Reiserecht Veranstalter müssen mit komplettem Endpreis werben - samt Servicegebühr

Transparent und fair ist das nicht: Ein Reiseveranstalter hat in seiner Werbung für eine Kreuzfahrt die übliche Servicegebühr als Sternchenhinweis versteckt. Koblenzer Richter befanden dies für wettbewerbswidrig.


Koblenz - Verbraucher müssen in der Werbung vollständig und klar über alle Kosten informiert werden - der Veranstalter darf nur mit dem kompletten Endpreis werben.

Dazu zählen auch die Gebühren für Leistungen Dritter, die der Urlaubsgast nicht freiwillig, sondern gezwungenermaßen in Anspruch nehmen muss, wie das Oberlandesgericht Koblenz in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil entschied und damit eine Entscheidung des Landgerichts Koblenz bestätigte. Insbesondere gelte diese Regelung für das auf einer Kreuzfahrt anfallende tägliche sogenannte Serviceentgelt.

In dem verhandelten Fall hatte ein Reiseveranstalter in einer Zeitschrift für Kreuzfahrt und Badeurlaub geworben, ohne in den hervorgehobenen Preis die pro Person täglich anfallenden Servicegebühren einzurechnen. Dagegen wurde Klage eingereicht. Das Landgericht hatte dieser stattgegeben und ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro angedroht.

Nun wies das Oberlandesgericht die Berufung weitestgehend zurück: In dieser Werbung habe der Reiseveranstalter mit Preisen geworben, ohne die Endsumme anzugeben, und damit gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und die Preisabgabenverordnung verstoßen, entschieden die Koblenzer Richter.

Serviceentgelte seien feste Preisbestandteile und kein freiwilliges Trinkgeld. Sie nur durch einen Sternchenhinweis kenntlich zu machen, reiche nicht aus, um für die notwendige Preisklarheit und -wahrheit zu sorgen.

Das Gericht setzte dem Reiseveranstalter demnach eine Frist bis Jahresende, um seine Angebote abzuändern. Das Urteil ist rechtskräftig.

abl/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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ochim1103 19.06.2014
1.
Was ist so geheimnisvoll am Reiseveranstalter, dass sein Name nicht genannt wird? Dienst am Leser sieht anders aus.
Gluehweintrinker 04.10.2014
2. Keine Änderung erfolgt
Wer sich in Buchungsportalen umsieht, der stellt sofort.fest, dass das Serviceentgelt bei keinem Anbieter im.Gesamtreisepreis enthalten ist. Hier existiert nach wie vor das amerikanische Trinkgeldprinzip, wenn auch unter Zwang, gegen das deutsche Kreuzfahrer immer wieder opponieren.
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