 14 Uhr würden auch die Mitarbeiter der Spätschicht dazustoßen.

Schlange vor der Sicherheitskontrolle am Montagmorgen

Schlange vor der Sicherheitskontrolle am Montagmorgen

Foto: Christian Charisius/ dpa

Den ganztägigen Warnstreik hatte Ver.di erst am Sonntag kurzfristig angekündigt. Grund sei das unzureichende Arbeitgeberangebot in der laufenden Tarifrunde mit dem Arbeitgeberverband Arbeitsrechtliche Vereinigung Hamburg (AVH), hieß es.

Die Gewerkschaft fordert für die fast 1000 Beschäftigten der Bodenverkehrsdienste eine monatliche Tariferhöhung von 275 Euro. Die Bodenverkehrsdienste sind unter anderem für die Flugzeug- und Gepäckabfertigung sowie den Busverkehr zuständig.

"Die Menschen müssen überlegen, wie viel sie für ihr Ticket zahlen"

Der für die Bodenverkehrsdienste am Hamburger Flughafen zuständige Manager Christian Noack attackierte Ver.di wegen des aktuellen Warnstreiks scharf. "Dieser unangekündigte 24-Stunden-Streik ist zum jetzigen Stand der Tarifverhandlungen völlig überzogen und maßlos", sagte er. Die Arbeitgeberseite habe bereits für die nächste Verhandlungsrunde am Montag und Freitag dieser Woche ein überarbeitetes Angebot zugesagt und stehe auch dazu. "Ver.di fordert jedoch mehr, als die Bodenverkehrsdienste in angespannter Marktlage überhaupt erwirtschaften können."

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Das sieht die Gewerkschaft anders. "In den Tarifverhandlungen wurde uns mitgeteilt, dass 140 Euro mehr pro Flieger verlangt werden müsste", sagte die Ver.di-Sprecherin. Bei durchschnittlich 124 Passagieren pro Flug sei das nur etwa ein Euro pro Fluggast, um die Forderungen der Gewerkschaft vollständig erfüllen zu können. "35 Leute sind mit der Abfertigung einer Maschine beschäftigt. Da müssen sich die Menschen auch mal überlegen, wie viel sie für ihr Ticket zahlen", sagte die Ver.di-Sprecherin.

Vor rund zwei Wochen hatte ein Warnstreik des Sicherheitspersonals am Hamburger Flughafen bereits zu erheblichen Beeinträchtigungen geführt.

mmq/jus/dpa
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