Weltraumtourismus Milliardär Simonyi macht's noch mal

Kurzurlaub für 35 Millionen Dollar: In Baikonur ist die Trägerrakete gestartet, die Charles Simonyi zur Raumstation ISS bringt. Der US-Milliardär ist der erste Weltraumtourist, der seine Reise wiederholt.


Baikonur - Er hat es seiner Frau versprochen: Die zweite Reise wird die letzte sein. Kurz vor dem Start am Donnerstagmittag gab's einen letzten Kuss auf die trennende Glasscheibe. Pünktlich um 12.49 Uhr hob die Sojus-Rakete vom Kosmodrom Baikonur in Kasachstan ab. Nicht nur seine 28-jährige Frau wird er vermissen - besonders fehle ihm dort oben ein frischgezapftes Bier, hatte Simonyi vor dem Start gesagt.

Ansonsten wird es sich der US-Milliardär auch diesmal im Weltraum gut gehen lassen - schließlich bezahlt er für den zweiten Trip ins All 35 Millionen Dollar (etwa 27 Millionen Euro) und damit 10 Millionen mehr als beim ersten Mal. Simonyi war 2007 schon einmal zahlender Gast an Bord der Internationalen Raumstation ISS. Er ist der erste Tourist, der die Reise ins All zum zweiten Mal antritt. Diesmal mit dem Russen Gennadi Padalka und dem US-Astronauten Michael Barrett. Am 7. April soll Simonyi wieder auf die Erde zurückkehren.

Als er mit 13 Jahren einen Schülerwettbewerb gewann, hieß Charles noch Karoly. Zur Belohnung durfte der Sohn eines ungarischen Elektroingenieurs damals nach Moskau reisen und dem Kosmonauten Pavel Popovich die Hand schütteln. Eine folgenreiche Begegnung: Kosmonaut wurde Simonyi nicht, aber reich. Und das sollte 45 Jahre später genügen, um den Kindheitstraum vom Weltraumflug wahr werden zu lassen.

Zunächst arbeitete Simonyi in Dänemark als Programmierer. In Berkeley studierte er Mathematik, in Stanford promovierte er im Fach Informatik. Als Charles Simonyi Anfang der Achtziger als einer der ersten Angestellten von Microsoft-Gründer Bill Gates Aktienpakete erhielt, hatte er ausgesorgt. Der Traum von der Reise ins All war finanziell möglich geworden.

Womöglich ist der 60-Jährige der letzte Privatmann, der mit einer russischen Rakete zur ISS fliegt. Denn die ständige Besatzung der Raumstation soll demnächst auf sechs Mann erhöht werden - dann wird es zu eng für Touristen. Dabei hatte die Besatzung Simonyi auf seinem ersten Trip noch besonders verwöhnt: Auf dem Speiseplan stand geröstete Wachtel in Madeirasoße, Entenbrustconfit und Reispudding mit kandierten Früchten - versiegelt in Aluminiumschachteln. Ob es ähnliche kulinarische Höhepunkte auch diesmal gibt? Fest steht nur: Es gibt kein frisches Bier auf der ISS.

abe/Reuters



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