Wiesn-Bilanz Touristen, Bier, Regen - alles in Strömen

Trotz einiger Regentage sind Stadt, Wirte und Schausteller zufrieden: 6,2 Millionen Besucher strömten dieses Jahr aufs Münchner Oktoberfest - und tranken 6,7 Millionen Liter Bier. Dass das begehrte Getränk jedoch nicht gleichmäßig auf die Besucher verteilt war, davon zeugen Hunderte Bierleichen.


München - In bayerischen Biergärten, Trinkhallen und auf Volksfesten wird das Bier seit jeher in Massen getrunken, nicht in Maßen. Mit zwei "s" und weiblichem Geschlecht wohlgemerkt, denn trotz Duden'scher Zweideutigkeit spricht der Bayer die Maßeinheit fürs Bier, die schlicht und ergreifend einen Liter bezeichnet, mit kurzem "a" aus. Doch semantische Fragen traten auch dieses Jahr auf der Wiesn wieder völlig in den Hintergrund, angesichts geradezu existenzialistischer Fragen wie "Wie schnell kommt die Mass?" und "Ist sie auch gescheit eingeschenkt?".

Dem Brauch, das Bier in großzügiger bemessenen Mengen zu trinken, als das in den übrigen deutschen Gefilden die Regel ist, schlossen sich aber auch zahlreiche Nichtbayern mit großer Begeisterung an. Unter den Ausländern sind nach wie vor die Italiener die eifrigsten Besucher, neuer Beliebtheit erfreut sich das Oktoberfest nach Weishäupls Beobachtung bei Amerikanern und Osteuropäern. Die Festleiterin lobte besonders das Outfit der Gäste: "Die Tracht hat die Wiesn geprägt." Auch die ausländischen Besucher hätten sich so zahlreich wie nie zuvor in Lederhose und Dirndl gekleidet.

Das Wetter spielte zwar diesmal nicht durchgehend mit, aber nachdem anfangs nicht nur Bier, sondern auch Regen in Strömen auf die Besucher herabkam, heiterten sich Wetter und Mienen nach ein paar Tagen merklich auf und es wurde doch noch ein sonniges Fest.

Im Tagesdurchschnitt, so war heute, am letzten Tag der diesjährigen Wiesn, von Festleiterin Gabriele Weishäupl zu hören, wurde dieses Jahr so viel Bier ausgeschenkt wie nie zuvor. Im vergangenen Jahr waren es zwar während der gesamten Wiesn 200.000 Liter mehr - aber da dauerte das Volksfest auch zwei Tage länger als sonst. Das Oktoberfest findet nämlich trotz seines Namens größtenteils im September statt, es endet traditionell schon am ersten Sonntag im Oktober. Wenn allerdings der Nationalfeiertag wie im vergangenen Jahr auf einen Dienstag fällt, nimmt man es nicht gar so genau und verlängert einfach noch um zwei Tage.

Viel Bier benötigt auch eine entsprechende Grundlage. Daher servierten die Wirte diesmal auch zehn Prozent mehr Speisen als im Vorjahr. 104 Ochsen, zwei mehr als 2006 mussten für die hungrigen Besucher ihr Leben lassen. Der Dreiklang aus Bier, Hendl und Brezn war jedoch auch in diesem Jahr der Klassiker. Auch Christian Ude ist zufrieden. "Es war wirklich ohne jede Schönfärberei eine prächtige Wiesn", so das Fazit des Oberbürgermeisters.

Auch die Souvenirverkäufer waren glücklich: Gläser, T-Shirts und Tassen mit dem Wiesn-Logo waren am letzten Tag weitgehend ausverkauft. Sich Bierkrüge als unfreiwillige Souvenirs mitzunehmen, blieb ein beliebter Sport, der jedoch immer schwieriger wird. Rund 200.000 Krüge wurden den Bierfreunden schon am Zeltausgang von Ordnern wieder abgenommen.

In den Zelten wurde indes der Wiesn-Hit 2007 auserkoren: "Ein Stern, der deinen Namen trägt" vom österreichischen DJ Ötzi gewann vor dem Lasso-Song von Schlagersänger Olaf Henning und "Ruby" von der englischen Rockband Kaiser Chiefs.

Die Münchner Polizei sprach von einer "überschaubaren und gelassenen Wiesn". Zwar mussten die rund 300 auf dem Oktoberfest eingesetzten Polizisten öfter ausrücken als im vergangenen Jahr, die Anzahl der gefährlichen Körperverletzungen ging jedoch zurück. Der schwerste Vorfall ereignete sich am vergangenen Montag, als ein italienischer Student in einer Gaststätte in der Nähe des Oktoberfestes von zwei Albanern niedergestochen und lebensgefährlich verletzt wurde. Die 17 und 19 Jahre alten Täter konnten zwei Tage später in Italien gefasst werden.

Den Sanitätern bescherten die Besucher ein ruhigeres Fest als im vergangenen Jahr. "Spektakuläre Einsätze blieben dieses Jahr Gott sei Dank aus", sagte Peter Lang, Einsatzleiter des Bayerischen Roten Kreuzes. Lediglich einige Brüche sowie Platz- und Schnittwunden gab es zu versorgen, dazu die üblichen "Bierleichen", deren Zahl mit 565 etwa so hoch lag wie im Vorjahr. Insgesamt mussten die Sanitäter knapp 8000 Patienten behandeln, rund 1500 weniger als im Vorjahr.

dab/dpa/ddp



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