White Island Neuseeländische Vulkaninsel bleibt gesperrt

Der Vulkan von White Island könnte jederzeit wieder ausbrechen. Die Rettungsteams dürfen daher nicht auf die Insel und eventuelle weitere Opfer bergen.
Satellitenbild von White Island (Archiv)

Satellitenbild von White Island (Archiv)

Foto: Maxar Technologies/ AP/ DPA

Zwei Tage nach dem Vulkanausbruch werden noch acht Leichen auf White Island vermutet. Doch die Rettungsteams könnten die Insel vor Neuseelands Nordinsel wegen der Gefahr eines neuen Ausbruchs immer noch nicht betreten, teilte die Polizei mit. Die unbewohnte Insel bleibt weiter gesperrt. Die Leiterin des nationalen Zivilschutzes, Sarah Stuart-Black, sprach von einer "höchst tragischen Situation", nicht nur für die Angehörigen.

Weil ab Donnerstag mit schlechterem Wetter gerechnet wird, stehen die Behörden massiv unter Druck, endlich mit der Bergung der Leichen zu beginnen. Aus dem Vulkankrater treten aber weiterhin giftige Gase aus, die ganze Insel ist mit einer dicken Schicht säurehaltiger Asche bedeckt. Nach Angaben von Seismologen liegt die Gefahr für einen weiteren Ausbruch zudem bei 40 bis 60 Prozent.

"Es wäre Wahnsinn, Männer und Frauen nach White Island zu schicken, wenn es dort nicht sicher für sie ist", sagte Polizeiminister Stuart Nash dem Sender Radio New Zealand. Am Mittwoch setzten die Rettungskräfte eine Drohne ein, um die Konzentration giftiger Gase in der Luft rund um die Insel zu messen. Die gesammelten Daten müssten aber noch ausgewertet werden, erklärte die Polizei.

Video: Angst vor weiterem Ausbruch verhindert Bergung

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"Jeder Tag, der vergeht, ohne dass die Leichen geborgen werden, ist ein Tag der Qual für ihre Angehörigen", sagte die Leiterin des Zivilschutzes, Sarah Stuart-Black. Bislang sei das Risiko aber "einfach zu groß". Die Polizei überprüfe alle zwei bis drei Stunden, ob der Einsatz endlich starten könne, versicherte Polizeichef Bruce Bird.

"Wir sind zweifellos noch nicht über den Berg"

Insgesamt hielten sich zum Zeitpunkt der Eruption 47 Menschen auf der Insel auf, darunter vier Deutsche, die nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin verletzt wurden. Die anderen Ausflugstouristen und Reiseleiter kamen aus Australien, den USA, Großbritannien, China, Malaysia und Neuseeland und die meisten als Tagesausflügler des Kreuzfahrtschiffs "Ovation of the Seas".

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums schwebten noch 22 Überlebende mit schwersten Verbrennungen in Lebensgefahr. Mehrere der Opfer könnten nicht sprechen, sie hätten schwere Verbrennungen nicht nur an der Körperoberfläche, sondern auch an inneren Organen, sagte Polizeiminister Nash.

Die Ärzte im Bezirk Manukau kündigten am Montag an, zusätzliche 120 Quadratmeter Haut anzufordern, die für die fortlaufende Behandlung der Wunden und Transplantate benötigt würden. Die Operationssäle seien rund um die Uhr in Betrieb, um die Opfer des Unglücks zu behandeln.

Experten zufolge stieß der Vulkan bei der Eruption extrem heißen Dampf und kanonenkugelgroße Gesteinsbrocken aus. Einige der Verletzten seien "sehr, sehr schwer verletzt" und könnten trotz einer exzellenten Behandlung vielleicht nicht gerettet werden, sagte Nash. "Wir wünschen ihnen alles Gute, aber wir sind zweifellos noch nicht über den Berg."

Die australische Regierung kündigte unterdessen an, einige der Verletzten nach Australien auszufliegen. Drei Maschinen der australischen Luftwaffe seien dazu bereits nach Neuseeland geflogen, teilte Premierminister Scott Morrison mit. Der Transport von bis zu zehn Patienten solle in den kommenden 24 Stunden beginnen.

White Island - bei den Maori, der indigenen Bevölkerung Neuseelands, Whakaari genannt - liegt in der Bay of Plenty im Nordosten vor der neuseeländischen Nordinsel. Der Vulkan gilt als gefährlichster des Landes. Er war seit einiger Zeit wieder verstärkt aktiv, trotzdem fuhren immer wieder Boote mit Ausflüglern dorthin. Das Betreten der Insel war nur mit ausgebildeten Führern gestattet. Das Eiland in Privatbesitz ist nunmehr als Todeszone komplett gesperrt.

abl/dpa