Weltumrundung im Jet Vulkanausbruch gefährdete Rekordversuch

Nach dem Vulkanausbruch auf Island ist der Luftraum über der Insel wieder freigegeben. Verletzte oder Tote gab es trotz gewaltiger Lavafontänen nicht. Ärgerlich war der Ausbruch für ein paar wagemutige Flieger: Die Eruption hat ihren Versuch, die Erde in Rekordzeit zu umrunden, beinahe zunichte gemacht.

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Reykjavík - Für Riccardo Mortara und Flavien Guderzo hat sich der Vulkanausbruch auf der Atlantikinsel Island beinahe als ganz persönliche Tragödie erweisen - allerdings nicht wegen eines Risikos für Leib und Leben. Mortara und Guderzo waren in diesen Tagen dabei, mit einem historischen Flugzeug um die Welt zu rasen, sie wollen Steve Fossetts Rekord für die schnellste Weltumrundung im Flugzeug brechen. Und am besten auch noch den des Profigolfers Arnie Palmer, der die Welt schon 1976 in einem Learjet 36 in 57 Stunden, 25 Minuten und 42 Sekunden umrundet hatte.

Um Fossett zu schlagen, mussten sie ihre Strecke - von Genf nach Genf, einmal ostwärts rund um den Globus - in weniger als 67 Stunden zurücklegen. Palmers Flugzeug gehört einer leichteren Klasse an als ihr 29 Jahre alter Sabreliner-65-Jet, aber trotzdem würde das Mortara-Team auch seinen Rekord gern brechen. Das aber hat ein isländischer Vulkan nun beinahe verhindert.

Gegen sechs Uhr morgens deutscher Zeit twitterte ein offenkundig frustrierter Mortara: "Ziemliche Katastrophe: In Island ist ein Vulkan ausgebrochen, Flughäfen geschlossen. Wir waren schon auf halbem Weg nach Keflavik. Jetzt wieder in Kanada."

Der Vulkan unter dem Eyjafjalla-Gletscher war in der Nacht auf Sonntag zum ersten Mal seit 1823 wieder aktiv geworden. Aus einer langen Spalte spritzte Lava in die Höhe, die Rauchwolke erreichte eine Höhe von bis zu einem Kilometer. Etwa 700 Menschen aus der Umgebung wurden vorsorglich evakuiert.

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Island: Vulkanausbruch am Gletscher
Der Verkehr auf dem internationalen Flughafen Keflavik sowie auf den Flugplätzen von Reykjavík und Akureyri wurde für mehrere Stunden eingestellt. Der transatlantische Flugverkehr über der Insel wurde zeitweilig weiträumig umgeleitet. Bei größeren Vulkanausbrüchen ist das als Vorsichtsmaßnahme üblich: Staub und Asche aus einer Eruption können die Triebwerke von Düsenflugzeugen verstopfen. Inzwischen aber haben die Behörden den Luftraum wieder freigegeben.

"Tanklaster sechs Minuten verspätet. Ziemlich frustriert!"

Mortaras Sabreliner hat die Atlantiküberquerung unterdessen doch noch hinter sich gebracht: Die Crew stellte die Flugroute blitzschnell um und flog nach kurzem Stopp in Kanada statt nach Island ins irische Shannon. Von dort aus ging es weiter nach Marrakesch in Marokko. Das ursprüngliche Ziel in Nordafrika war Casablanca - doch um trotz der geänderten Route die erforderliche Mindestdistanz zurückzulegen, mussten die Weltumflieger ein weiteres Mal umdisponieren. All das sorgt für wachsende Frustration und Ungeduld. Aus Marrakesch twitterte Mortara: "Tanklaster in Marrakesch sechs Minuten verspätet. Wir sind allmählich ziemlich frustriert, um es milde auszudrücken!" Kurz darauf: "Wir hängen hinter einem Propellerflugzeug fest und warten auf Startfreigabe. Das dauert zu lang!!!!"

Dem offiziellen Missionsblog zufolge scheint der Rekordversuch dennoch geglückt zu sein. "In Genf gelandet: 16:06 UTC", lautet dort der vorläufig letzte Eintrag vom Sonntagnachmittag. Damit hätte das Team das Ziel erreicht, die Erde in 58 Stunden zu umrunden. Fossets Rekord wäre um neun Stunden unterboten, der Rekord von Arnie Palmer aber knapp verfehlt. Der Promi-Blogger und Journalist Robin Leach gratulierte den Piloten wenigen Minuten später via Twitter zu ihren inoffiziellen Weltrekord.

Inoffiziell deshalb, weil nun erst einmal die Aufzeichnungen des Fluges von der FAI (Federation Aeronautique Internationale) geprüft werden müssen. Während des Rekordversuchs hatte ein Flugschreiber alle zwei Minuten die Position des Fliegers aufgezeichnet. Erst wenn diese Daten ausgewertet worden sind, kann dem Piloten-Team der offizielle Weltrekord zugesprochen werden.

Vulkanausbruch: Spektakulär aber weitgehend ungefährlich

Der erste Vulkanausbruch auf Island seit zehn Jahren ist vorerst glimpflich ausgegangen. Die Behörden der Nordatlantik-Insel ließen sofort nach den ersten Eruptionen in der Nacht zum Sonntag 700 Anwohner am Eyjafjalla-Gletscher 120 Kilometer östlich von Reykjavík in Sicherheit bringen, konnten aber schon einen halben Tag später Beruhigendes mitteilen: Das Zentrum des Vulkanausbruchs lag nicht direkt unter dem Gletscher, sondern jenseits der Eisgrenze am benachbarten Ausflugsgebiet Fimmvörduhals. Deshalb wurde die Wahrscheinlichkeit von Überschwemmungen durch Schmelzwasser im südlichen Island als gering eingestuft.

"Es ist ein ziemlich begrenzter Ausbruch, nicht zu vergleichen mit dem letzten von Hekla vor zehn Jahren", sagte ein Sprecher der nationalen Einsatzzentrale in Reykjavík. Der Geophysiker Magnus Tumi Gudumundsson von der Universität von Island sagte dem Radiosender RUV: "Das ist der bestmögliche Ort für eine Eruption, da die Gegend nicht von Eis bedeckt ist." Es sei jedoch nicht vorherzusagen, wie lange der Ausbruch andauern werde: "Er könnte morgen vorbei sein, er könnte ein oder zwei Jahre weitergehen, aber es ist jedenfalls ein kleiner Ausbruch." Hekla, der bekannteste und aktivste von 30 noch aktiven Vulkanen auf Island, war zuletzt im Jahr 2000 heftig ausgebrochen.

Island ist durch vulkanische Aktivitäten entstanden. Von insgesamt 140 Vulkanen sind 30 noch aktiv. Todesopfer forderte der vulkanische Untergrund zuletzt 1783, als beim einzigen Ausbruch des Laki 9000 Menschen ums Leben kamen. 1996 sorgte der Ausbruch des Vulkans Bardabungu unter dem Vatnajökull, dem größten Gletscher Europas, für eine gigantische Überschwemmung durch Schmelzwasser.

cis/dpa/APD/Reuters



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