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Spaniens Fluglotsen streiken: Warten am Gepäckband

Foto: Jasper Juinen/ Getty Images

Wilder Streik Fluglotsen stürzen Spaniens Luftverkehr ins Chaos

Nichts geht mehr: Spanische Fluglotsen haben ohne Vorwarnung ihre Arbeit niedergelegt - offenbar als Reaktion auf einen Beschluss der Regierung. Der Flugverkehr kam im gesamten Land fast komplett zum Erliegen. Hunderttausende Reisende sitzen an Flughäfen fest.

Madrid - Ein wilder Streik von Fluglotsen hat den Luftverkehr in Spanien am Freitag fast vollständig zum Erliegen gebracht. Insgesamt acht Flughäfen - in Madrid, Barcelona, Mallorca, Menorca, Ibiza und auf den Kanarischen Inseln - wurden geschlossen. Lediglich über Andalusien im Süden des Landes gebe es noch Flugverkehr, sagte ein Sprecher der spanischen Flugsicherung AENA der Nachrichtenagentur AFP.

Weite Teile des spanischen Luftraums mussten gesperrt werden. Die AENA rief Passagiere, die am Freitag in Spanien eine Flugreise antreten wollten, dazu auf, zuhause zu bleiben. Am Freitagabend sollte ein Treffen der AENA mit der europäischen Flugsicherung Eurocontrol und der US-Behörde FAA stattfinden, um über die Transatlantikflüge zu beraten und zu verhindern, dass Flugzeuge aus anderen europäischen Ländern spanische Flughäfen anfliegen.

In einer Mitteilung forderte Spaniens Regierung die Streikenden dazu auf, ihre Arbeit "sofort" wieder aufzunehmen. Andernfalls würde das Militär formal die Kontrolle über die Tower übernehmen und damit die Fluglotsen militärischem Kommando unterstellen. Sich dem Militär zu verweigern, hätte eine schwerwiegendere Strafe zur Folge.

Die Fluglotsen hatten sich in einer geschlossenen Aktion ohne vorherige Streikankündigung gegen 17 Uhr plötzlich krank gemeldet und ihre Arbeitsplätze verlassen. Nach Angaben von AENA taten dies etwa 70 Prozent der Lotsen. Andere Quellen sprachen sogar davon, dass 90 Prozent der Lotsen ihre Arbeit niedergelegt hätten. Die AENA verurteilte die Aktion als "untragbar" und "unverantwortlich". Sie beschuldigte die Lotsen, die Fluggäste als Geiseln genommen zu haben. Die Protestaktion sei ein strafbares Vergehen und könne zur Entlassung führen.

Tausende protestieren auf Mallorca gegen Chaos

Die Fluglotsen reagierten mit der massenhaften Niederlegung ihrer Arbeit offenbar auf einen Beschluss der spanischen Regierung, die eine neue Regelung für die Dienstzeiten der Lotsen eingeführt hatte. Die Fluglotsen stehen seit Monaten mit dem Verkehrsministerium und der Flughafenbehörde in einem Tarifkonflikt. Die Regierung hatte kurz vor dem wilden Streik mitgeteilt, bis zu 49 Prozent von AENA verkaufen zu wollen.

Die Schließung der Flughäfen trifft zeitlich mit dem Beginn eines langen Wochenendes in Spanien zusammen: Montag und Mittwoch sind freie Tage. Deswegen war eine große Reisewelle erwartet worden. Nach Schätzungen der AENA hatten etwa vier Millionen Personen in Spanien für das lange Wochenende Flüge gebucht. Für Freitag waren in Spanien etwa 5000 Flüge angesetzt. Etwa 3000 davon waren bereits gestartet oder gelandet, als der wilde Streik begann.

Spanische Medien berichteten, dass manche Passagiere stundenlang in Flugzeugen saßen, die auf ihren Start warteten - nur um dann wieder zu den Gates zurückzukehren und auszusteigen. Nach Angaben der Fluggesellschaft Iberia saßen 200.000 Reisende fest. Das Madrider Verkehrsministerium berief ein Krisenkomitee, um das Chaos unter Kontrolle zu bekommen. Auf den Flughäfen bildeten sich an den Abfertigungsschaltern lange Warteschlangen.

Der staatliche Rundfunk RNE berichtete, nur noch wenige Flugzeuge hätten landen können, die sich bei Beginn der Protestaktion bereits in der Luft befunden hatten. Reisende, die an Flughäfen auf ihre Maschinen warteten, wurden dazu aufgerufen, die Abfertigungshallen zu verlassen.

Auf dem Flughafen auf Mallorca protestierten Tausende von festsitzenden Passagieren gegen das Chaos. Die spanischen Fluggesellschaften bezeichneten die Lage als sehr kritisch. Sie äußerten die Erwartung, dass das Chaos wenigstens bis um 1.00 Uhr in der Nacht zum Samstag andauern würde.

Die Lufthansa strich nach eigenen Angaben zunächst sechs Flüge nach Spanien. Andere Maschinen verspäteten sich. Auch Flüge der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin waren stark betroffen. Man beginne, die Fluggäste in Hotels unterzubringen, sagte ein Sprecher. Er sagte, der Ausstand solle bis Mitternacht dauern.

ulz/dpa/AFP/AP
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