Werben um Auslandsgäste Aufbau Tourismus Ost

Die neuen Bundesländer werden bei deutschen Touristen immer beliebter. Doch Gäste aus dem Ausland sind weiter rar. Das soll sich nun ändern: Eine Studie schlägt Strategien zur Stärkung des Tourismus vor.


Berlin – Das Schloss Sanssouci in Potsdam besichtigen, mit dem Kanu über die Seen von Mecklenburg-Vorpommern fahren oder sich in Weimar auf Goethes Spuren begeben: Die neuen Bundesländer haben in den vergangenen zehn Jahren beim Tourismus stark aufgeholt. Nun sollten sie aber mehr Gäste aus dem Ausland anlocken, empfiehlt eine vom Bund in Auftrag gegebene Studie "Strategien zur Stärkung des Tourismus in den neuen Bundesländern".

Schloss Sanssouci: Wo bleiben die ausländischen Touristen?
DDP

Schloss Sanssouci: Wo bleiben die ausländischen Touristen?

Kleine Gemeinden "laufen Gefahr, zu kleinteilig zu agieren", sagte der Verfasser der Studie, Heinz-Dieter Quack, von der Universität Trier. Insgesamt kletterte die Zahl der Übernachtungen in den fünf Ländern von 1996 bis 2006 um mehr als 50 Prozent auf 65,8 Millionen.

In Mecklenburg-Vorpommern nahm sie sogar um 129 Prozent auf 24,8 Millionen zu - wodurch sich das Küstenland weit an die Tourismus-Spitze schob. Mit Abstand folgten Sachsen mit insgesamt 16,4 Millionen Übernachtungen im Jahr 2006 (plus 34 Prozent), Brandenburg mit 9,5 Millionen (plus 31 Prozent), Thüringen mit 8,7 Millionen (plus 13 Prozent) und Sachsen-Anhalt mit 6,4 Millionen (plus 21 Prozent).

Lege man die Übernachtungen pro Einwohner zugrunde, liege Mecklenburg-Vorpommern nicht nur weit vor den westdeutschen Ländern, sondern unter 86 untersuchten europäischen Regionen auf Platz drei nach Tirol und Kärnten, sagte Quack. Betrachte man auch Bettenauslastung, Betriebsgrößen und Aufenthaltsdauer, nehme Mecklenburg-Vorpommern mit dem neunten Rang ebenfalls eine Spitzenposition im Wettbewerb der europäischen Zielgebiete ein.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) forderte die Regionen auf, verstärkt in Marketing zu investieren und dieses verstärkt über Kommunalgrenzen hinweg in Kooperationen zu betreiben.

Noch kräftig am Image feilen

"Wir müssen weg vom Kirchturm-Denken hin zur Zusammenarbeit", sagte Tiefensee. Der Tourismus sei in Ostdeutschland zur "Erfolgsgeschichte" geworden. Der Bund fördere die vielen mittelständischen Betriebe über Existenzgründungen, beim Investieren und über den Zugang zu Auslandsmärkten.

Zur Entwicklung der Branche hält Tiefensee eine bessere Anbindung an den Luftverkehr für nötig. Gefördert werden müsse der Radtourismus und hübschere Gebäude.

Die direkten Übernachtungsumsätze in Ostdeutschland kämen derzeit auf rund 5,7 Milliarden Euro. Hinzu kämen noch einmal 11 Milliarden aus dem Tagestourismus. 450.000 Beschäftigte profitierten direkt und - über andere Branchen - indirekt von den Ferien- und Geschäftsgästen. Das seien 8 Prozent aller Erwerbstätigen in den neuen Ländern. Tiefensee: "Es ist realistisch, dass bis 2020 jeder zehnte Beschäftigte in Ostdeutschland (...) vom Tourismus abhängig sein wird." Laut Studie hat sich der positive Tourismus-Trend im ersten Halbjahr 2007 fortgesetzt.

Allerdings muss die Branche laut Quack noch kräftig an ihrem Image feilen, um im schärfer werdenden Wettbewerb mit den mittel- und osteuropäischen Nachbarregionen mitzuhalten. Diese seien bei Befragungen von Touristen unter anderem wegen des vergleichsweise billigen Urlaubs und der gastfreundlichen Menschen im Vergleich zu den Ostdeutschen gelobt worden. Die neuen Länder punkteten mit gepflegten Dörfern und Städten, mehr Sicherheit für die Touristen und qualifiziertem Servicepersonal.

son/dpa/ddp



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