Wellness-Trends Entspannen mit Tai Chi und Thalasso

Die graue Winterzeit ist vorbei: Körper und Seele verlangen nach Streicheleinheiten, wie sie auf den Massagebänken von Wellnesstempeln verabreicht werden. Die Ansprüche der Erholungssuchenden an die Anbieter sind allerdings gestiegen.


Therme Vita Classica in Bad Krozingen: Pompöse Bäderachitektur ist out, asiatischer Minimalismus ist in
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Therme Vita Classica in Bad Krozingen: Pompöse Bäderachitektur ist out, asiatischer Minimalismus ist in

Düsseldorf - "Es genügt nicht mehr, ein Wellnessfähnchen vor die Tür zu hängen", sagt Gerd Hübinger vom Verbund der Wellness-Hotels-Deutschland in Düsseldorf. Die Deutschen haben inzwischen ihre Erfahrungen mit der aus den USA importierten Bewegung: Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem in die Infrastruktur der Bade- und Saunalandschaften investiert wurde, rücken nun andere Faktoren ins Blickfeld: "Es wird etwa erwartet, dass die Häuser auch eine gesundheitsbewusste Küche vorhalten", so Hübinger. Vor allem scheinen sich die Kunden aber darauf zu besinnen, dass Wellness ursprünglich nicht dem Faulenzen, sondern der Gesundheitsvorsorge dienen sollte. Im Trend liegen Angebote, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen passiver und aktiver Entspannung bieten und auch die medizinische Betreuung nicht vernachlässigen.

Da Wellness aber nur funktioniert, wenn sie Spaß macht, muss der Eigenanteil attraktiv verpackt werden. Gefragt sind Trendsportarten wie Mountainbiking oder fernöstliche Entspannungstechniken wie Tai Chi, das chinesische Schattenboxen. In gehobenen Anlagen gehört es inzwischen zum guten Ton, dass den Gästen während ihres Aufenthalts ein persönlicher Coach zur Seite steht und ein Trainingsprogramm auf den Leib schreibt.

Aus dem Alltag träumen: Passive und aktive Entspannung sollten sich abwechseln
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Aus dem Alltag träumen: Passive und aktive Entspannung sollten sich abwechseln

Angebote mit fernöstlichem Touch sind auf dem Wellness-Markt seit einiger Zeit Selbstläufer. Orientierten sich Thermen in den neunziger Jahren an der Prachtentfaltung römischer Kaiser oder türkischer Sultane, so ist in der Bäderarchitektur derzeit asiatischer Minimalismus angesagt. Das zeigt sich zum Beispiel im Schwarzwälder Kurort Bad Krozingen, wo der pompösen Therme Vita Classica ein strenges Wohlfühlhaus mit japanischer Abteilung zur Seite gestellt wurde. "Ein edles, reduziertes Ambiente entspricht ja auch dem aktuellen Einrichtungsgeschmack der Trendsetter", weiß Hübinger.

Unter den Anwendungen erfreuen sich Ayurveda und Thalasso besonderer Beliebtheit, was innerhalb der Branche nicht nur auf Zustimmung stößt. Für Lutz Hertel, den Vorsitzenden des Deutschen Wellness Verbandes (DWV) in Düsseldorf, handelt es sich dabei um reine "Lifestyle-Angebote", die um alle unangenehmen Elemente der jeweiligen Therapieform bereinigt seien. Gerd Hübinger vom Hotelverbund stößt sich daran, wenn etwa die Meeresalgen-Therapie Thalasso künstlich ins mitteleuropäische Hinterland verpflanzt wird.

Wellness soll nicht dem Faulenzen, sondern der Gesundheitsvorsorge dienen
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Wellness soll nicht dem Faulenzen, sondern der Gesundheitsvorsorge dienen

Wer nach dem geeigneten Wellnesstempel für die eigenen Bedürfnisse sucht, muss sich über diese zunächst Klarheit verschaffen. Während Frauen oft Wert auf einen professionellen Beauty-Bereich legen, interessieren sich Männer eher für die Ausstattung des Fitnessraums und die Angebote an Outdoor-Aktivitäten. Aufschluss gibt ein gründliches Studium der Prospekte. "Man sollte aber auch auf jeden Fall nach der Qualifikation des Personals fragen", rät Hertel.

Wer es einrichten kann, sollte seinen Wellness-Aufenthalt nach Empfehlung des DWV zudem nicht auf das Wochenende legen. Dann herrsche in den Anlagen oft kontraproduktive Unruhe. Ohnehin bringe eine aufgelockerte Wellness-Woche mehr als ein hektisches Wellness-Wochenende. Weniger ist mehr - wer dieses Prinzip beherzigt, ist der ersehnten Entspannung schon ein gutes Stück näher gekommen.

Von Tobias Wiethoff, gms



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