Wellness Süße Träume im Schokobad

Bäder in Kakaomasse machen nicht nur Starlets berühmt, sie sind auch Balsam für die Seele. Erholungszentren in aller Welt bieten süße Körperkuren ohne Sünde.
Von Hilke Maunder

In der neuen Wellness-Oase des Hotels Hershey, für 14 Millionen Mark am gleichnamigen Firmensitz in Pennsylvania jüngst eröffnet, löst eine Mitarbeiterin 30 Milligramm Kakaopulver - ungesüßt - im heißen Wasser auf. Dann folgen 79 Milligramm Magermilch-Trockenpulver, bis üppiger Schokoschaum die Wanne bedeckt. Die Dame legt ein Kissen für den Kopf bereit, zündet ein Kerze an, und binnen Sekunden füllt sinnlich-schwerer Duft von frisch geröstetem Kakao die Luft. 25 Minuten lang darf sich die nächste Badende für 45 Dollar in diesem "Whipped Cocoa Bath" süßen Träumereien hingeben - und dabei kleine "Hershey Kisses" und andere Pralinen auf der Zunge zergehen lassen.

Ein längeres Vergnügen bietet die beliebte "Chocolate Escape": Für die rund dreistündige Schokoladentherapie mit Kakao-Schaumbad, Schokoladen-Fondue-Wickel und anschließender Ganzkörpermassage, sind allerdings auch mehr als 500 Mark zu zahlen. Bei der "Chocolate Mud Therapy" dagegen wird der Körper von 210 Düsen an sechs Stellen gezielt mit einem nassen Mix - gewonnen aus dem Wasser europäischer Moore, versetzt mit heißer Schokolade - 25 Minuten lang intensiv abgespritzt. Die Schokodusche weckt süße Kindheitserinnerungen, glauben die Therapeuten im Entspannungszentrum des amerikanischen Schoko-Marktführers Hershey: "Sicherlich denken Sie daran, wie Sie als Kind im Matsch spielten - und sich hinterher daheim bei heißem Kakao wieder aufwärmten," mutmaßt der Werbeflyer. Die Milch der Kühe, die auf den fetten Weiden Pennsylvanias grasen, soll die Haut wieder so weich wie in Kindertagen machen.

Um die gesundheitsfördernde Wirkung von Sahne und Milch wussten bereits die alten Ägypter. Heute gehören "Kleopatra-Bäder" - warme Bäder oder Wickel mit einem Zusatz von Sahne oder Milch - zum Standard der Kurhäuser weltweit. Im deutschsprachigen Raum präsentiert sich dieses Power-Pack für die Haut ländlich-rustikal. Auf der Ostseeinsel Rügen wie auch im österreichischen Rogner-Bad Blumau setzen die Bademeister auf Stutenmilch. Opulenter geht es bei den eigentlich als sparsam verrufenen Schwaben zu: In der Stuttgarter Schwabenquelle wird der Gast zunächst mit einer Lotion aus Stutenmilch, Molke und Honig eingesalbt, ehe ein Rosenöl-Sprudelbad die Sinne betört.

Weniger verbreitet ist hingegen das Wissen um die Wirkung von Milchreis. "Njavarakizihi" nennt das Mandarin Oriental Hotel Ananda zu Füßen des Himalayas seine besondere Behandlung, bei der der gesamte Körper mit kleinen Leinenbeuteln abgerubbelt wird, in denen warmer Milchreis steckt - so lange, bis der Besucher kräftig schwitzt. Wer hingegen unter Schlaflosigkeit oder Depressionen leidet, wird mit "Thakradarahara" kuriert. Dabei fließt ein steter Strahl kühler Buttermilch über die Stirn. Als wahre Nervennahrung entpuppt sich die geklärte Butter "ghee", knapp 30 Minuten als "Tharpanam" zur Kühlung auf beide Augen aufgetragen.

Ebenfalls etwas für Naschkatzen sind die Wellness-Angebote auf Hawaii. Die Inseln im Pazifik präsentieren dem entspannungswilligen Kunden ein Schlaraffenland, in dem Milch und Honig nur so fließen. Beim so genannten Ali'i Honey Steam Wrap wird das Schwitzen im Dampfbad mit einer dicken Packung aus Honig versüßt. Im Grand Wailea Resort auf Maui kostet die Therapie 102 Dollar.

In den Südstaaten dagegen sind die Erholungsangebote eher "hot & spicy" wie die Küche. Zum Beispiel das "Barbecue Wrap" in Texas: Die scharfe Session im Crescent Court Hotel von Dallas beginnt mit einem Bad à la Bacchus - aus unzähligen Jet-Düsen massiert frischer Cabernet-Wein mit starken Strahlen den Körper. So gereinigt, macht ein hausgefertigtes Peeling aus Maismehl und Ananasstückchen den Körper aufnahmebereit fürs große Fressen: Wie ein fettes Stück Fleisch wird der Gast von Kopf bis Fuß zentimeterdick mit einer feuerroten Packung aus Tomatenmark, Gewürze, Cayennepfeffer, Limettensaft und Honig "mariniert". Frisch gepresstes Öl aus den Kernen schwarzer Johannisbeeren macht die 95-Dollar-Masse streichfähig. In Plastikfolie gewickelt, ist der Gast nach 30 Minuten "gar", die Seele satt, der Körper nun erst richtig hungrig. Wie gut, dass das Fünfsternehotel mitten in der City liegt, umgeben von zahlreichen Steakhäusern.

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