Warnstreik Hamburger Airport streicht mehr als 40 Flüge

Ein Warnstreik am Hamburger Flughafen stört den Reiseverkehr - und das mitten in den Schulferien. Ver.di hatte Mitarbeiter der Gepäck- und Flugzeugabfertigung aufgerufen, die Arbeit niederzulegen.

Fluggäste warten am Hamburger Helmut-Schmidt-Airport (Archivfoto)
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Fluggäste warten am Hamburger Helmut-Schmidt-Airport (Archivfoto)


Fluggäste am Airport Hamburg müssen sich an diesem Donnerstag auf erhebliche Einschränkungen im Flugbetrieb einstellen. Nach einem Warnstreikaufruf der Gewerkschaft Ver.di hat der Airport bereits mehr als 40 Flüge gestrichen - 21 ankommende und 21 abgehende. "Wir rechnen mit weiteren Ausfällen", sagte eine Flughafensprecherin am Vormittag.

Die Gewerkschaft Ver.di hat das Bodenpersonal aufgerufen, von 12.30 Uhr an bis Betriebsschluss um Mitternacht die Arbeit niederzulegen. Nach Angaben des Flughafens sind in diesem Zeitraum bislang 251 Flüge geplant, darunter 114 Abflüge und 137 Ankünfte. Fielen sie alle aus, wären davon fast 30.000 Passagiere betroffen, sagte eine Sprecherin.

Zum Warnstreik aufgerufen sind unter anderem die rund tausend Beschäftigten der Gepäck- und Flugzeugabfertigung. Passagiere sollten deshalb ausreichend Zeit einplanen und möglichst nur mit Handgepäck reisen, riet die Sprecherin. "Den erneuten Streik in den Hamburger Schulferien halten wir für verantwortungslos und ungerecht, da er vor allem die jetzt reisenden Familien trifft."

Ver.di gibt an, "im Wesentlichen die Spätschicht aufgerufen" zu haben, um "die Auswirkungen für die Reisenden zu begrenzen". Dieser Auffassung widerspricht die Flughafensprecherin. Familien könnten vom Urlaubsort nicht zurückfliegen, darunter aus Porto (Portugal), Palma de Mallorca (Spanien) und Las Palmas (Spanien). Auch Geschäftsreisende nach Düsseldorf, Köln oder Stuttgart seien betroffen.

Worum es im Tarifstreit geht

Ver.di will mit dem Warnstreik den Druck im laufenden Tarifkonflikt erhöhen. Arbeitgeber und Gewerkschaften wollen nach fünf ergebnislosen Tarifrunden und einem Sondergespräch am 20. März wieder verhandeln. Die Tarife werden in Hamburg für fast tausend Beschäftigte in der Gepäckabfertigung, der Flugzeugreinigung und im Bustransfer vereinbart. Die Dienste sind in der HAM Ground Handling gebündelt.

Die Arbeitnehmervertreter forderten zuletzt eine Tariferhöhung von acht bis zwölf Prozent bei einer Laufzeit von 20 Monaten, sowie angemessenere Zeit- und Schichtzuschläge. Die Arbeitgeberseite hat nach eigenen Angaben eine Lohnerhöhung von 7,0 Prozent angeboten, bei 24 Monaten Laufzeit.

Die Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste wollten am Nachmittag auf dem Hamburger Gänsemarkt vor der Finanzbehörde zusammenkommen, um zu verdeutlichen, dass eine Einigung im Tarifkonflikt mit dem städtischen Unternehmen "vor allem vom politischen Willen der Stadt Hamburg abhängt". Sie ist Mehrheitseignerin des Flughafens.

Anfang Februar hatte ein Warnstreik am Hamburger Flughafen bereits zu erheblichen Beeinträchtigungen geführt.

jus/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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intercooler61 14.03.2019
1. So macht man sich Freunde
Statt zu den Bizniz-Rushhours montags & freitags (wo es im Zweifelsfall die Unternehmen trifft), bestreikt man urlaubende Familien - und beklagt anschließend die bedauerlich schwache Solidarität im Rest der Bevölkerung.
toll_er 14.03.2019
2. Abzug
So, wie die für das Gepäck zuständigen Arbeiter mit dem Ihnen anvertrauten Gut umgehen (12 Flüge, 3 beschädigte Koffer, ein Totalschaden) sollte man denen nicht mehr sondern weniger zahlen. Oder glaubt irgend ein Gutmensch, dass bei 7% mehr Lohn die Koffer besser behandelt werden? Und dann zu diesen Zeiten streiken. Bravo! Ihr habt meine volle Solidarität .
intercooler61 14.03.2019
3. @2. toll_er: If you pay peanuts, you get monkeys
Zitat von toll_erSo, wie die für das Gepäck zuständigen Arbeiter mit dem Ihnen anvertrauten Gut umgehen (12 Flüge, 3 beschädigte Koffer, ein Totalschaden) sollte man denen nicht mehr sondern weniger zahlen. Oder glaubt irgend ein Gutmensch, dass bei 7% mehr Lohn die Koffer besser behandelt werden? Und dann zu diesen Zeiten streiken. Bravo! Ihr habt meine volle Solidarität .
Die Arbeit ist schon hart, und wenn die Leute dafür saumäßig bezahlt werden, sind Motivation und Arbeitsqualität halt entsprechend. Ich hätte kein Problem damit, 20 Euro mehr für ein Eco-Ticket zu zahlen, wenn die wirklich dort unten ankommen - selbst auf die Gefahr hin, dass es nicht sofort auf die Lebenserwartung meiner Koffer durchschlägt. Der Unterbietungswettlauf mit Kampfpreisen ist für alle Beteiligten ruinös, am Ende auch für uns Paxen. Falls Sie Biz oder First fliegen, zahlen Sie natürlich mehr als genug und leiden trotzdem unter den Verhältnissen. Dennoch fände ich einen Streik außerhalb der Ferien sympathischer, weil sich nach meiner Erfahrung ein Geschäftstermin oft leichter umdisponieren lässt als ein langfristig gebuchter Familienurlaub. Tip zum Schluss: Verwenden Sie grobe, aber robuste Softcases. Meiner ist nach 20 Jahren und ca. 40 Flugreisen immer noch einsatzfähig (mit kleineren Blessuren).
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