Ausstand der Lokführer Bahnstreik - auch heute noch Verspätungen

Drei Stunden standen die Züge am Abend still, Zehntausende Fahrgäste waren betroffen. Auch heute Morgen müssen Pendler und Fernreisende noch vereinzelt mit Verspätungen im Bahnverkehr rechnen.

Reisende in Essen: Über 90 Prozent der Güter- und Personenzüge standen zwischen 18 und 21 Uhr still
DPA

Reisende in Essen: Über 90 Prozent der Güter- und Personenzüge standen zwischen 18 und 21 Uhr still


Frankfurt am Main/Berlin - Nach dem bundesweiten Warnstreik bei der Bahn läuft der Zugverkehr in Deutschland nach Angaben der Bahn wieder weitgehend normal. Am Dienstagmorgen habe es kaum noch Beeinträchtigungen gegeben, teilte der Konzern mit. Im Nah- und Fernverkehr sei nur noch mit geringfügigen Verspätungen zu rechnen.

Im Fernverkehr sei mit geringen Teilausfällen zu rechnen, da einige Züge nicht rechtzeitig zum Startbahnhof gekommen seien, hatte der Konzern in der Nacht mitgeteilt. Vor allem in Baden-Württemberg könne es noch Einschränkungen im Regionalverkehr geben. (Aktuelle Informationen zur Verkehrslage bei der Deutschen Bahn erhalten Fahrgäste hier oder unter der kostenpflichtigen Service-Nummer 0180-6996633.)

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hatte am Montag ein neues Tarifangebot der Bahn abgelehnt und ihre Mitglieder zu einem bundesweiten dreistündigen Warnstreik im Personen- und Güterverkehr aufgerufen. Pünktlich zum Feierabend standen "über 90 Prozent" der Güter- und Personenzüge zwischen 18 und 21 Uhr still.

Insbesondere waren die S-Bahnen in Berlin, Hamburg, Hannover, Frankfurt am Main, München und Stuttgart sowie in Nordrhein-Westfalen betroffen. Berufspendler und Fernreisende mussten stundenlang in Zügen oder auf Bahnhöfen ausharren, teilte die Deutsche Bahn am späten Abend mit. In den Hauptbahnhöfen Hamburg und Hannover sei zeitweise der gesamte Zugverkehr zum Erliegen gekommen. Im bundesweiten Schienengüterverkehr waren den Angaben zufolge rund 50 Züge im Ausstand.

Die Bahn sprach von Zehntausenden betroffenen Fahrgästen. Das Unternehmen warf der GDL wegen der Einbeziehung des Personenverkehrs "Foulspiel" vor. DB-Personalvorstand Ulrich Weber sprach von einer grobe Täuschung. Anders als angekündigt sei nicht der Güterverkehr, sondern vor allem der Personenverkehr von den Arbeitsniederlegungen betroffen gewesen.

Verkehrslage in Deutschland
Bahn-Unternehmen
Die Deutsche Bahn informiert auf dieser Seite sowie unter der kostenpflichtigen Telefonnummer 0180-6996633 über kurzfristige Verkehrsbehinderungen im Regional- und Fernverkehr. Die kostenlose Hotline mit der Nummer 08000-996633 ist nur in Sonderfällen geschaltet. Die Web-Seiten der sechs privaten Bahnunternehmen:

Abellio
Arriva
Benex
Hessische Landesbahn
Keolis
Veolia Verkehr
Straßenverkehr
Gezielt können Autofahrer Autobahnen, Strecken und Orte nach Staus und Baustellen abfragen unter:

ADAC
Verkehrsinformation.de
Flughäfen
Fluglinien
Aktuelle Informationen über Verspätungen und Flugausfälle geben die Airlines auf diesen Websites bekannt:

Air Berlin Air France
British Airways
Condor
Germanwings
Iberia
Lufthansa
Ryanair
SAS Scandinavian Airlines
Southwest Airlines
Tuifly
United Airlines

GDL spricht von weiteren Streiks

GDL-Chef Claus Weselsky bereitete die Bahnfahrer auf weitere Behinderungen vor: "Wir gehen davon aus, dass wir eventuell noch ein, zwei Warnstreiks durchführen." Sollte die Bahn nicht einlenken, würde parallel über einen Dauerstreik abgestimmt.

Die Gewerkschaft verlangt fünf Prozent mehr Lohn, die Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf 37 von 39 Stunden sowie bessere Schichtpläne. Kern des Konflikts ist aber, dass die GDL dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Diese will die größere Konkurrenzgewerkschaft EVG weiter vertreten. Zudem hat die EVG im Gegenzug angekündigt, nun für die gesamte Bahn-Belegschaft inklusive Lokführer verhandeln zu wollen. Dabei geht es um rund 160.000 Beschäftigte.

Vom Streik betroffene Kunden der Deutschen Bahn können ihre Fahrkarte und Reservierung in den Reisezentren oder DB Agenturen kostenlos erstatten lassen, teilte die Bahn mit.

Auch im Tarifkonflikt bei der Lufthansa müssen Reisende weiter mit Streiks rechnen. Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg bekräftigte zwar am Montag, es werde keine zeitgleichen Streiks von Piloten und Lokführern geben. "Wir wollen Deutschland nicht lahmlegen." Er ließ aber offen, wann die Piloten ihre Arbeit wieder niederlegen wollen. Dies werde den Flugpassagieren rechtzeitig mitgeteilt. Bei der Lufthansa sagte eine Sprecherin: "Uns ist keine neue Streikankündigung bekannt." Von Streiks könnten auch die Mutter Lufthansa und deren Frachttochter Cargo betroffen sein.

heb/dpa/Reuters



insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
Despair 02.09.2014
1. Unverschämt
Nicht nur, dass dieser Streik vollkommen unverhältnismässig war (da er hauptsächlich geführt wurde, um den Einflussbereich der GDL zu erhöhen sollte sogar überprüft werden, ob er überhaupt rechtens war) es ist auch unglaublich mit welcher Unverschämtheit einem die Zugführer begegnen. Breit grinsend verkündete uns gestern einer dieser politisch Streikenden, dass seine SBahn natürlich nicht fährt (trotz anders lautender Anzeige - auf die sich die meisten Reisenden verlassen haben). Es war ihm sichtlich ein Genuss die Menschen zu ärgern.
bunje 02.09.2014
2.
Habe ich das richtig verstanden das der Hauptgrund für gestern ist das sich eigentlich nur 2 Gewerkschaften zanken?
donjunta 02.09.2014
3. Erpressung
Diesen assozialen Partikularewerkschaften sollte ebdlich das Handwerk gelegt werden
OBender 02.09.2014
4.
Die Terrorvereinigung GDL sollte verboten werden.
bekserg 02.09.2014
5.
Schon wieder die Erpresser.
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