Welterbestadt Schibam im Jemen Selbstmordattentäter tötet vier Touristen

Vier Südkoreaner und ein Einheimischer sind bei einem Selbstmordattentat im Jemen gestorben. Die Touristen wollten den Sonnenuntergang über der Unesco-geschützten Lehmstadt Schibam fotografieren. Der Attentäter soll noch keine 18 Jahre alt gewesen sein.


Sabaa - Im Jemen hat am Sonntag ein Selbstmordattentäter vier südkoreanische Touristen und einen einheimischen Reiseführer mit in den Tod gerissen. Vorläufige Untersuchungen hätten ergeben, dass ein Attentäter mit einer Sprengladung am Gürtel den Anschlag verübt habe, sagte am Montag ein Informant aus Sicherheitskreisen in der Hauptstadt Sanaa. "Das ist ein Markenzeichen von al-Qaida." Die Provinz Hadramaut im Südosten des Landes, wo sich der Anschlag auf die 17-köpfige Reisegruppe aus Südkorea ereignete, gilt als Hochburg des Terrornetzes al-Qaida.

Bei der Leiche des Attentäters sei eine Videobotschaft gefunden worden, zitierte die offizielle jemenitische Agentur Saba den Polizeichef der Provinz, Hamid al-Churaschi. Der Attentäter sei unter 18 Jahre alt gewesen. Fünf weitere Südkoreaner und drei Jemeniten wurden laut Saba bei dem Anschlag verletzt. Bei den südkoreanischen Todesopfern handelte es sich um zwei Männer und zwei Frauen.

Die Reisegruppe befand sich in der Nähe der historischen Stadt Schibam, als der Sprengsatz detonierte. Nach Angaben des südkoreanischen Außenministeriums wollten die Touristen den Sonnenuntergang über dem berühmten Ort fotografieren. Zwölf Mitglieder der südkoreanischen Reisegruppe verließen unterdessen den Jemen. Augenzeugen am Flughafen von Sanaa sagten, unter den Südkoreanern seien zwei Frauen mit sichtbaren Verletzungen gewesen.

Das Innenministerium in Sanaa teilte derweil mit, in der südlichen Provinz Tais sei ein mutmaßlicher saudi-arabischer Qaida-Terrorist verhaftet worden. Der Name von Abdullah Abdurrahman Mohammed al-Harbi steht auf der Liste der 85 gefährlichsten Terroristen Saudi-Arabiens. Laut dem Tourismusministerium sollten nach dem Anschlag keine Reisetouren abgesagt, die Sicherheitsvorkehrungen aber verstärkt werden.

Das zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Schibam in der Provinz Hadramaut ist auch als "Hochhausstadt oder Manhattan der Wüste" bekannt. Auf einer kleinen Fläche stehen etwa 500 eng aneinandergebaute Lehmziegelhäuser, die bis zu 29 Meter hoch sind. Ein Hochwasser hatte im Oktober mehrere Gebäude zum Einsturz gebracht.

Zahl deutscher Besucher hat sich verdoppelt

Touristen sind im Jemen häufig Opfer von Überfällen und Entführungen. Mehrere deutsche Staatsangehörige wurden im Dezember 2008 und im Januar 2009 kurzzeitig entführt. Im Januar 2008 geriet eine belgische Reisegruppe im Wadi Hadramaut in einen Hinterhalt. Zwei Belgierinnen sowie ein Reiseführer und ein Chauffeur starben. Im Juli 2007 kamen bei einem Selbstmordattentat auf eine spanische Reisegruppe sieben spanische Touristen ums Leben.

Zu den beiden tödlichen Angriffen bekannte sich die Gruppe Soldaten des Jemen, ein Ableger des Terrornetzwerkes al-Qaida. Aus einem im Januar veröffentlichten Video der Qaida-Anführer im Jemen geht hervor, dass die Terrorzellen im Jemen und im benachbarten Saudi-Arabien inzwischen eng zusammenarbeiten. Die Ahnen von Qaida-Chef Osama bin Laden stammen aus dem Jemen.

Der Jemen erlebte im vergangenen Jahr trotz der Reihe von Anschlägen und Entführungen Zuwächse bei den Besuchern. In das Land, in dem die Tourismusbranche eine der wichtigsten Einnahmequellen darstellt, reisten 2008 laut dem Tourismusministerium insgesamt 6,6 Prozent mehr Gäste als im Vorjahr. Die Zahl der Europäer stieg um sieben Prozent. Die Zahl der deutschen Jemen-Reisenden verdoppelte sich sogar, von 2551 auf 5477 Touristen.

abl/dpa/AFP/AP



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