Welterbestadt Schibam Vier Touristen sterben bei Anschlag im Jemen

Sie wollten den Sonnenuntergang über der berühmten Lehmstadt fotografieren: Vier südkoreanische Touristen und ein einheimischer Reiseführer sind bei einer Bombenexplosion im jemenitischen Schibam gestorben. Ein mutmaßlicher Terrorist wurde verhaftet.


Sanaa - Die vier südkoreanischen Touristen, zwei Frauen und zwei Männer, starben sofort, als der Sprengsatz am Sonntag in der Nähe der Weltkulturerbestadt Schibam detonierte. Ihr einheimischer Reiseführer erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen, wie das jemenitische Innenministerium am Montag mitteilte.

Außerdem wurden fünf weitere Touristen der südkoreanischen Reisegruppe und ein Jemenit verletzt. Die Reisenden standen zum Zeitpunkt der Explosion auf einem Hügel, um Schibam im Sonnenuntergang zu fotografieren. Inzwischen haben zwölf Mitglieder der Gruppe am Montag den Jemen verlassen. Augenzeugen am Flughafen der Hauptstadt Sanaa sagten, unter den Südkoreanern seien zwei Frauen mit sichtbaren Verletzungen gewesen.

Das Innenministerium teilte mit, in der südlichen Provinz Taiz sei ein mutmaßlicher saudischer al-Qaida-Terrorist verhaftet worden. Der Name von Abdullah Abdurrahman Mohammed al-Harbi steht auf der Liste der 85 gefährlichsten Terroristen Saudi-Arabiens. Laut dem Tourismusministerium sollten nach dem Anschlag keine Reisetouren abgesagt, die Sicherheitsvorkehrungen aber verstärkt werden.

Während die Regierung von einem Anschlag ausgeht, wollte ein Mitarbeiter der lokalen Sicherheitsbehörden eine andere Ursache am Sonntag noch nicht ausschließen. Wie er der Nachrichtenagentur Reuters sagte, sei es auch möglich, dass Sprengstoffreste einer Mine detoniert seien. Der Vorfall werde geprüft.

Das zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Schibam in der Provinz Hadramaut ist auch als "Hochhausstadt oder Manhattan der Wüste" bekannt. Auf einer kleinen Fläche stehen etwa 500 eng aneinandergebaute Lehmziegelhäuser, die bis zu 29 Meter hoch sind. Ein Hochwasser hatte im Oktober mehrere Gebäude zum Einsturz gebracht.

Zahl deutscher Besucher hat sich verdoppelt

Touristen sind im Jemen häufig Opfer von Überfällen und Entführungen. Mehrere deutsche Staatsangehörige wurden im Dezember 2008 und im Januar 2009 kurzzeitig entführt. Im Januar 2008 geriet eine belgische Reisegruppe im Wadi Hadramaut in einen Hinterhalt. Zwei Belgierinnen sowie ein Reiseführer und ein Chauffeur starben. Im Juli 2007 kamen bei einem Selbstmordattentat auf eine spanische Reisegruppe sieben spanische Touristen ums Leben.

Zu den beiden tödlichen Angriffen bekannte sich die Gruppe Soldaten des Jemen, ein Ableger des Terrornetzwerkes al-Qaida. Aus einem im Januar veröffentlichten Video der al-Qaida-Anführer im Jemen geht hervor, dass die Terrorzellen im Jemen und im benachbarten Saudi-Arabien inzwischen eng zusammenarbeiten. Die Ahnen von al-Qaida-Chef Osama bin Laden stammen aus dem Jemen.

Der Jemen erlebte im vergangenen Jahr trotz der Reihe von Anschlägen und Entführungen Zuwächse bei den Besuchern. In das Land, in dem die Tourismusbranche eine der wichtigsten Einnahmequellen darstellt, reisten 2008 laut dem Tourismusministerium insgesamt 6,6 Prozent mehr Gäste als im Vorjahr. Die Zahl der Europäer stieg um sieben Prozent. Die Zahl der deutschen Jemen-Reisende verdoppelte sich sogar, von 2551 auf 5477 Touristen.

abl/AFP/AP/Reuters/dpa



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