Zehn Jahre nach der Concorde Richard Branson plant Highspeed-Flugzeug

In zweieinhalb Stunden von London nach Sydney - seit dem letzten Flug des britisch-französischen Überschalljets Concorde warten Flugzeugfans auf solche Versprechen. Der britische Milliardär Richard Branson kündigt nun einen superschnellen Sechssitzer an.

REUTERS

Hannover - Eine Luftfahrtära ging zu Ende am 24. Oktober 2003 in London: Es war der Tag der letzten kommerziellen Landung einer Concorde. Die Betreiber British Airways und Air France verbannten ihre legendären Überschall-Jets nach knapp drei Jahrzehnten Dienst ins Museum. Eine Flugreise in dreieinhalb Stunden von Europa nach New York wurde damit wieder zum unerreichten Traum für den internationalen Jetset und die Top-Manager dieser Welt. Die Superschnellflüge fehlen seitdem im globalen Passagiertransport.

Die großen Flugzeugbauer arbeiten zwar an neuen Projekten, doch bislang ohne Erfolg. Nun kündigt der britische Unternehmer Richard Branson eine Art Concorde-Nachfolger an. Branson, der seit 2004 das Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic betreibt, will eins seiner Raumschiffe für den herkömmlichen Flugverkehr umbauen. Dieses würde die Distanz zwischen London und Sydney in nur noch zwei bis zweieinhalb Stunden überwinden - zum entsprechenden Ticketpreis.

Branson will auf dieser Route sein "Space Ship Two" fliegen lassen, das sich derzeit noch in der Entwicklung befindet. Auf seinem Weg soll es die Erdatmosphäre verlassen und ein Tempo von 6700 km/h erreichen.

Schon fürs nächste Jahr ist der Einsatz des "Space Ship Two" im Weltraumtourismus geplant. Rund 180.000 Euro soll ein Flug in dem sechssitzigen, raketenbetriebenen Raumfahrzeug kosten. Geplant ist, bis in 100 Kilometer Höhe zu steigen, um Passagieren ein paar Minuten lang das Gefühl von Schwerelosigkeit und einen grandiosen Ausblick zu bieten. Zu den Plänen von Virgin Galactic zählen auch längerfristige Ausflüge in den Weltraum, zum Beispiel in fliegenden Orbit-Hotels.

EADS forscht an Öko-Concorde

Schneller und höher werden vorerst also nur die Superreichen fliegen. Ein kommerzielles Flugzeug für größere Passagierzahlen wie die Concorde sei nicht in Sicht, sagt Sébastien Remy, der Entwicklungschef von Europas größtem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Seit 2006 arbeiten seine Ingenieure im Auftrag von Franzosen und Japanern am ZEHST-Projekt - einer Art Öko-Concorde mit vierfacher Überschallgeschwindigkeit.

Doch Remy gibt zu: "Wir befinden uns noch immer in der Forschungsphase, die technischen Herausforderungen sind bislang nicht gelöst." Zudem dürfte es ähnlich wie bei der Concorde ohne internationale Partnerschaft kaum gehen - ein solches Projekt lässt sich nur mit vereinten Kräften stemmen. Die Entwicklungskosten liegen laut Schätzungen in zweistelliger Milliardenhöhe, und Investoren fehlen.

"Die Linienfluggesellschaften reißen sich ja überhaupt nicht um so einen Hightech-Flieger - selbst die arabischen Airlines nicht", sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Cord Schellenberg. Zudem sieht er den Markt weggebrochen: "Die Kundschaft hat sich geändert, die Schönen und Reichen haben längst andere neue Spielzeuge gefunden."

Sie gönnen sich heute eher eine Superyacht. Solch individuellen Luxus bot die Concorde selbst zu ihren besten Zeiten nur begrenzt. Es waren Geschwindigkeit und Exklusivität, die sie attraktiv machten. Damit stellte sie alle Gesetze der Wirtschaftlichkeit auf den Kopf.

Der Absturz einer Concorde am 25. Juli 2000 bei Paris mit insgesamt 113 Toten, darunter 97 Deutschen, hatte zwar spektakulär den Beginn vom Ende der "Donnervögel" bedeutet. Doch bereits zuvor hatte es Debatten gegeben, ob die hohen Kosten der Concorde zu rechtfertigen seien.

dpa/bon



insgesamt 23 Beiträge
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vantast64 23.10.2013
1. Genau das hat die Welt gebraucht,
daß Millionäre in den Himmel fliegen und Lärm,Abfall und Giftgase hinterlassen, der dann wenigstens allen daheimgebliebenen zugute kommt. Wenn sie sonst nichts zum Spielen haben, auf Kosten aller.
Layer_8 23.10.2013
2. X15
Zitat von sysopREUTERSIn zweieinhalb Stunden von London nach Sydney - seit dem letzten Flug des britisch-französischen Überschalljets Concorde warten Flugzeugfans auf solche Versprechen. Der britische Milliardär Richard Branson kündigt nun einen superschnellen Sechssitzer an. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/weltraumtourismus-pionier-richard-branson-baut-concorde-nachfolger-a-929470.html
Gabs sowas nicht schonmal vor 50 Jahren? Die NASA hatte das doch schon vorgemacht. Prima Testgerät, erstmal bemannte ballistische Flüge (Mach 7 und 100km Höhe), bevor es dann kurz danach zu richtigen Raumflügen (damals "Mercury") kam.
tailspin 23.10.2013
3. Warteschlangen zum Blitzflug
Zitat von sysopREUTERSIn zweieinhalb Stunden von London nach Sydney - seit dem letzten Flug des britisch-französischen Überschalljets Concorde warten Flugzeugfans auf solche Versprechen. Der britische Milliardär Richard Branson kündigt nun einen superschnellen Sechssitzer an. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/weltraumtourismus-pionier-richard-branson-baut-concorde-nachfolger-a-929470.html
In zwei Stunden London -Sydney. Unbedingt 1.5 Stunden vor Abflug einplanen fuer die Warteschlangen beim Einschecken und der Security Control. Und bei der Ankunft eine Stunde fuer die Warteschlangen zur Pass- und Zollkontrolle sowie der Gepaeckabholung. Das Groundhandling dauert laenger als der Interkontinentalflug. Da ist noch Raum fuer Verbesserung.
Marc Anton 23.10.2013
4. natürlich,
der erste Beitrag war ein auf Sozialneid und erhobenen Bessermenschenfinger ausgerichteter Beitrag. Denken Sie doch einfach mal weiter: Nur so entwickelt sich Technik weiter. Eines Tages wird es auch uns Normalos möglich sein, innerhalb eines Essens und einer Zeitung in NEW York zu sein - und mal ehrlich: wessen Kindheitstraum ist es nicht, einmal die Welt von oben zu sehen?
eule_neu 23.10.2013
5. Spielzeug für Millardäre
Welcher Aufwand für sechs Passagiere, aber so kommt wenigstens wieder Geld in die Tasche der Flugzeugentwickler. Vielleicht entwickelt auch dieser Milliardär dann neue BH's wie Howard Hughes ...
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